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Sportliche Bewegung kann in vielen Fällen Medikamente ersetzen  (TK-Pres­se­fo­to 8512000533)
Sportliche Bewegung kann in vielen Fällen Medikamente ersetzen (TK-Pres­se­fo­to 8512000533)
Bewegung so effektiv wie Medikamente

Muß es immer gleich eine Pille sein, wenn mal der Bauch drückt oder das Herz rattert? Eine Studie verspricht, dass in viele Fällen Bewegung oder Sport viel nützlicher sind, als ein Medikament. Nun ist die Botschaft ja nicht neu. Bewegung, das wissen wir alle, hält uns gesund und länger am Leben. Doch erstaunlich ist, dass diese Zusammenhänge nur unzureichend wissenschaftlich belegt sind.

Das körperlich fitte Menschen länger und gesünder leben, dazu gibt es viele Untersuchungen. Doch inwieweit Bewegung Medikamente sogar ersetzen kann, das scheint nur wenige zu interessieren. Britische Wissenschaftler um Huseyin Naci haben jedenfalls fest gestellt, dass es nur zu vier Krankheitsbildern wirklich aussagekräftige Daten gibt, ob Bewegung einen Schutz vor den Erkrankungen bietet und möglicherweise dadurch die Einnahme von Medikamenten überflüssig macht.

Dazu hat Naci die Daten von 339.274 Patienten ausgewertet. Bei denen wurden die Ergebnisse einer medikamentösen Behandlung und von Bewegung verglichen und zwar in Bezug auf die koronare Herzkrankheit - das ist eine Erkrankung der Herzgefäße, Schlaganfall, Herz-Kreislauf-Erkrankung und Diabetes.

Bei der Erkrankung der Herzkranzgefäße sorgten die verschiedenen Medikamente (z.B. Stadien, Beta-Blocker, ACE-Hemmer, Thrombozytenaggregationshemmer) die Sterblichkeit um zwischen 4 und 26% senkten. Sportliche Betätigung schaffte ein vergleichbares Ergebnis: die Sterblichkeit sank um bis zu 24%. Einen statistisch erheblichen Unterschied konnten die Wissenschaftler zwischen den beiden Methoden nicht fest stellen.

Beim Schlaganfall zeigte sich ein Trainingsprogramm deutlich erfolgreicher als Medikamente. Während Bewegung das Sterberisiko um 28 bis 91% senken konnte, schafften die Arzneimittel gerade einmal bis zu 15%, in manchen Fällen erhöhten sie sogar das Risiko zu sterben um bis zu 12%.

Bei der Herz-Kreislauf-Erkrankung konnte eine Bewegungstherapie zwar in der Effektivität mit Beta-Blockern, ACE-Hemmern und Agiotensin-Rezeptoren-Hemmern mindestens mithalten. Doch die wirksamste Behandlung stellten Diuretika dar, die alle anderen Behandlungsmethoden bei weitem übertrafen.

Bei der Behandlung des Diabetes urteilen die Wissenschaftler, dass weder Sport noch Pillen wirklich die Sterblichkeit vermindern. Tatsächlich zeigen die Auswertungen für alle Therapien große Bandbreiten. Bei der Bewegung reichte diese von einer Verminderung der Sterblichkeit um 33% bis zu einer Risikoerhöhung um 27%. Bei den verschiedenen Medikamenten von einer Risikominderung um 75% bis zu einer Risikoerhöhung um über 300%.

Obwohl Naci beklagt, dass es so wenig Studie zum direkten Vergleich der Wirkung von Medikamenten und Bewegung gibt, bewertet die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung eindeutig: In den meisten Fällen kann körperliche Bewegung nicht nur vergleichbar helfen wie Medikamente, sondern liefert sogar bessere Ergebnisse. Es gibt zwei Aber: 1. Es ist nicht auszuschließen, dass in den Patientengruppen mit der medikamentösen Therapie, ältere und schwer kränkere Personen eingeschlossen wurden. Was dazu führen kann, dass die Ergebnisse von Arzneimitteln schlechter ausfallen. 2. In vielen Studien wird die Effektivität von Bewegung an Patienten gemessen, die dennoch ein Medikament erhalten. In diesen Fällen kann die Bewertung der Wirkung von Bewegung möglicherweise unterschätzt worden sein.

Berliner Ärzteblatt 04.10.2013/ Quelle: Am. J. Epidemiol. (2013)

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