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Zu intensives und langes Laufen schadet Herz und Gefäßen (Foto: Petra Bork/pixelio.de)
Zu intensives und langes Laufen schadet Herz und Gefäßen (Foto: Petra Bork/pixelio.de)
Sport: Weniger ist oft mehr

Sich zu bewegen, ist gesund. Wer will das bestreiten? Aber wer sich zu viel zumutet, den kann Sport auch krank machen. So haben US-Kardiologen heraus gefunden, das ein zu intensives Training und das Laufen eines Marathons dem Herzen eher schaden denn nutzen. Wer unbedingt einen Marathon laufen wolle, sollte das einmal oder höchstens ein paar wenige Male im Leben tun. Ansonsten empfehlen sie Trainingszeiten von maximal 30 bis 50 Minuten am Tag.

Laufen verlängert das Leben. Joggen ist gesund und stärkt Herz und Kreislauf. Tägliches Training hält einen fit und schlank. Diese Botschaften werden gerne verbreitet, um Menschen zur mehr Bewegung anzuhalten. Denn viele Studie zeigen immer wieder, dass wenig körperliche Aktion Krankheiten fördert und das Leben verkürzt. Und tatsächlich stärkt Sport die Herz-Kreislauf-Gesundheit. In einer Studie wurden 416.000 Erwachsene für die Dauer von acht Jahren beobachtet. Diejenigen, die ein tägliches Training absolvierten, verminderten ihr Risiko zu sterben um 40%. Dabei zeigte sich aber, dass oberhalb einer Trainingszeit von 45 Minuten kein zusätzlicher Nutzen mehr erreicht wurde.

In einer andere Studie wurden 52600 Menschen dreißig Jahre lang beobachtet. Die 14000 darunter, die regelmäßig liefen, hatten im Vergleich zu den Nichtläufern ein um durchschnittlich 19% vermindertes Sterberisiko. Doch dieser Vorteil verminderte sich bei den Sporttreibenden, die pro Woche über 32 bis 40 Kilometer zurück legten. Diejenigen, die wöchentlich zwischen 8 und 30 Kilometern liefen, senkten ihr Sterberisiko dagegen um 25%. Dieses "Zu-viel-kann-zu-viel-sein", zeigte sich auch bei der Intensität des Trainings. Wer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 12 km/Stunde rannte, half seiner Gesundheit damit weniger, als diejenigen, die mit etwa 9 km/Stunde dahin trotteten. Und die Läufer, die an sechs oder sieben Tagen in der Woche ihr Pensum absolvierten, lebten ungesünder als die, die an zwei bis fünf Tagen pro Woche trainierten.

Dass Joggen grundsätzlich erst einmal gesund ist, hat eine Studie in Dänemark (Copenhagen City Heart Study) belegt. Von 1976 an untersuchten Ärzte rund 20000 Dänen. Jogger lebten im Durchschnitt sechs Jahre länger als Faulpelze. Sie hatten ein um 44% vermindertes Sterberisiko. Diejenigen, die in dieser Studie am meisten für ihre Gesundheit heraus holten, waren Läufer, die pro Woche zwischen 1 und 2,4 Stunden verteilt auf zwei bis drei Einheiten trainierten.

Warum weniger mehr sein kann? Ärzte sagen, dass zu intensives Training, das über ein oder zwei Stunden dauert, das Herz und die Arterien überbelastet. Das führe zu winzigen Beschädigungen, die sich über Jahre hinweg zu Myokardfibrose (Gewebewuchungen am Herzen) auswachsen können. Die Folge davon können Herzrhythmusstörungen, Gefäßverschlüsse, Verhärtungen der Gefäßwände sowie Fehlfunktionen der Herzkammern sein. Was das bedeutet? In Ruhe pumpt das Herz etwa 5 Liter Blut, bei intensivem Training werden es 25 bis 35 Liter pro Minute. Wenn diese Belastung länger anhält und sich ständig wiederholt, sind Schäden unausweichlich. Deshalb raten Kardiologen dazu, nicht mehr als 30 bis 50 Minuten am Tag zu trainieren.

Berliner Ärzteblatt 30.11.2012/ Quelle: Heart. doi:10.1136/heartjnl-2012-302886
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