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NIedrige dosierte Hormonpflaster sollen Risiken z.B. für Brustrkebs nicht mehr erhöhen (Foto: ABDA)
NIedrige dosierte Hormonpflaster sollen Risiken z.B. für Brustrkebs nicht mehr erhöhen (Foto: ABDA)
Wechseljahre: Hormonersatzbehandlung doch weniger gefährlich?

Frauenärzte geben Entwarnung. Eine Hormonersatztherapie (HRT) ist doch nicht so gefährlich, wie verschiedene Studien ergaben. Der Berufsverband der Frauenärzte meint, "dass bei früher Substitution – im Alter unter ca. 60 Jahren – , unter Vermeidung langjähriger Östrogendefizite, für nicht mit speziellen Risikofaktoren oder Vorerkrankungen belastete Frauen der Nutzen einer indizierten Hormonersatzbehandlung (HRT) die Risiken meist überwiegt.“ Neue Anwendungsformen und veränderte Zusammensetzungen könnten  die möglichen Risiken verringern. Doch Zweifel bleiben.

Ausgangspunkt aller Warnungen und der Neubewertung der HRT waren Ergebnisse aus der Women‘s Health Study (WHI-Studie). Im Jahre 2002 führte die Erkenntnis, dass eine HRT das Risiko für Brustkrebs um 26%, für Schlaganfälle um 41% sowie für Herzinfarkte um 29% erhöhte und zu einer Verdoppelung von Thrombosen und Embolien führte, zum Abbruch viele Hormonbehandlungen. Zudem veränderten die medizinischen Fachgesellschaften ihre Therapieempfehlungen: Behandelt werden sollte nur noch in Ausnahmefällen, nur kurze Zeit und mit geringeren Dosierungen.

Jetzt sorgen neue Auswertungen der WHI-Studie sowie andere Untersuchungen dafür, dass sich die Bewertung eine HRT wieder ändert. Frauenärzte sagen, dass Hormone, die nicht als Tabletten eingenommen, sondern als niedrig dosiertes Pflaster aufgeklebt oder auch lokal nur an der Vagina angewendet werden, viele Risiken nicht nur nicht mehr erhöhen, sondern sogar vermindern. So könne eine Zunahme von Thrombosen und Embolien verhindert werden. Herzinfarkte würden nicht mehr vermehrt auftreten, in manchen Studien sei sogar ein vermindertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen festgestellt worden. Das betrifft vor allem Frauen, die bald nach Eintritt der Wechseljahre mit der Behandlung begannen. Anders sieht das allerdings   bei Frauen aus, die schon vor der Therapie Herzprobleme oder einen Bluthochdruck hatten. Bei denen stieg das Risiko für Herzattacken, Herzinfarkte und auch Schlaganfälle. Vor allem wenn diese Frauen älter als 60 Jahre sind, könne eine HRT ein Risiko darstellen, urteilt die Fachgesellschaft.

Was das Risiko für Brustkrebs betrifft: Frauenärzte betonen, dass die Erhöhung des Brustkrebsrisikos vor allem durch Gestagene hervorgerufen werde. Östrogene würden darauf - wenn überhaupt - "nur in sehr geringem Ausmaß" Einfluss nehmen. In der WHI-Studie sei in einer Untergruppe von Frauen, die nur Östrogene bekamen, aber keine Gestagene, die Brustkrebs-Häufigkeit sogar gesunken. 

Wahrscheinlich, so die Vermutung der Frauenärzte, sei der Effekt zudem abhängig von der Hormonmenge. In der WHI-Studie wurde das Gestagen Medroxyprogesteronacetat (MPA) in einer Dosis verwendet, die heute als überholt gelte. Viele Hormonexperten nehmen an, dass mit modernen, niedrig dosierten Gestagenen das Brustkrebsrisiko sogar deutlich vermindert werden könne. Ganz verzichten könne man auf diese Hormone nicht, weil das Östrogen allein die Schleimhaut der Gebärmutter zu fortdauerndem Wachstum anregen würde. Und das könne das Krebsrisiko erhöhen. Auf Gestagene in der HRT können nur bei den Frauen verzichtet werden, denen bereits die Gebärmutter entfernt oder eine gestagenhaltige Hormonspirale gelegt wurde.

Außerdem weisen Frauenärzte darauf hin, dass bei Frauen mit einer HRT schon nach wenigen Jahren das Risiko, Dichdarmkrebs zu bekommen, auf beinahe die Hälfte sinke.

Anmerkung: Auch in diesem Statement der Frauenärzte gibt es viele Wenn und Aber, Annahmen und Vermutungen. In verschiedenen Studien, die nach der WHI-Studie unternommen wurden, hat sich das Risiko einer HRT eher bestätigt als entkräftet. So in der Million Women Study (J Natl Cancer Inst 2011; 103: 1): Bei einer kombinierten HRT verdoppelte sich das Brustkrebsrisiko im Vergleich zu Frauen ohne HRT. Unter einer Östrogen-Monotherapie war es immer noch um 38% erhöht. Darüber hinaus spielte die Dauer der Therapie eine Rolle. Das Risiko für einen Brustkrebs lag bei über fünf Jahren HRT wesentlich höher als bei einer Dauer unter fünf Jahren.

Auch eine in Deutschland vom Deutschen Krebsforschungszentrum durchgeführt Studie (MARIE, International Journal of Cancer 2008, DOI 10.1002/ijc.23655), zeigt im Vergleich von 3464 Brustkrebspatientinnen mit 6657 gesunden Frauen, dass eine HRT das Brustkrebsrisiko erhöht. Allerdings differenziert diese Untersuchung sehr genau den unterschiedlichen Effekt verschiedener Hormonpräparate. Bezogen auf das Risiko der Nie-Anwenderinnen verdoppelte eine Kombinationstherapie mit Östrogen und Gestagen das Brustkrebsrisiko. Direkt während der Zeit der Hormoneinnahme war das Risiko sogar um 73 Prozent erhöht. Innerhalb von fünf Jahren nach dem Absetzen der Therapie sank das Brustkrebsrisiko ehemaliger HRT-Patientinnen auf das der Frauen, die niemals eine HRT bekommen hatten. Bei Frauen mit einer Östrogen-Monotherapie stieg die Erkrankungswahrscheinlichkeit dagegen "nur" um 15 Prozent. Die Risikovermehrung trat in beiden Therapieformen aber nur ein, wenn die Hormone über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren eingenommen wurden.

Was bleibt? Jede betroffene Frau muss sich selbst entscheiden, ob sie die Begleiterscheinungen der Wechseljahre mittels einer Hormonersatztherapie mindern will. Die Risiken bleiben bestehen und verdoppeln sich bei fünf Jahren Einnahme jährlich, wie Marcia Stefanik von der Stanford University betont, die in Kalifornien im Jahr 2009 Ergebnisse einer eigenen Untersuchung veröffentlicht hat (New England Journal of Medicine). Dieses gilt vor allem für die Therapie mit einer Kombination von Hormonen. Sagt Stefanik: "Frauen nehmen diese Hormone ein und innerhalb von fünf Jahren ist ihr Brustkrebs-Risiko deutlich erhöht. Sie beenden die Einnahme und innerhalb eines Jahres ist das Risiko wieder im normalen Bereich."

Berliner Ärzteblatt 30.10.2012/ Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe; Frauenarzt 53(2012), 916 ff.

Weitere Informationen:
Hormonersatztherapie: Die Frage von Nutzen und Gefahren
Sport gegen Hitzewallungen

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