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Was das Mammografie-Screening wirklich bringt, ist ziemlich umstritten (Foto: Siemens)
Was das Mammografie-Screening wirklich bringt, ist ziemlich umstritten (Foto: Siemens)
Brustkrebs: Mangel- und fehlerhafte Informationen über Früherkennung

Die Information über die Früherkennung von Brustkrebs oder das Mammografie-Screening lässt sehr zu wünschen übrig. So haben Bertelsmann Stiftung und Barmer GEK erhebliche Defizite bei Frauen fest gestellt. Das betrifft vor allem den Nutzen derartiger Untersuchungen. Auch internationale Studie belegen, dass das die Vorteile des Mammografie-Screening meist völlig überbewertet werden.

Der Gesundheitsmonitor berichtet, dass jede zweite Frau über Früherkennung falsch oder gar nicht informiert ist. Von den befragten 1.852 Frauen im Alter von 44 bis 63 Jahren glaubten 30 Prozent, dass die bloße Teilnahme am Mammografie-Screening verhindert, dass sie an Brustkrebs erkranken. Der Nutzen der Untersuchung wird überschätzt, während über die Risiken etwa durch falsche Positiv-Befunde nur wenig bekannt ist.

Dass die Informationslage so schlecht ist, daran sind bundesdeutsche Organisationen nicht ganz unschuldig. Die Kooperationsgemeinschaft Mammographie beispielsweise lobte das Programm als "erfolgreich". Es sei auf "einem sehr guten Weg". Der Gemeinsame Bundesausschuss, das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung von Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten, Krankenhäusern und Krankenkassen in Deutschland, jubelte sogar, dass der Ergebnisbericht über das Mammografie-Screening "die Zweifel am medizinischen Nutzen dieses in Deutschland seit 2005 angebotenen  Screening-Programms" widerlege und "anhand von belastbaren Daten den Mehrwert für alle Frauen, die an dem Programm teilnehmen", unterstreiche.

Derartige Meldungen verschweigen allerdings, dass der Erfolg an Daten gemessen wird, die allenfalls die ausführenden Ärzte interessiert. Denn erfasst werden nur die Zahl der teilnehmenden und deren Anteil an allen teilnahmeberechtigten Frauen sowie die erkannten Tumoren und deren Größe. Eine Analyse, was das Programm den Frauen wirklich bringt, ob dadurch mehr Frauen überleben oder nicht, findet sich nicht. Frühestens 2018 könne man mit solchen Daten rechnen, räumt der sogenannte Evalutionsbericht ein.

Doch inzwischen lassen internationale Studien an dem tatsächlichen Erfolg von Mammografie-Screening und dem Nutzen für die betroffenen Frauen zweifeln. So zeigt eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie aus den USA, wo derartige Untersuchungsreihen schon viel länger durchgeführt werden, dass unter 1000 Frauen, die jährlich untersucht werden, zwischen 0.3 und 3,2 Frauen den Tod durch Brustkrebs vermeiden. Zwischen 490 bis 670 müssen zumindest einen falschen Alarm erdulden. Und 3 bis 14 werden überflüssigerweise behandelt.

Eine erst kürzlich publizierte Untersuchung aus Kanada mit 44925 Frauen, die an einem Screening-Programm teilnahmen, und 44910, die das zwar nicht getan hatten, aber eine jährliche Tastuntersuchung durchführen ließen, zeigte innerhalb von 5 Jahren, dass in der ersten Gruppe bei 666 Frauen ein Brustkrebs diagnostiziert wurde, in der zweiten waren es 524. In der ersten Gruppe starben 180 Frauen an Brustkrebs, in der zweiten 171. Nach 25 Jahren hatte sich das Verhältnis kaum verändert. Die Forscher sagen, dass 22% der Frauen, bei denen im Screening eine Brustkrebserkrankung entdeckt wurde, davon niemals beeinträchtig worden wären. Das bezeichnen die Forscher als Überdiagnose, weil die Frauen unnötig behandelt wurden.

Die Bertelsmann-Stiftung kommt zu der Erkenntnis: "Über die Qualität und das Outcome ist wenig bekannt." Die Stiftung befürchtet, dass die ausgewogene Information durch Ärzte zu kurz kommt und eher für das Screening geworben werde. Die öffentliche Informationsstrategie verhindere wegen der Unverständlichkeit der Informationen auch, dass sich Frauen tatsächlich eine eigene Meinung bilden könnten.



Berliner Ärzteblatt 13.02.2014/ Quelle: Gesundheitsmonitor, BMJ, JAMA

Aktualisierung vom 24.2.2014
Die Kooperationsgemeinschaft Mammographie hat auf dem Krebskongress in Berlin (21.02.14) einen "aktuellen Jahres-Bericht" vorgestellt, in dem Daten aus 2,7 MIo. Untersuchungen ausgewertet wurden. Das Ergebnis: Es wurden 17.500 Karzinome entdeckt, 80% davon sind kleiner als 2 Zentimeter, 78% haben die Lymphknoten noch nicht befallen. Bei acht von 1.000 Frauen wird im Screening in der Erstuntersuchung Brustkrebs entdeckt. In der Folgerunde sind es 5,5. Die Feststellung dazu: "Damit haben die Karzinome heute eine deutlich bessere Therapieprognose als vor Einführung des Screenings." Die Kooperationsgemeinschaft freut sich deshalb, "dass das deutsche Screening auf dem richtigen Kurs ist." Ob ein solches Programm die Brustkrebssterblichkeit tatsächlich positiv beeinflussen kann, „werden wir frühestens 2018 etwas darüber sagen können“.

Mammographie-Screening: Positives Ergebnis

Früherkennung: Nutzen völlig überschätzt

Krebsvorsorge: Nicht alles ist sinnvoll

Vorsorgeuntersuchungen: Mehr Schaden als Nutzen?

 
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