Frauen
Männer
Allergien
Atmungsorgane
Augen, Ohren, Mund, Zähne
Diabetes, Stoffwechselkrankheiten
Haut
Herz-Kreislauf - Herzinfarkt, Schlaganfall
Infektionen, Immunsystem
Migräne, Kopf- und andere Schmerzen
Krebs
Leber, Magen, Darm, Niere, Schilddrüse
Rheuma, Rücken, Gelenke, Knochen
Psyche, Nerven, Gehirn, Suchtkrankheiten
Alternativ
Weitere Krankheiten
 
 

Niedriger Blutdruck im Alter: Kann sinnvoll sein, aber…..

Bluthochdruck zu vermeiden, kann Leben retten. Wer Bluthochdruck hat, der sollte sich also behandeln lassen, um einen "normalen" Blutdruck zu erlangen. Darin stimmen fast alle Mediziner überein. Doch wo der Blutdruck liegen soll, der als "normal" gilt, das ist durchaus umstritten. Manche Experten meinen, dass ein Wert von unter 120 mm Hg angestrebt werden soll. Und zwar ganz unabgängig vom Alter. Andere Experten meinen, dass im Alter ein Wert von 130 bis 140 mm Hg ausreicht. Nun liegt die Auswertung einer Studie vor, die erst einmal belegt, dass eine agressive Senkung des Blutdruckes - also auf 120 mm Hg oder darunter - das Risiko für gefährliche oder gar tödliche Herz-Kreislauf-Zwischenfälle vermindert. Doch eine derartige intensive Bluthochdruck-Therapie hat ihre Tücken.

Im Alter steigt bei den meisten Menschen der Blutdruck. Lange galt das als ein ganz normaler Vorgang. Deshalb wurden ältere Menschen auch erst behandelt, wenn ihr Blutdruck wirklich sehr hoch - also über 160, 170 oder 180 mm HG - gestiegen war. Inzwischen glauben Ärzte/innen es besser zu wissen. Auch bei älteren Menschen, so ihre Erkenntnis, hilft es der Gesundheit, den Blutdruck niedrig zu halten. Als sogenannter Zielwert galt dann 140 mm Hg. Doch aus den USA kam dann die Botschaft, dass auch bei älteren das Senken des Blutdruckes auf 120 mm Hg Todesfälle vermeidet. Dagegen haben sich viele europäische Kardiologen skeptisch ausgesprochen. Und unterstellt wrude, dass die Pharmaindustrie dabei ihre Hände im Spiel haben könnte, würde doch auf diese Weise fast jeder behandlungsfähig.

Doch mit einer neuen Auswertung von Daten von Patienten mit einem Durschnittsalter von 79,9 Jahren scheinen sich die Hinweise zu verdichten, dass eine Blutdrucksenkung auf sogar unter 120 mm Hg bei älteren Menschen Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen vermeiden kann. In der Studie wurde 1317 Personen "intensiv" behandelt (Gruppe 1), Zielwert unter 120 mm Hg und 1319 wurden standardmäßig behandelt (Gruppe 2), Zielwert unter 140 mm Hg. 

In Gruppe 1 wurden während der Beobachtungszeit von über drei Jahren 102 Fälle von Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffzienz, Koronarsyndrom oder Herz-Kreislauftod fest gestellt. In Gruppe 2 waren es 148 Fälle. Allein die Zahl der Todesfälle war in Gruppe 1 um 33% (73 versus 107 Todesfälle) geringer. Das ist in der Sprache der Mediziner "signifikant", also ein bedeutender Unterschied. 

Das hört sich richtig gut an und spricht erst einmal für die These, dass eine Blutdrucksenkung auf unter 120 mm Hg auch bei Senioren/innen wirklich etwas bringt. Doch das ist nur der erste Blick. Der zweite offenbart, dass die intensiv behandelten Patienten/innen auch sehr intensiv von Ärzten betreut wurden. Was bedeutet, dass zusätzliche Arztbesuche notwendig aren. Außerdem wurden bei der Betrachtung Patienten mit bestimmten Erkrankungen ausgeschlossen: z.B. eine bestehende Diabeteserkrankung, ein vorher stattgefundener Schlaganfall oder Herzinfarkt, Herzversagen in den letzten sechs Monaten, Demenzbehandlung oder ein starker Blutdruckabfall nach dem Aufstehen. 

Die intensive Behandlung bedurfte eines zusätzlichen Medikamentes. Ob das allein die Zunahmen von Komplikationen erklärt, lässt sich nicht bestimmen. Grundsätzlich stellten sich in der intensiv-behandelten Gruppe häufiger schwere Blutdruckabfälle, kurze Bewusstlosigkeit, Elektrolytstörungen und Nierenschäden ein.

Das Deutsche Ärzteblatt schreibt denn auch: "Die Zahlen zeigen, dass die intensivierte Therapie nicht ohne Risiken ist." So stellt sich z.B. die Frage, ob die besseren Überlebens- und Erkrankungsdaten allein durch die Medikmanente oder nicht viel mehr durch die viel bessere Beobachtung und das häufigere Aufsuchen des Arztes erreicht wurden, alleine weil Probleme viel früher erkannt und deshalb eine Nachsteuerung der Therapie viel schneller erfolgen konnte. 

Experten raten dazu, den Blutdruck bei älteren Patienten/innen langsam und schrittweise zu senken. Wenn der Zielwert von 140 mm Hg erreicht sei, könnte als nächstes Ziel 130 mm Hg anvisiert und kontrolliert werden, ob das von den Patienten vertragen werde.

23.05.2016/ Quelle: JAMA

Therapie gegen Bluthochdruck: Die andere Behandlung von Frauen und Männern

Senioren: Krafttraining gegen hohen Blutdruck

Bluthhochdruck: Behandlung altersunabhängig

Bluthochdruck: Der unterschätzte Killer

Bluthochdruck: Im Alter kann zu starkes Senken gefährlich sein

Bluthochdruck: Mangelnde effektive Behandlung

 
Seite versenden  
Seite drucken