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Wie der Job das Herz belastet

Das sind die guten Nachrichten: In Industrieländern sinkt seit 30 Jahren die Anzahl der Personen, die an einem Herzinfarkt sterben. Gründe sind weniger Rauchen bei Männern, weniger Bluthochdruck bei Frauen sowie insgesamt bessere Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten. Und das sind die schlechten Nachrichten: Die Zahl der Krankenhausbehandlungen bei Herzinfarkt sinken seit Jahren nicht mehr. Das Herzinfarktrisiko steigt ab einem Alter von 55 Jahren stark an. Viele neue Risikofaktoren liegen laut einer neuen Untersuchung im Zusammenhang von Herzinfarkt, Job-Situation und damit verbundenen psychischen Belastungen.

Dass Rauchen, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Fettleibigkeit das Herzrisiko erhöhen, dürfte mittlerweile jeder wissen. Doch auch die  Arbeitswelt hat Einfluß auf die Herzgesundheit. Dabei gibt es verschiedene Einflüsse, die die Menschen unterschiedlich stark belasten. So leiden (der Gesundheitsreport sagt "nur") 9,3 Prozent unter einer sogenannten beruflichen Gratifikationskrise. Dieser Begriff bezeichnet eine besondere Form von arbeitsbedingtem Stress, die durch eine mangelnde Anerkennung im Beruf ausgelöst wird. Eine Gratifikationskrise entsteht, wenn für Beschäftigte die Belohnung nicht mehr im Verhältnis zu ihrer Anstrengung steht. Sowohl das Gehalt wie auch die Anerkennung können hier eine Rolle spielen.

Für diesen Personenkreis besteht ein mehr als doppelt so hohes Herzinfarktrisiko. Auffällig ist, dass Gratifikationskrisen je nach beruflichem Status unterschiedlich häufig sind. Wer selbstbestimmt arbeiten kann und über Gestaltungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz verfügt, hat damit am wenigsten Probleme. Wer das nicht kann, der hat Probleme. So leiden Facharbeiter mit 11,2 Prozent überproportional daran, ebenso Arbeiter mit 10,8 Prozent. Selbstständige und Freiberufler sind mit 3,9 Prozent sowie Beamte im höheren Dienst mit 6,7 Prozent betroffen. Betriebliche Zielvereinbarungen, bei denen Verantwortung für messbare Arbeitsergebnisse auf Beschäftigte übertragen wird, führen nicht zu mehr Gratifikationskrisen.

Herzinfarkt und psychische Belastung (Quelle: DAK)

Belastend: Zeitdruck und Arbeitsaufkommen
In der Befragung von 3000 Beschäftigten fühlte sich jeder fünfte Befragte stark oder sehr stark durch Zeitdruck aufgrund des hohen Arbeitsaufkommens belastet. Fast ebenso häufig werden als Stressoren Unterbrechungen und Störungen des Arbeitsablaufs angegeben. Mit jeweils knapp 10 Prozent werden auch Verantwortung bei der Arbeit sowie die häufige Notwendigkeit für Überstunden als (sehr) stark belastend empfunden. Geht es um Belohnung, geben die Befragten Folgendes an: Mehr als jeder Fünfte (22,2 Prozent) empfindet eine starke oder sehr starke Belastung, weil er ein Missverhältnis zwischen Bezahlung und erbrachter Leistung sieht. Etwa 17 Prozent fühlen sich sehr belastet, weil Vorgesetzte ihnen zu wenig Anerkennung zukommen lassen. Fast ebenso häufig (15 Prozent) lassen sich Belastungen darauf zurückführen, dass Beschäftigte eine Verschlechterung ihrer Arbeitssituation befürchten ­oder tatsächlich erfahren.

Soziales Netz federt Stress ab
Soziale Beziehungen im Job können helfen, Stress zu reduzieren. Im Gesundheitsreport geben rund zwei Drittel der Befragten an, dass das Verhältnis zwischen den Kollegen vertrauensvoll ist. Von Unterstützung des Arbeitgebers, die Beschäftigten vor Stress zu schützen, berichten 16 Prozent. Belastend ist auch, worüber 16 Prozent klagen: Sie müssen bei der Arbeit häufig Dinge tun, die sie anders erledigen würden. Weitere Belastungen: Rund jeder Zehnte bekommt oft widersprüchliche Anweisungen von zwei oder mehr Personen. Vor allem für Dienstleistungsberufe gilt: Sich widersprechende Anforderungen – etwa von Kunden und Vorgesetzten – verursachen starken Stress. Auch Umstrukturierungen gelten als Belastungsfaktor für psychosozialen Stress und Gratifikationskrisen. Knapp die Hälfte der Befragten war in den vergangenen zwei Jahren von einem größeren strukturellen Umbau des Unternehmens betroffen.

Homeoffice: Kann Stress senken - kann....
Laut Gesundheitsreport arbeitet ein Drittel der Befragten mindestens einmal pro Woche zu Hause. Das Homeoffice stellt sich dabei nicht grundsätzlich als Risikofaktor für einen Herzinfarkt heraus. Ausschlaggebend für das Belastungsrisiko sind vielmehr die Gründe für das Arbeiten zuhause. Ein Risikofaktor für einen Herzinfarkt entsteht dann, wenn im Büro die Arbeitsmenge nicht mehr bewältigt werden kann. Beschäftigte, die deshalb einen Teil ihrer Arbeit mit nach Hause nehmen, leiden doppelt so häufig unter dem Missverhältnis von Anstrengung und Belohnung. Sie sind deshalb auch stärker infarktgefährdet. Demgegenüber kann Heimarbeit sogar Arbeitsstress reduzieren, wenn sie im eigenen Interesse stattfindet. Wird beispielsweise zu Hause gearbeitet, um familiäre und private Belange besser mit dem Beruf zu vereinbaren, vermindert dies die Belastung. Ebenso ist das Motiv, sich lange Wegezeiten zu ersparen, mit einem verringerten Risiko für eine Herzinfarkt-Erkrankung verbunden.

Gratifikationskrise lässt Herzinfarktrisiko steigen
Beschäftigte mit einer Gratifikationskrise schätzen ihren Gesundheitszustand sehr viel schlechter ein als andere. Fast die Hälfte der Betroffenen sieht dies im Vergleich zu ihren Altersgenossen so. Bei den nicht gestressten Arbeitnehmern sind es nur 17 Prozent. Beschäftigte mit Gratifikationskrise schätzen ihren Gesundheitszustand nicht nur schlechter ein. Sie haben tatsächlich auch häufiger gesundheitliche Probleme. Stimmungsschwankungen verbunden mit Angst oder Hilflosigkeit treten bei ihnen dreimal so häufig auf wie bei Beschäftigten, die nicht von Stress betroffen sind (73,8 gegenüber 23,9 Prozent). Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit kommen bei Gestressten fast doppelt so häufig vor.

wanc 15.02.2012/ Quelle: DAK-Gesundheitsreport 2012

 
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