Senken des „schlechten“ LDL-Cholesterins: Nutzen hängt von der Ausgangssituation ab
 

Jeder Mensch braucht es: Cholesterin. Die fettige Substanz ist lebenswichtig für den Menschen, da sie wichtige Körperfunktionen unterstützt, z.B. den Aufbau von Zellen, den Stoffwechsel des Gehirns, die Produktion von Gallensäure. Das Problem: Es gibt ein gutes - HDL (High-Density-Lipoprotein)-Cholesterin - und ein schlechtes - LDL(Low-Density-Lipoprotein)-Cholesterin. Den Unterschied macht der Anteil der Lipide - fettähnliche, nicht wasserlösliche  Bestandteile - im Cholesterin. Bei HDL-Cholesterin sind es ca. 50%, bei LDL-Cholesterin ca. 75%.  Je höher der Lipid-Anteil, desto schädlicher für die Gesundheit. Kardiologen aus den USA, Polen, Italien und Kanada haben untersucht, was es bringt, das „schlechte“ Cholesterin zu vermindern.

LDL-Cholesterin wird in erster Linie für die Verkalkung von Arterien (Arteriosklerose), für Herzinfarkt und Schlaganfall verantwortlich gemacht. Ärzte versuchen deshalb, möglichst die HDL und möglichst wenig LDL in den Adern eines Patienten zirkulieren zu lassen. Laut des Bundesverbandes Deutscher Internisten (BDI) sind abhängig vom Vorliegen weiterer Risikofaktoren Werte von 100, 125 oder 155 Milligramm LDL-Cholesterin pro Deziliter (mg/dl) die Obergrenze. Zu niedrige LDL-Cholesterin-Werte, wenn es die überhaupt geben kann, haben laut BDI keine medizinische Bedeutung.

Ob allerdings zu hohe Cholesterinwerte wirklich schädlich sind, darüber existieren reichlich unterschiedliche Meinungen. Ernährungswissenschaftler konnten in Studien keinen Zusammenhang zwischen dem Konsum cholesterinreicher Lebensmittel und einem Anstieg des Cholesterinspiegels im Körper nachweisen. Weil zu viel Cholesterin nach Auffassung der American Heart Association nicht schadet, hat der Verband bereits 2013 jegliche Cholesteringrenzwerte abgeschafft.

Nun haben Kardiologen die Daten von 270.288 Patienten/innen ausgewertet, wovon jeweils etwa die Hälfte entweder eine intensive oder weniger intensive Therapie zur Senkung des LDL-Wertes erhielt. Im Durchschnitt sorgte die intensive LDL-Senkungstherapie um eine um 8% verminderte Sterblichkeit. Das Sterblichkeitsrisiko aus kardiovaskulären (Herz-Kreilsauf-) Gründen verminderte sich um zwischen 11% und 21%.

Allerdings war der Effekte der LDL-Senkung um so höher, je höher die LDL-Cholesterin-Werte am Anfang der Therapie gewesen waren. So zeigte sich ein LDL-Senkung erst ab einem LDL-Cholesterin-Wert über 100 mg/dl als wirksam. Bei einer LDL-Konzentration unter 100 mg/dl war kein Zusammenhang zwischen LDL-Senkung und Verminderung des Sterblichkeitsrisikos feststellbar. Am effektivsten erwies sich die LDL-Senkung bei Patienten/innen mit einem LDL-Wert von 160 mg/dl oder höher.

18.4.2018 cs / Quelle: JAMA





Quelle:
http://www.medizinauskunft.de/home/artikel/diagnose/herz_kreislauf/ldl-cholesterin-18-4-2018.php