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Offenbar erkranken Menschen aus ärmeren Wohngegenden häufiger und früher an einen Schlaganfall und haben geringere Chancen, ihn zu überleben (Foto: CFalk / pixelio.de)
Offenbar erkranken Menschen aus ärmeren Wohngegenden häufiger und früher an einen Schlaganfall und haben geringere Chancen, ihn zu überleben (Foto: CFalk / pixelio.de)
Schlaganfall hat auch etwas mit sozialen Verhältnissen zu tun

Zwischen den sozialen Gegebenheiten, in denen ein Mensch lebt, und seinen Erkrankungsrisiken gibt es Zusammenhänge. Das bedeutet, dass beispielsweise der soziale Status, die Wohngegend, das Einkommen und die Bildung, wozu auch das Wissen um Risikofaktoren von Krankheiten und die Bereitschaft, diese zu vermeiden, darauf Einfluß haben, wie krank oder gesund man ist und wie lange man lebt. Eine neue Untersuchung belegt nun, dass das auch und gerade für den Schlaganfall gilt.

Dass gesellschaftliche Verhältnisse krank machen können, wissen wir schon recht lange. Dazu ein Zitat aus der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“ (42/2007), die die Bundeszentrale für politische Bildung herausgibt: „Im Laufe der vergangenen 25 Jahre hat die internationale Forschung unzählige Studien zum Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und Gesundheit und damit eindeutige und überzeugende Belege dafür vorgelegt, dass die Sozialstruktur entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit ausübt. Gesundheitliche Ungleichheiten finden sich in den unterschiedlichsten Ausprägungen von Gesundheit und Krankheit. Personen mit einer niedrigen Bildung, einer dementsprechenden beruflichen Stellung oder einem niedrigen Einkommen sterben in der Regel früher und leiden in ihrem ohnehin schon kürzeren Leben auch häufiger an gravierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen.“

Sozio-ökonomische Ungleichheiten sind Risikofaktoren, die wie Bluthochdruck, Rauchen, Stoffwechselstörungen, Übergewicht, zu wenig Bewegung, Diabetes sowie andere Herz-Kreislauf-Probleme auch das Risiko erhöhen, einen Schlaganfall zu erleiden und diesen nicht zu überleben. Auch auf die Qualität der Krankheitsversorgung wirken sich soziale Unterschiede aus. Nachgewiesen wurde das in England in den Jahren 2013 bis 2016 bei 145.324 Patienten, die in diesem Zeitraum zum ersten Mal mit einem Schlaganfall in ein Krankenhaus eingeliefert wurden. Gemessen wurde der soziale Hintergrund anhand von 37 Indikatoren (Index of Multiple Deprivation - Geographische und soziale Determinanten von Gesundheit, darunter Einkommen, Ausbildung, Arbeitsplatz, Wohngegend, Wohnungsbeschaffenheit) für Benachteiligung.

87% der Patienten erlitten einen ischämischen Schlaganfall (plötzliche Minderdurchblutung und damit eine Minderversorgung mit Sauerstoff und Glukose des Gehirns), 12% eine interzerebrale Hämorrhagie (Blutung im Hirngewebe) und 1% einen Schlaganfall, der nicht eindeutig bestimmt werden konnte. Die Verteilung entspricht in etwa den üblichen Häufigkeiten bei den Formen eines Schlaganfalls.

Patienten mit einem geringen sozio-ökonomischen Status erlitten ihren Schlaganfall sieben Jahre früher als diejenigen mit dem höchsten. Sie litten auch häufiger unter Behinderungen in Folge des Schlaganfalles und Diabetes. Patienten aus sozial geringeren Schichten erhielten auch nur fünf des normal zwölf-stufigen Behandlungsprozesses. Sie trugen darüber hinaus ein um 26% erhöhtes Risiko innerhalb von einem Jahr an dem Schlaganfall zu versterben.

21.3.2016 cs / Quelle: Lancet

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