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Dicke Luft: Alltag in Megacities wie Mumbai, Indien - die Luftverschmutzung erhöht das Risiko für eine Herzinfarkt (Foto: Asian Insights
Dicke Luft: Alltag in Megacities wie Mumbai, Indien - die Luftverschmutzung erhöht das Risiko für eine Herzinfarkt (Foto: Asian Insights
Lärm und Schmutz machen das Herz krank

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt schon seit Jahren vor den Gefahren von Schadstoffen in der Luft und vor Lärm. Beide Umweltbelastungen können das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, signifikant erhöhen. Nun gibt es aktuelle Studien, die diese Warnungen unterstreichen.

Eine von der WHO bereits 2011 veröffentlichte Studie bezeichnet Luftverschmutzung als Verkehrslärm als größte Gesundheitsrisiken, weil sie für den Menschen schwerwiegende Folgen wie Herzinfarkt, andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Schlafstörungen und Stress bringen könnten. Verkehrslärm verursacht der Studie zufolge 1,8 Prozent der Herzinfarkte in wirtschaftlich starken europäischen Ländern. In einer 2014 publizierten Datenanalyse kommt die WHO zu dem Ergebnis, dass weltweit jeder achte Todesfall auf verschmutze Luft zurück geht, davon rund 3,7 Millionen auf Smog und etwa 4,3 Millionen auf verschmutzte Luft in Innenräumen. „Die häufigsten durch Luftverschmutzung bedingten Todesursachen sind Schlaganfälle und Erkrankungen der Herzkranzgefäße, gefolgt von chronischen Lungenerkrankungen", sagte die zuständige WHO-Direktorin Dr. Maria Neira.

Auch das Umweltbundesamt moniert die Gefahren der Umweltbelastungen: „Neben dem Ausstoß von CO2 und anderen klimaschädlichen Treibhausgasen stellen die verkehrsbedingten Luftschadstoffe wie Feinstaub oder NOx eine große Belastung für die Gesundheit dar. Darüber hinaus sind viele Menschen hohen Lärmbelastungen ausgesetzt. Diese beeinträchtigen ihre Gesundheit und mindern die Lebensqualität."

Und die Europäische Umweltagentur mahnt: „Luftverschmutzung schädigt Gesundheit und Ökosysteme. Große Teile der Bevölkerung leben nach aktuellen Standards nicht in einer gesunden Umgebung. Um Nachhaltigkeit zu erzielen, muss Europa Ehrgeiz zeigen und über aktuelle gesetzliche Vorgaben hinausgehen." Zu Lärm sagt die Agentur: „Lärmbelastung führt nicht nur zu Schlafstörungen, Belästigung und Hörstörungen, sondern auch zu anderen Gesundheitsproblemen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen."

Wie problematisch diese Belastungen sind, kann  Prof. Dr. Thomas Münzel von der Universitätsmedizin Mainz nur unterstreichen: „Schon bei gesunden Probanden führte eine Simulation von Nachtfluglärm von 30 bzw. 60 Überflügen zu einer endothelialen Dysfunktion, die interessanterweise durch Vitamin C korrigiert werden konnte, sowie zu einem grenzwertigen Blutdruckanstieg und zu Schlafstörungen. Und: „Bei Patienten mit einer bekannten koronaren Herzerkrankung waren die Auswirkungen noch deutlicher und die Blutdruckanstiege ausgeprägter. Bemerkenswert war, dass die Gefäßfunktion schlechter wurde, unabhängig davon, ob die Probanden angaben, sich über den Lärm geärgert zu haben oder nicht.“

Münzel beschreibt die der Gesundheit abträgliche Kaskade der Belastungen: Lärmbelastungen ab 35 dBA in der Nacht und mehr als  45-50 dBA am Tag führen zu einer Störung der Kommunikation, des Schlafs und zu emotionalen Reaktionen im Sinne von Ärger.  Dies wiederum führt zu Stress. Die chronischen Stressreaktionen führen letztlich zur Ausbildung von kardialen Risikofaktoren und zu Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfrakt und Schlaganfall. 

Erst vor kurzem veröffentlichte Studien würden belegen, dass Nachtfluglärm, aber auch Straßen- und Schienenlärm zum vermehrten Auftreten von Bluthochdruck und zu mehr Herzinfarkten und Schlaganfällen führen. Münzel: „Damit ist Fluglärm, ebenso wie Feinstaub, ein neuer Herz-Kreislaufrisikofaktor der durch die Umwelt bedingt ist.“

In Belgien ausgewertete Registerdaten zeigen, dass bereits nach einem kurzen Anstieg der Luftschadstoffe mehr Herzinfarkte auftreten. Die zwischen 2009 und 2013 erfassten Daten wurden mit dokumentierten Schadstoffwerten verglichen. Jeder Anstieg von Feinstaub und NO2 von jeweils 10 µg/m3 war mit einem geringen, aber dennoch deutlichen Anstieg des relativen Herzinfarkt-Risikos verbunden. Für Ozon wurde keine vergleichbare Wirkung beobachtet. 

Eine andere Studie belegt, dass Umweltverschmutzung bei jungen Menschen für ein Ansteigen der Entzündungswerte im Körper verantwortlich gemacht werden kann. Diese „systemische Inflammation“ gilt ebenfalls als Risikofaktor für zahlreiche Krankheiten, darunter kardiovaskuläre Erkrankung und Herzinfarkt. Für die Studie wurden Jugendliche im Alter von 16 bis 22 Jahren aus dem stark verschmutzen Krakau mit Kontrollpersonen aus dem weniger belasteten Lubin verglichen. Dabei zeigten sich zwar keine signifikanten Differenzen bei Blutdruck und Herzfrequenz, dafür jedoch bei den Markern für chronische, systemische Inflammation, die bei Teilnehmern aus Krakau deutlich höher lagen.

12.10.2015/ Quelle: DGK 10/2015

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