Frauen
Männer
Allergien
Atmungsorgane
Augen, Ohren, Mund, Zähne
Diabetes, Stoffwechselkrankheiten
Haut
Herz-Kreislauf - Herzinfarkt, Schlaganfall
Infektionen, Immunsystem
Migräne, Kopf- und andere Schmerzen
Krebs
Leber, Magen, Darm, Niere, Schilddrüse
Rheuma, Rücken, Gelenke, Knochen
Psyche, Nerven, Gehirn, Suchtkrankheiten
Alternativ
Weitere Krankheiten
 
 

Zellen
Tuberkulose: Erreger kann neben der Lunge viele andere Organe befallen, oft mit unklaren Beschwerden
Tuberkulose: Viele Erkrankungen bleiben unerkannt

Die offiziellen Statistiken über Tuberkulose sind nach Ansicht von Ärzten zweifelhaft. Denn in etwa einem Drittel aller Fälle wurde die Tuberkulose erst bei der Obduktion festgestellt. Und von den besonders gefährlichen "aktiven" Tuberkuloseerkrankungen werden fast die Hälfte (45 Prozent) übersehen.

Nach den offiziellen Statistiken sterben in Deutschland jedes Jahr etwa 500 Menschen an einer Tuberkulose. Die tatsächliche Zahl könnte um einiges höher sein, denn viele, auch schwere Erkrankungen, werden nicht erkannt. Pathologen fordern deshalb in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift", dass bei Todesfällen in Kliniken vermehrt Leichenöffnungen (Obduktionen) vorgenommen werden.

Die Diagnose einer Tuberkulose ist nicht einfach. Ein positiver Hauttest (Tuberkulintest) zeigt nur an, dass ein Mensch Kontakt mit dem Erreger, Mycobacterium tuberculosis, hatte, nicht aber, ob eine aktive Tuberkulose vorliegt. Die Erkrankung selbst kann neben der Lunge viele andere Organe befallen, oft mit unklaren Beschwerden.

Pathologen wie Dr. Dirk Theegarten von der Universität Essen wundert es deshalb nicht, wenn Ärzte die Erkrankung gelegentlich nicht erkennen. Manchmal kommt es sogar zu fatalen Fehlentscheidungen, wenn etwa eine Lungentuberkulose mit einer Sarkoidose (Bindegewebserkrankung mit Tuberkulose-ähnlichen Veränderungen in der Lunge) verwechselt und mit Kortison behandelt wird. Dann werden die Erreger aus den so genannten Tuberkeln freisetzt, in denen der Körper sie mühevoll isoliert hatte.

Theegarten hat alle Obduktionsberichte mit Enddiagnose Tuberkulose seiner Klinik aus den letzten 25 Jahren analysiert: In etwa einem Drittel aller Fälle wurde die Tuberkulose erst bei der Obduktion festgestellt. Die Zahl der Fehldiagnosen sei in den letzten Jahren sogar noch angestiegen, stellt der Pathologe fest.

Von den besonders gefährlichen "aktiven" Tuberkuloseerkrankungen werde fast die Hälfte (45 Prozent) übersehen. Da außerdem der Anteil der aktiven Erkrankungen an den Todesfällen stark zugenommen hat, hält Theegarten die offiziellen Statistiken für "zweifelhaft".

Es gibt auch Fälle, in denen die Diagnose der Ärzte bei der Obduktion nicht bestätigt wird. Wegen der häufigen Fehldiagnosen und wegen des hohen Ansteckungsrisikos übersehener aktiver Erkrankungen wünschen sich Theegarten und seine Kollegen, dass mehr Patienten, die in der Klinik sterben, obduziert werden.

Allerdings sind hierbei Hygienemaßnahmen besonders wichtig, und in der Pathologie tätige Personen sollten nach Tuberkulose-Sektionen genau überwacht werden: In Essen erkrankten zwei von 28 Mitarbeitern nach der Teilnahme an einer Obduktion an einer aktiven Tuberkulose. Beide waren übrigens Raucher. Tabakrauchen zählt laut Theegarten neben einem hohen Alkoholkonsum zu den Faktoren, die das Ansteckungsrisiko deutlich erhöhen.

WANC 18.07.06
Quelle: D. Theegarten et al.: Häufigkeit und Morphologie der Tuberkulose bei Obduktionen: Zunahme der aktiven Formen; DMW - Deutsche Medizinische Wochenschrift 2006; 131 (24): S. 1371-1376

Tuberkulose unterläuft das Immunsystem

Tuberkulose: Behandlung erfordert Geduld

 
Seite versenden  
Seite drucken