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Sehverlust: Können Medikamente gegen den Untergang von Nervenzellen helfen?

Es gibt so genannte neuroprotektive Medikamente. Das sind Substanzen, die das Absterben von Nervenzellen verhindern sollen. Das findet beispielsweise bei Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson und anderen Erkrankungen des Nervensystems statt, die häufig zu Demenz führen. Nun haben Ärzte heraus gefunden, dass derartige Medikamente  auch die Sehzellen des Auges schützen und einem Sehverlust im Verlauf des Lebens vorbeugen könnten. Diese Hoffnung wird durch erste Erfolge gestützt.
 
4,5 Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD), einer Erkrankung der Netzhaut. 2 Millionen sind vom Glaukom oder einer Vorstufe davon betroffen. Bei beiden droht durch das Absterben von Zellen in der Netzhaut oder des Sehnerves eine Erblindung. Medikamente, die die jeweilige Erkrankung bekämpfen sollen, können die Erkrankungen nur teilweise lindern, räumt Professor Dr. med. Wolf A. Lagrèze von der Universitäts-Augenklinik Freiburg ein. Ärzte haben deshalb nach Wegen gesucht, die Nervenzellen oder Nervenfasern vor dem Absterben bewahren können. Dabei sind sie auf neuroprotektive Substanzen gestoßen, die anscheinend die frühe Schädigung der Nervenzellen im Auge verhindern können. „Es gibt nun erste Hinweise darauf, dass Neuroprotektion beim Menschen funktioniert“, erklärt Lagrèze.

Dazu zählt beispielsweise der Einsatz des Wirkstoffs Brimonidin beim Glaukom. Augentropfen mit Brimonidin sind seit Längerem im Einsatz, um den Augeninnendruck zu senken. Im letzten Jahr haben US-Mediziner in einer klinischen Studie aber zeigen können, dass Brimonidin ein Fortschreiten des Grünen Stars abschwächen kann, und zwar unabhängig vom Augendruck senkenden Effekt. „Wir nehmen deshalb an, dass die Substanz den Untergang von Sinneszellen verhindern könnte“, sagt Lagrèze.
 
Ein anderes Medikament mit neuroprotektiver Wirkung ist Erythropoetin. Das Hormon aus der Niere ist zur Behandlung der Blutarmut zugelassen. Deutsche Mediziner haben Erythropoetin jetzt in einer Pilotstudie bei Patienten untersucht, die an einer Entzündung des Sehnerven litten. Dies kann ein erstes Zeichen der Nervenerkrankung Multiple Sklerose sein. Eine Infusion des Mittels verminderte den Verlust von Nervenfasern im Vergleich zur einer Gruppe mit Patienten, die diese Behandlung nicht bekamen, deutlich. Auch besserte sich die Sehfunktionen der Patienten.
 
Als dritte hoffnungsvolle Substanz gilt Idebenon. Bei der Leberschen Optikusneuropathie, einer sehr seltenen erblichen Sehnerverkrankung, verlangsamt Idebenon den Verfall der Sehschärfe. Bis die Mittel zur Vorbeugung des Sehverlusts im Alter eingesetzt werden können, wird es nach Einschätzung des Experten aber noch einige Jahre dauern. „Wir stehen am Anfang und müssen noch einige Hürden nehmen, insbesondere die Translation aus dem Labor in die Klinik fundierter machen und verbessern“, betont Lagrèze.

Berliner Ärzteblatt 19.09.2012/ Quelle: 110. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG)

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