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Antibiotika wirken sich bis zu zwei Jahre auf die Darmflora aus (Foto: ABDA)
Antibiotika: Lang anhaltende Auswirkungen

Wer Antibiotika einnimmt, hat mit den Folgen länger zu kömpfen, als bisher angenommen. Denn die Darmflora braucht nach einer Antibiotika-Therapie eine geraume Zeit, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Möglicherweise ist das auch eine Erklärung, warum sich Resisitenzen gegen Antibiotika in solchem großen Umfang gebildet haben. Schon eine siebentägige Behandlung mit Antibiotika kann den normalen Darmbakterien Antibiotika-resistente Gene verpassen, die selbst ohne der Einnahme weiterer Antibiotika noch zwei Jahre später feststellbar sind.

Als "Wasser auf die Mühlen der Resistenz-Warner" bezeichnet Christoph Wenisch, Leiter der Abteilung Infektions- und Tropenmedizin am Wiener SMZ Süd die Ergebnisse. Da über 1.000 verschiedene Bakterien den Darm bewohnen, ist die Ausbildung vieler Antibiotika-Resistenzen zu erwarten. "Bisher lautet die Lehrmeinung, dass die Darmflora drei Monate nach einer Antibiotika-Behandlung wieder in Ordnung ist. Die Wirkung dauert aber offensichtlich länger. Resistenz-Kodierung bedeutet allerdings noch nicht die Ausprägung dieser Eigenschaft", so der Experte.

Eine direkte Gefahr durch diesen Mechanismus im menschlichen Darm erwartet Wenisch nicht. "Zumindest in Europa verschwindet der Darminhalt in der Kanalisation. Probleme können jedoch bei den tierischen Exkrementen auftreten, etwa wenn die Gülle von mit Antibiotika behandelten Schweinen oder Kühen auf den Feldern verteilt wird. Denn letztendlich essen wir den Salat, der durch diesen Mist gedüngt wird." Von schädlichen Folgen der Antibiotika aus der Viehzucht warnen nicht nur Ärzte immer wieder.

Das Ergebnis der schwedischen Forscher sieht der Infektiologe als weiteren Hinweis dafür, dass man mit Antibiotika äußerst sorgsam umgehen müsse. "Vor einer leichtfertigen Verschreibung sollte ein Arzt immer zweimal nachdenken. Restriktiver Einsatz von Antibiotika wird immer wichtiger, um die zukünftige Verbreitung von resistenten Mutanten zu vermeiden", so Wenisch. Derzeit sei dieses Thema aktueller denn je. "Bisher begegnete man Resistenzen mit der Entwicklung eines neuen Antibiotikums. Heuer gibt es noch kein neues Antibiotikum."

WANC 03.11.10, Quelle: Microbiology (2010), DOI 10.1099/mic.0.040618-0, pte

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