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Cytomegalie-Virus: Greift das Immunsystem an (Foto: AKH Wien, Renate Klauser)
Cytomegalie-Viren: Machen Krebszellen agressiv

Das zur Herpesgruppe gehörende Cytomegalie-Virus regt das Wachstum von Krebszellen an. Und es sorgt auch noch dafür, dass der Tumor schlechter auf eine Therapie reagiert. Die Bevölkerung in Deutschland ist, je nach Altersstufe, bis zu 70 Prozent mit dem Cytomegalie-Virus (CMV) infiziert.

"Zum einen bilden Tumorzellen, die mit dem Virus infiziert sind, mehr und schneller Metastasen aus als nicht infizierte Zellen", erklärt Professor Dr. Jindrich Cinatl, Leiter des Interdisziplinären Laboratoriums für Tumor- und Virusforschung am Institut für Medizinische Virologie in Frankfurt. Zum anderen sorgt es dafür, dass infizierte Tumorzellen wesentlich unempfindlicher und sprechen schlechter auf Chemotherapeutika an. Cinatl hofft, dass die Entdeckung dieser Wechselbeziehung wichtige Impulse für eine bessere Krebstherapie gibt.

Der als 'virale Onkomodulation' bezeichneten Zusammenhang zwischen Cytomegalie-Infektion und Tumormalignität konnte bislang in Glioblastomen (Hirntumoren), Dickdarm- und Prostata-Karzinomen - jedoch nicht in umliegenden Geweben - nachgewiesen werden. Experimentelle Befunde deuten darüber hinaus auf einen Zusammenhang zwischen Cytomegalie-Infektionen und kindlichen Krebserkrankungen wie dem Neuroblastom hin.

"Der Einfluss des Cytomegalie-Virus auf die Tumormalignität legt eine systematische Therapie mit der Kombination von Zytostatika und Virostatika nahe. Insbesondere für Kinder, die mit schweren Tumorerkrankungen und Cytomegalie-Infektionen nur geringe Überlebenschancen haben, ergibt sich daraus die Perspektive, einen besseren Therapieerfolg zu erzielen", sagt Professor Dr. Hans Wilhelm Doerr, Direktor des Instituts für Medizinische Virologie am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.

In Deutschland gibt es bisher drei klinisch zugelassene Medikamente gegen Cytomegalie-Infektionen. Eine weitere Möglichkeit, Krebspatienten mit Cytomegalie-infizierten Tumoren zu behandeln besteht in der Entwicklung von Immuntherapien. Das Institut für Medizinische Virologie und die Münchner Firma Leukocare planen die Entwicklung von Therapiestrategien in denen T-Lymphozyten erzeugt werden, die auf Tumor-assoziierte virale Antigene reagieren.

Die Aufklärung des der viralen Onkomodulation zugrunde liegenden Mechanismus sowie die Frage, in welchen Fällen das Tumorwachstum durch die Anwesenheit von Cytomegalie-Viren beschleunigt wird, wird Gegenstand weiterer Untersuchungen sein, die von Wissenschaftlern und Ärzten der Uniklinik Frankfurt in Kooperation mit der Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder und Wissenschaftlern und Ärzten der Universität von Alabama in Birmingham (USA) demnächst durchgeführt werden. Ziel ist es, eine rasche Standardisierung von Diagnose und Therapie herbeizuführen.

Die Bevölkerung in Deutschland ist, je nach Altersstufe, bis zu 70 Prozent mit dem Cytomegalie-Virus (CMV) infiziert. Das Virus wird durch engen körperlichen Kontakt (Mutter-Kleinkind, postpupertäre Partnerschaften), aber auch über Schmierinfektionen (Urin, Speichel) übertragen. Da die Cytomegalie-Infektion oft unbemerkt erfolgt - ohne Krankheitssymptome -, wissen viele Menschen nicht, dass sie infiziert sind. Infizierte Menschen tragen den Erreger lebenslang unbemerkt in sich.


WANC 08.10.04/idw
Universtitätsklini- kum Tübingen (PDF)

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ORF

 
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