Frauen
Männer
Allergien
Atmungsorgane
Augen, Ohren, Mund, Zähne
Diabetes, Stoffwechselkrankheiten
Haut
Herz-Kreislauf - Herzinfarkt, Schlaganfall
Infektionen, Immunsystem
Migräne, Kopf- und andere Schmerzen
Krebs
Leber, Magen, Darm, Niere, Schilddrüse
Rheuma, Rücken, Gelenke, Knochen
Psyche, Nerven, Gehirn, Suchtkrankheiten
Alternativ
Weitere Krankheiten
 
 

Foto: Novartis Behring
Wer wird geimpft und wann - derzeit gibt es Engpässe beim Impfstoff (Foto: Novartis Behring)
Schweinegrippe: Knapper Impfstoff

Engpässe bei der Versorgung mit dem Impfstoff gegen Schweinegrippe melden die Bundesländer. Die meisten Impfwilligen werden wahrscheinlich noch bis mindestens Dezember keinen Schutz gegen das H1N1-Virus erhalten. Doch nicht nur der Impfstoff bleibt knapp. Viele Ärzte verhalten sich gegenüber der Impfung reserviert.
 
„Schritt für Schritt werden die Bürger geimpft. Wie die Experten empfehlen, werden zuerst das Gesundheitspersonal und chronisch Kranke geimpft. Dann jeder, der will.“ Das sagte der neue Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP).

Der Minister zeigt positives Denken. Denn wer sich impfen lassen will und nicht zu den Risikogruppen gehört, wird wohl kaum vor Dezember Erfolg haben. Zuvor hatten mehrere Länder Engpässe beim Schweinegrippenimpfstoff beklagt. Dennoch blieb Rössler bei seiner positiven Sichtweise: Die Impfaktionen der Länder seien gut angelaufen.

Ganz so gut scheint es aber doch nicht zu stehen. Denn am kommenden Mittwoch will sich Rössler mit seinen Ministerkollegen aus den Bundesländern über die Probleme bei der Schweinegrippenimpfung sprechen. Bereits am heutigen Montag hat es eine Telefonkonferenz zum Thema geben. Begründete Rösler gegenüber der «Bild»-Zeitung: „Ich möchte mich bei meinen Länderkollegen über ihre Erfahrungen vor Ort informieren, um herauszubekommen, wo es mögliche Schwachstellen zum Beispiel bei der Versorgung mit Impfstoff geben könnte.“

Tatsächlich gibt es gleich mehrere Baustellen. Die Länder haben insgesamt 50 Millionen Impfdosen geordert. Der Hersteller GlaxoSmithKline (GSK) hält sich öffentlich bedeckt, wie hoch die Produktion ist. Wie sich die Firma überhaupt sehr bedeckt hält. Inoffiziell hört man, dass derzeit rund 1,5 Millionen Dosen pro Woche bereitgestellt werden. Geplant soll aber die Auslieferung von drei bis vier Millionen Dosen wöchentlich gewesen sein. GSK weist auf den den komplizierten Produktionsprozess hin und bleibt bemerkenswert unkonkret: „Selbst während des Produktionsprozesses unterliegt die Ausbeute einer gewissen Variabilität und kann sich im Laufe der Zeit noch verändern.
Die Auslieferung der gesamten 50 Millionen Dosen erfolgt sukzessive - voraussichtlich wird sie bis ins Jahr 2010 dauern.“

Derartige Meldungen machen sich beim inzwischen besorgten Wahlvolk nicht so gut. Deshalb ermahnt der Gesundheitsminister die Pharmaindustrie öffentlichkeitswirksam, ihren Verpflichtungen nachzukommen und genug Impfstoff zu produzieren. „Wichtig ist jetzt, dass die Industrie den Impfstoff in ausreichender Menge zur Verfügung stellt“, sagte Rösler der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”.

Die Hoffnung darauf, dass die Industrie bald die avisierten Produktionsmengen liefern kann, bleibt dennoch vage. Zwar sei es inzwischen gelungen, durch die Verbesserung des Produktionsverfahrens, die Ausbeute zu erhöhen. Was das nun aber wieder für den Wirkstoff und die Verträglichkeit der Impfung bedeutet, ist völlig unklar.

Ärger droht aber auch an der Impffront – also bei denen, die die Impfung durchführen sollen – den Ärzten. Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Carola Reimann, mahnte die Ärzte, sich an der Impfaktion zu beteiligen. “Es kann nicht sein, dass ein Arzt es ablehnt, gegen die Schweinegrippe zu impfen, obwohl seine Patienten dies wünschen", sagte Reimann der "Rheinischen Post". Die SPD-Politikerin forderte Bund und Länder auf, über die Kassenärztlichen Vereinigungen entsprechend auf die Ärzte einzuwirken.

Doch viele Ärzte lehnen die Impfung ab. Aus mehreren Gründen. Beispiel Berlin: Rund 168.000 Dosen des Impfstoffes stehen bereit. Die “Berliner Morgenpost” meldete, dass die Senatsgesundheitsverwaltung eigenen Angaben zufolge mit 216 Arztpraxen einzelne Verträge zur Impfung abgeschlossen habe. Weitere 220 seien in Bearbeitung. Es gibt in Berlin rund 6.800 niedergelassene Ärzte.

Warum sich die Begeisterung der Ärzte, die Impfung zu vollziehen so stark in Grenzen hält, begründen Ärztevertreter. Statt der üblichen Vergütung von 7,10 Euro für eine Einfachimpfung wolle der Berliner Senat den Medizinern die Schweinegrippe-Impfung nur mit 5,50 Euro vergüten. Für die Zweitimpfung solle es 4,50 Euro geben. Im Stadtstaat Hamburg hingegen hat das Gesundheitsministerium 15 Schwerpunktpraxen benannt, die die Immunisierung vornehmen.

Neben der Bezahlung ärgert die Ärzte, dass sie das wirtschaftliche Risiko der Imfpung übernehmen sollen. In jedem Bundesland wird der Impfstoff in Ampullen mit jeweils zehn Impfdosen ausgeliefert. Ist eine Ampulle einmal angebrochen, dann müssen die zehn Dosen innerhalb von 24 Stunden aufgebraucht werden. Im Spiegel macht Kinderarzt Christian Neumann für Rheinland-Pfalz folgende Rechnung auf: Pro erfolgter Impfung bekomme er ein Honorar von sechs Euro bezahlt, pro nicht verbrauchter Dosis soll er der Kasse neun Euro vergüten. Wenn von zehn potentiellen Patienten vier nicht zur Impfung kämen oder es sich nach dem Beratungsgespräch anders überlegten, bekomme der Arzt schon kein Geld mehr, rechnet Neumann vor. Er hätte zwar Anspruch auf sechsmal sechs Euro Honorar, müsste aber zugleich viermal neun Euro Regress zahlen.

WANC 09.11.09/ Quelle: Rheinische Post, FAZ, Bild

Schweinegrippe: Wer bezahlt die Impfung?

Schweinegrippe: Impfung ohne Risiken?

Schweinegrippe: Impfen oder nicht impfen?

Schweinegrippe-Impfung: Die große Verwirrung

 
Seite versenden  
Seite drucken