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Foto: Novartis
Impfstofflabor: Mit Hochdruck wird an einem Wirkstoff gegen das H1N1-Virus gearbeitet (Foto: Novartis)
Schweinegrippe: Unaufhaltsam und gefährlich

Die Weltgesundheitsorganisation WHO erwartet die rasante Ausbreitung der Schweinegrippe. Doch während das H1N1-Virus erste Resistenzen gegen bestehende Medikamente entwickelt, ist ein Impfstoff noch nicht verfügbar. Allerdings soll es noch in diesem Jahr soweit sein. Hoffentlich. Die Bundesländer haben vorsorglich schon einmal 50 Millionen Dosen des Mittels bestellt.

Dr. Marie-Paule Kieny, Director of the Initiative for Vaccine Research (Impfstoffforschung) der Weltgesundheitsorganisation WHO mahnt: „Die H1N1-Pandemie lässt sich nicht mehr aufhalten. Deshalb müssen alle Länder Zugang zu Impfstoffen bekommen.“

Damit bestätigt die WHO, was manche schon befürchtet, viele aber nicht geglaubt haben: Die Schweinegrippe hat ihr wahres Gesicht noch gar nicht gezeigt. Wie bei vorherigen Pandemien – eine Pandemie ist die weltweite Ausbreitung einer Infektionskrankheit, im Gegensatz zu einer Epidemie, die regional begrenzt bleibt – rollt das Krankheitsgeschehen in verschiedenen Wellen. Mit jeder Welle wird das Virus gefährlicher, agressiver und resistenter.

Dass dieser unerfreuliche Weg bereits eingeschlagen ist, dafür gibt es genügend Belege. Mit der letzten Meldung (update 58) vom 6. Juli zählt die WHO weltweit 94512 Erkrankungsfälle und 429 Tote. Am 5. Juni (update 44) – also gerade einmal einen Monat vorher – waren es gerade 21940 Fälle und 125 Tote. Am 29. April gab es 149 gemeldete Fälle und 8 Tote. Die Zahl der in Deutschland bestätigten Fälle lag am 14. Juli bie 763. Die Geschwindigkeit, mit der der H1N1-Virus um sich greift, nimmt also atemberaubende Ausmaße an.

Noch gehen Experten davon aus, dass das Virus nur “moderat” gefährlich ist. Aber wie lange noch? Denn H1N1 scheint seinen Schutzschirm gegen die gängige Behandlung mit dem Grippemittel Tamiflu bereits zu spannen. Anfang Juli wurde in Dänemark der erste Schweinegrippe-Patient entdeckt, bei der Tamiflu-Wirkstoff Oseltamivir keine Besserung mehr bewirkte. Auch in Japan und Hongkong sind bereits weitere Resistenzfälle aufgetreten.

Noch kann im Fall der Fälle das Alternativpräparat Relenza (Wirkstoff Zanamivir) gegeben werden. Doch es bedarf keiner großen Hellsehergabe, dass das Virus auch dagegen Wiederstand aufbauen wird.

US-Forscher der Universität von Wisconsin berichten in der Zeitschrift "Nature", dass das Schweinegrippevirus einer Studie zufolge zu schwereren Lungenschäden führen kann als die normale saisonale Grippe. Damit ähnelt das neue Virus einem Erregerstamm der Spanischen Grippe, der zwischen 1918 und 1919 weltweit rund 40 bis 50 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Noch stellen die Mediziner in Frage, ob die Schweinegrippe ebenso gefährlich werden könne wie die Spanische Grippe. Aber es ist nicht undenkbar.

Hilfe könnte ein Impfstoff gegen das H1N1-Virus bieten. Doch noch hat kein Schweinegrippe-Vakzine eine Marktzulassung. Wie die Ärzte Zeitung berichtet, arbeiten zwar alle großen Impfstoffhersteller an dem Problem und einige scheinen sogar mit der Produktion begonnen zu haben. Doch das heißt noch nicht, dass bereits in Kürze ein Impfstoff verfügbar wäre. Selbst wenn die klinischen Tests und das Antragsverfahren beschleunigt werden – der Zeitraum bis die Impfung eingesetzt werden kann, variiert zwischen drei und neun Monaten. Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) verspricht jedenfalls, dass noch in diesem Jahr Impfstoffe zur Verfügung stehen.

Die Bundesländer haben vorsorglich schon einmal 50 Millionen Impfdosen bestellt. Die Menge reicht bei einer zweifachen Impfung für rund 30 Prozent der Bevölkerung in Deutschland. "Falls wir einen zusätzlichen Bedarf an Impfstoff haben, müssen wir ihn in kürzester Zeit flexibel decken können. Deshalb haben meine Länderkollegen und ich beschlossen, dass Bund und Länder Verhandlungen für weitere Optionen mit den Pharmaherstellern aufnehmen", sagte der hessische Minister für Arbeit, Familie und Gesundheit, Jürgen Banzer. Mit der Bestellung des Impfstoffes reagiert Deutschland auf die von der WHO ausgesprochenen Empfehlung, ein Drittel der Deutschen impfen zu lassen. Eine dazu notwendige Verordnung soll schon bald von der Bundesregierung verabschiedet werden.

WANC 15.07.09/ Quelle: WHO, Nature, Ärzte Zeitung

Schweinegrippe: Die große Angst

 
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