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Übelkeit und Bauchweh durch lebensmittelbedingte Infektionen: Immer häufiger Durchfallerreger in Lebensmittelproben  (Foto: Benjamin Thorn/pixelio.de)
Übelkeit und Bauchweh durch lebensmittelbedingte Infektionen: Immer häufiger Durchfallerreger in Lebensmittelproben (Foto: Benjamin Thorn/pixelio.de)
Infektionen durch Lebensmittel: Die lauernde Gefahr

Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass Infektionen, die über Lebensmittel erworben werden, einen häufiger begleiten. Erst im Herbst 2012 waren es Noroviren, die auf gefrorenen Erdbeeren im Schulessen über 8000 Kinder an Magen-Darm-Infektionen erkranken ließen. Im Frühsommer 2011 waren es EHEC in rohen Sprossen. Die offiziellen Zahlen zeigen jedoch keine besondere Zunahme. Doch das verdeckt die wahren Gefahren.

Das Robert Koch-Institut führt penibel Buch. Es veröffentlicht wöchentlich die Zahl der gemeldeten Darmkrankheiten und ihrer Erreger und erfasst in einer Statistik die Häufigkeit meldepflichtigen Infektionskrankheiten. Wer die Zahlen (Epidemiologisches Bulletin Nr. 47 vom 26. November 2012) liest, könnte beruhigt sein. Denn im Vergleich mit dem Vorjahr gibt es bei allen Erregern nur leichte Verschiebungen. Also: Business as usual, nichts besonderes?

„Wir stellen zwar bei vielen lebensmittelbedingten Erkrankungen einen Rückgang der Infektionszahlen fest, aber wir müssen dennoch weiter an einer kontinuierlichen und effektiven Zoonosenbekämpfung arbeiten“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Zoonosen sind von Tieren auf Menschen übertragbare Infektionskrankheiten. Infektionen über Lebensmittel werden in Deutschland vor allem durch die Bakteriengattungen Campylobacter und Salmonellen verursacht. Außerdem durch Noro- und Rotariern  sowie durch das bisher nur wenig untersuchte zoonotische Hepatitis E-Virus, deren Meldungen von Erkrankungen stetig zunehmen.

Erfolge bei der Zoonosenbekämfung reklamiert das BfR vor allem bei den Salmonelleninfektionen: Innerhalb von fünf Jahren seien die Infektionszahlen von etwa 55.000 auf unter 25.000 Infektionen pro Jahr reduziert worden. Auch das Bundesverbraucherministerium will beruhigen und beweisen, wie sehr es sich um die Gesundheit vorn Verbrauchern/rinnen kümmert. "Strengere Hygienevorschriften bei der Herstellung, engmaschigere amtliche Kontrollen und neue Strukturen des Krisenmanagements sollen die Lebensmittel in Deutschland künftig noch sicherer machen", gibt das Ministerium Aktionismus vor. Fortschritte seien vor allem bei Methoden zum Nachweis von Erregern zu verzeichnen. Auch die Analyse eines Erregers selbst habe sich vereinfacht und führe deshalb zu einem tieferen Verständnis von Eigenschaften und deren Veränderungen.

Doch das BfR gibt zu, dass bei Infektionen mit Campylobacter, die weiterhin die häufigsten zoonotischen Infektionen des Menschen auslösen, ein Rückgang der Infektionszahlen bislang nicht stattfindet. Das Institut mahnt, dass nach wie vor wichtige Erkenntnisse zu deren Übertragungswegen, Widerstandsfähigkeit und Inaktivierung fehlen. Darüber hinaus warnt das RKI davor, dass durch die Ausweitung des globalen Lebensmittelhandels auch mit Viren gerechnet werden müsse, die in Deutschland bisher nur eine untergeordnete Rolle bei Lebensmittelverunreinigungen spielen.

Ob allerdings die Entwarnung, die die veröffentlichten Infektionszahlen vorgaukeln, überhaupt den Tatsachen entspricht, ist fraglich. Die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG) beispielsweise berichtet von einem "zunehmend beobachteten Anstieg von Kontamination von Lebensmitteln mit Viren".  Und sie stellt fest, "dass veränderte Produktionsbedingungen und ein weltweiter Warenverkehr die Ausbreitung von Krankheitserregern in Gebiete, in denen sie bisher nicht nachweisbar waren, begünstigen." Das Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit weist darauf hin, dass die Zahl der gemeldeten lebensmittelbedingten Infektionskrankheiten zwar relativ gleich bleibe. Die  Lebensmittelproben, die mit Durchfallerregern belastet waren, hätten aber deutlich zugenommen. Das BfR selbst räumt ein, dass beispielsweise bei der Salmonellose der Anteil der gemeldeten Fälle nur 10 bis 20% der tatsächlichen Erkrankungen beträgt. Und auch das Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sagt, dass die Dunkelziffer "erheblich höher" als in den vom RKI veröffentlichten Daten liegen dürfte. Die Dunkelziffer ist also so hoch, dass die wahre Gefährdung nur erahnt werden kann.

Was wir daraus lernen können? Über die wahren Ausmaße der Bedrohung gibt es keine verlässlichen Informationen. Insbesondere die Politik scheint eher daran interessiert zu sein, die Risiken zu verharmlosen und so zu tun, als ob sie die Sache im Griff habe. Doch die Gefahren lauern. Und durch die Globalisierung des Lebensmittelhandels werden sie auch eher größer als kleiner. Das weiß auch das BfR, weil es fordert, "die Bekämpfungsmaßnahmen kontinuierlich den neuen Erkenntnissen anzupassen".

Berliner Ärzteblatt 24.11.2012/ Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 40/2012, 41/2011, ; Robert Koch Institut; Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern: Lebensmittelbedingte Virusinfektionen
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