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Foto: Kernkraftwerk Krümmel in Schleswig-Holstein, Vattenfall
Woher kommen die vielen Leukämieerkrankungen von Kindern in der Nähe von Kernkraftwerken? Wissenschaft und Politik sind ratlos. (Foto: Kernkraftwerk Krümmel in Schleswig-Holstein, Vattenfall)
Studie bestätigt: In der Nähe von Atomkraftwerken erhöhtes Leukämierisiko für Kinder

Die Strahlenschutzkommission (SSK) hat eine Studie überprüft. Ergebnis: Kinder, die in der Nähe von Atomkraftwerken leben, bedroht tatsächlich ein erhöhtes Risiko, an Leukämie zu erkranken. Der Grund dafür bleibt – erstaunlicherweise – unklar. Genauso erstaunlich ist, dass die Regierung keinen Grund sieht, den Strahlenschutz zu erhöhen.

Tätig geworden ist die Strahlenschutzkommission (SSK) im Auftrag von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. Sie hat die im Dezember 2007 vorgelegte Studie „Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken“, kurz „KiKK-Studie“,  bewertet. Und in dieser Bewertung bestätigt sie die zentrale Aussage der Studie, dass es aufgrund von Statistiken im Umkreis um die Standorte von Atomkraftwerken (AKW) ein erhöhtes Leukämierisiko für Kinder unter fünf Jahren gibt.

Die Prüfung, zur der auch ausländische Experten hinzugezogen wurden, bringt unter anderem folgende Ergebnisse: Die Auswertung der Daten von Krebshäufigkeiten in der Umgebung von Atomkraftwerken aus 24 Jahren bestätigt das Ergebnis früherer Studien, dass, statistisch gesehen, für Kinder unter fünf Jahren im 5-km-Umkreis um die Standorte ein erhöhtes Risiko besteht.

Überraschend und erschreckend ist aber, dass die SSK nicht erklären kann, warum es zu diesem Phänomen kommt. Eine wissenschaftlich nachvollziehbare Ursache für diese Beobachtung gibt es nach Auffassung der SSK nicht, weil die Strahlenexposition der AKW viel zu gering sei, um Leukämie auslösen zu können.

Da muss man sich schon fragen: Können oder wollen die den Problemen nicht auf den Grund gehen.

Den Finger in die Wunde legen auch Sylvia Kotting-Uhl, umweltpolitische Sprecherin, und Hans-Josef Fell, energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen: „Die Regierung muss nun endlich ihre Vorsorgepflicht ernst nehmen und die Untersuchung und Erforschung radioaktiver Niedrigstrahlung beschleunigen. Wir fordern die Bundesregierung auf, endlich die bisher vernachlässigte Forschung von Wirkungszusammenhängen auf den Prüfstand zu stellen und jeglicher Verharmlosung der Atomtechnologie entgegen zu treten. Ein fürsorgender und zur Vorsorge verpflichteter Staat muss nun dringender denn je Forschungsvorhaben durchführen, die die Wirkung von andauernder atomarer Strahlung unterhalb der zulässigen Grenzwerte auf den menschlichen Organismus und insbesondere auf junges und ungeborenes Leben untersucht.“

Die beiden Politiker haben auch widersprüchliche Aussagen in der SSK-Bewertung gefunden. So betonen sie, dass die bestehende wissenschaftliche Basis nicht ausreicht oder gar falsch ist. Einerseits weist die Epidemiologie die Atomkraftwerke als eindeutige Ursache aus, andererseits verneint die bisherige wissenschaftliche Beurteilung von atomarer Strahlung diese Ursache. „Dieses eigentliche Ergebnis der KiKK-Studie ist dermaßen brisant, dass die SSK ein klares Urteil in Relativierungsversuchen zu vermeiden sucht. Wir müssen vielleicht zu der Erkenntnis kommen, dass niedrige radioaktive Strahlung zu höheren Krebsgefahren als bisher angenommen führen kann. Diese Schlussfolgerung kann nicht von vornherein ausgeschlossen werden, weil ‚nicht sein kann, was nicht sein darf’“.

Das BMU sieht dagegen keinen Anlass, in der Umgebung der deutschen AKW neue Maßnahmen im Strahlenschutz zu veranlassen. So sei eine Verschärfung der bestehenden Grenzwertregelungen nicht notwendig. Allein zu der nebulösen Versprechung. „auf breiter Grundlage die Ursachenforschung zu verstärken“, lässt sich das BMU hinreißen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) wird mittlerweile ein wenig ungeduldig. BfS-Experte Wolfgang Weiss sagte in der Süddeutschen Zeitung: „Dass es ein erhöhtes Leukämie-Risiko gibt, steht fest. Jetzt müssen wir endlich herausfinden, warum das so ist."

Den Anwohnern und ihren Kindern wird das erst einmal wenig helfen. Sie werden allein gelassen mit der ständigen Bedrohung, dass die Kinder an Leukämie erkranken können. Aktives Handeln und Schutz sieht anders aus.

WANC 10.10.08/ Quelle: BMU

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