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Zweifel bestehen daran, ob ein niedriger oder moderater Alkoholkonsum tatsächlich ein erhöhtes Krebsrisiko mit sich bringen (Foto: TK)
Zweifel bestehen daran, ob ein niedriger oder moderater Alkoholkonsum tatsächlich ein erhöhtes Krebsrisiko mit sich bringen (Foto: TK)
Steigert Alkoholkonsum das Krebsrisiko wirklich?

Alkohol steigert das Krebsrisiko. Als Beleg dafür werden häufig Studien angeführt, in denen der „Beweis“ für den Zusammenhang von Alkohol und wachsendem Risiko für eine Krebserkrankung anscheinend erbracht wird. Doch stimmt das überhaupt, ist dieser Zusammenhang tatsächlich erwiesen? Ganz so einfach scheint das alles nicht zu sein, sagt nun eine neue Untersuchung und meldet Zweifel an der gängigen Auffassung an.

Der Weltkrebstag in diesem Jahr lieferte die Botschaft, dass mit jedem Glas Alkohol das Risiko für einen Tumor steigt. Schon ab einem Glas Alkohol pro Tag (ca. 10g) erhöhe sich das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen – insbesondere in Mundhöhle, Rachen und Speiseröhre. Drei bis sechs Gläser Alkohol reichen offenbar, um die Gefahr eines Brustkrebses ansteigen zu lassen, bei Tumoren im Bereich von Kehlkopf, Dick- und Enddarm oder Bauchspeicheldrüse liege die kritische Grenze bei vier Gläsern pro Tag. Das Fazit: Schon ein regelmäßiger Konsum relativ geringer Mengen Alkohol fördert das Wachstum bestimmter Tumoren.

Ähnlich warnt auch das Deutsche Krebsforschungszentrum (dkfz). “Der Genuss von Wein, Bier und Spirituosen wirkt sich auf das Krebsrisiko aus”, heißt es da. Und: “Wissenschaftler weisen darauf hin, dass es keine Menge an Alkohol gibt, die bedenkenlos konsumiert werden kann.”Dennoch stellt das dkfz die Frage: Wie viel ist zuviel? Und findet die Antwort in einer Empfehlung des World Cancer Research Fund mit einem halben Liter Bier oder einem Viertellieter Wein pro Tag für Männer und einem Viertelliter Bier oder einem Achtelliter Wein pro Tag für Frauen. Mit Bezug auf andere Quellen sin des 20 – 24 Gramm Alkohol pro Tag für Männer und 10 – 12 Gramm Alkohol am Tag für Frauen.

Und die deutsche Gesellschaft für Ernähung (DGE) “weist mit Nachdruck darauf hin, dass Männer nicht mehr als 20 Gramm Alkohol und Frauen nicht mehr als 10 Gramm Alkohol pro Tag aufnehmen sollten.” Allerdings sei es am besten, zur Krebsprävention “gar keinen Alkohol zu trinken”. Denn: “Je mehr getrunken wird, desto höher steigt das Risiko.”

Dabei ist eines erstaunlich. Niemand weiß wirklich, wie Alkohol die Krebsentstehung beeinflußt. Es gibt Vermutungen, aber die Aussagen über den Zusammenhang von Alkohol und der Entstehung von Krebs beruhen auf statistischen Daten. Und da liegt nach Meinung von Dr. Arthur Klatsky (Kaiser Permanente Medical Care Program, Oakland, CA, USA) auch die Crux. Statistik ist fehleranfällig.

Ob Menschen mit niedrigem oder moderatem Alkoholkonsum tatsächlich ein erhöhtes Krebsrisiko haben, ist zweifelhaft, meint Klatsky. Und er weiß auch warum: Bei Befragungen für wissenschaftliche Studien würden starke Trinker häufig einen weit niedrigeren Alkoholkonsum als ihren tatsächlichen angeben. Die gravierende Folge: Bei der Auswertung der Daten entsteht der Eindruck, dass ein höheres Krebsrisiko der befragten Person auf niedrigen oder moderaten Alkoholkonsum zurückzuführen ist.

Klatsky hat diese Irreführung in einer Studie in den USA mit fast 130.000 Teilnehmern ermittelt. Als niedriger bis moderater Alkoholkonsum gelten zwei Standarddrinks pro Tag bei Männern und einer bei Frauen.

„Wenn eine Reihe starker Trinker bei Befragungen angibt, nur sehr wenig zu trinken, werden die Auswirkungen starken Trinkens irrtümlich auf niedrigen bis moderaten Alkoholkonsum zurückgeführt“, sagt Klatsky. „Unsere Analyse belegt diesen Faktor in Bezug auf unsere Studienteilnehmer und das ist eventuell auf sehr viele Studien anwendbar, weil Under-Reporting, also das Angeben geringerer Alkoholmengen als der tatsächlich konsumierten, sicherlich weit verbreitet ist“.



Dass starkes Trinken erhebliche Risiken mit sich bringt, sei unbestritten, meint Klatsky. Weit weniger klar sei die Auswirkung von leichtem bis moderatem Alkoholkonsum auf Krebs. Einige Studien legen einen Zusammenhang nahe, andere nicht. „Es gibt viele gute Gründe, warum starker Alkoholkonsum vermieden werden sollte, aber das gilt nicht generell für leichten Alkoholkonsum“, so Klatsky. „Alle Überlegungen über die möglichen Risiken leichten Alkoholkonsums müssen berücksichtigen, dass Menschen mit einem Risiko für Herzkrankheiten generell von leichtem Alkoholkonsum profitieren. Das gilt – mit sehr vielen Ausnahmen – meistens für Menschen über 50.“ 

Vor allem auf junge Frauen mit hohem Brustkrebsrisiko, die für viele Jahrzehnte nicht von der herzschützenden Wirkung des Alkohols profitieren werden, treffe eine Kombination von Vor- und Nachteilen des Alkohols nicht zu.

Berliner Ärzteblatt 01.10.2012/ Quelle: .

A.L. Klatsky et al; Moderate Alcohol Intake and Cancer: The Role of Under-Reporting

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