Ernährung kann das Darmkrebsrisiko beeinflussen - unter bestimmten Umständen
 

Hat die Ernährung Einfluß auf die Entstehung von Darmkrebs? Oder anders gefragt: Bewirkt eine Ernährungsumstellung eine Verminderung des Erkrankungsrisikos? Die Antwort darauf lautet: Ja, aber… Hinter dem Aber versteckt sich das Fusobacterium nucleatum. Bei Menschen, deren Darm mit den sogenannten Fusobakterien infiziert ist, kann eine gesunde und vollwertige Ernährung das Risiko für Darmkrebs durchaus beeinflussen. Bei Menschen ohne dieses Bakterium scheint eine Ernährungsveränderung dagegen eher wirkungslos zu bleiben.

Die Erkenntnis ist noch gar nicht so alt: Bakterien können für die Entstehung von Tumoren im Darm verantwortlich sein. Dass Bakterien diese gefährliche Neigung haben, wissen Ärzte seit einigen Jahren vom Magen. Auch dort ist ein Bakterium - der Magenkeim Helicobacter pylori - in der Lage, Krebs auzulösen. Nun also auch der Darm. Sie nennen sich Fusobakterien und sind eigentlich im Mund zuhause, wo sie auch Unheil anrichten können und mit dem Auftreten von Paradontose in Verbindung gebracht werden. Es gibt 18 Bakterienarten, von denen Mediziner annehmen, dass sie, wenn sie in den Darm gelangen, das Entstehen von Darmkrebs befördern können.

US-amerikanische Forscher haben gezeigt, wie das funktionieren könnte. Die Fusobakterien können an der Darmwand andoggen. Erst einmal fest verankert, beeinträchtigen sie das Immunsystem. Wahrscheinlich ebenen sie sich den Weg in Darmzellen und lösen dort krebsfördernde Entzündungen aus. Und damit sind diese Bakterien gefährliche Untermieter im Darm.

Wissen wollten die Ärzte vom Dana-Farber Cancer Institute und Massachusetts General Hospital aber eigentlich, ob die Ernährung das Risiko einer Darmkrebserkrankung verändert. Dazu haben sie die Daten von 37.217 Menschen - davon 34,6% Männer, Durschnittsalter 54 Jahre, Durchschnittsalter der Frauen 46,3 Jahre - und vor allem die Ernährungsgewohnheiten ausgewertet. In der Beobachtungszeit von zwischen 26 und 32 Jahren, wurden 1019 Darmkrebserkrankungen aufgezeichnet. 

Die Ärzte stellten fest, dass eine "kluge" Ernährung - damit war eine Ernährungsweise mit viel Vollkorn-Produkten und reich an Ballaststoffen gemeint - das Risiko verminderte, an Darmkrebs zu erkranken. Je mehr sich die Menschen auf kluge Weise ernährten, desto stärker sank das Erkrankungsrisiko - und zwar um bis zu 57%. Allerdings: Diese positive Auswirkung hatte die Ernährungsweise nur, wenn der Darm der  Patienten mit Fusobacterium nucleatum besiedelt war. Bei allen anderen bewirkte eine Ernährungsumstellung - also von "ungesund" zu "gesund" - gar nichts. 

Für Dr. Shuji Ogino, der die Untersuchung geleitet hat, stellt sich jetzt die spannende Frage: Im Darm befinden sich noch jede Menge weiter Bakterien. Er will erkunden, in wieweit das Essen auf diese Mikroorganismen einwirken und möglicherweise so das Entstehen von Tumoren unterstützen oder eben verhindern.

cs 2.2.2017/ Quelle: JAMA Oncol. 





Quelle:
http://www.medizinauskunft.de/home/artikel/diagnose/krankheiten/Krebs/darmkrebs-ernaehrung-2-2-17.php