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Gliobalstomtherapie: Lähmung der Körperabwehr aufheben

Glioblastome sind bösartige Hirntumoren. Sie sind leider häufig, treten meist bei Erwachsenen zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf , können aber auch Kinder treffen. Bei der Behandlung hat es in den letzten Jahren zwar einige Fortschritte gegeben, dennoch bricht die Erkrankung meist wieder aus (Rezidive). Mittlerweile haben Wissenschaftler heraus gefunden, warum das so ist: Im Zusammenhang mit dem Tumor entsteht ein Stoff im Körper, der das Immunsystem blockiert. Das bietet Ansätze, Hirntumore zu bekämpfen.

Die Diagnose Glioblastom ist keine erfreuliche. Obwohl Operation, Strahlen- und Chemotherapie mittlerweile eine Behandlung ermöglichen, haben Betroffene häufig nur eine geringe Überlebenszeit von ein bis zwei Jahren. Einen wirklichen Fortschritt haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg kürzlich erzielt, indem sie einen neuen Stoffwechselweg in besonders aggressiven Glioblastomen entdeckten.

Bei der Entwicklung von Glioblastomen wird im Umfeld des Tumors die Aminosäure Tryptophan umgebaut. Aminosäuren sind lebenswichtig, weil sie für den Stoffwechsel notwendig sind, um Nährstoffe zu transportieren und zu speichern. Tryptophan spielt bei der Produktion von Serotonin eine Rolle, das u.a. Stimmung, Sexualverhalten und Appetit reguliert. Diese Aminosäure kann vom Körper nicht selbst produziert, sondern mit der Nahrung aufgenommen werden. In der Umgebung des Hirntumors wird sie zu so genannten Kynureninen verändert.

Diese Kynureninen sind aber gefährlich, weil sie das zentrale Nervensystem stören und das Immunsystem lähmen können.  Diese Lähmung verhindert, dass das körpereigene Abwehrsystem davon abgehalten wird, gegen den Tumor vorzugehen. Außerdem wird dadurch eine Entwicklung unterstützt, warnt Prof. Michael Platten, “die letztlich das Wachstum der Glioblastome ankurbelt". 

Weil die Ärzte diese fatalen Zusammenhänge nun erkannt haben, können sie möglicherweise dagegen vorgehen. Laut Platten wurden zwei mögliche Angriffspunkte für neue Therapien aufgespürt. So soll versucht werden, den Auslöser dieses Prozesses zu stoppen. Dabei handelt es sich um das Enzym TDO (Tryptophan-2,3-Dioxygenase), das Tryptophan zu Kynureninen werden lässt. Medikamente, die das können, werden gerade entwickelt.

Die andere Therapie ist eine Impfung gegen Vorstufen von bestimmten Glioblastomen, den niedergradigen und anaplastischen Astrozytomen. In den Tumoren dieser Vorstufen sind Mutationen von Aminosäuren erkennbar. Es gibt Patienten, deren Immunsystem diese Veränderungen erkennen und dagegen Abwehrzellen und Antikörper bilden, um die Mutation zu bekämpfen. In Laborversuchen gelang es, mit einer Impfung eine solche Reaktion des Immunsystems auszulösen und das Tumorwachstum zu Stillstand zu bringen. 


Berliner Ärzteblatt 27.05.2013/ Quelle: Brain Tumor 2013
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