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Krebs: Pech gehabt?

Unser Lebensstil hat einen entscheidenden Einfluss auf die Entstehung von Krebs, so heißt es oft und dieses "Wissen" wird selbst von angesehenen Wissenschaftlern und Organisationen gerne propagiert. Es gibt Studien, die beziffern den Einfluss der Ernährung und anderer Lebensgewohnheiten, wie Rauchen oder Bewegung, auf jede zweite bis dritte Krebserkrankung. Doch nun legen Forscher Berechnungen vor, aus denen hervor geht, dass Lebensstil, Genveränderungen oder Umwelteinflüsse nicht für die meisten Krebsarten verantwortlich sind. Nach Aussage dieser Forscher ist es häufig schlicht "Pech", wenn man an Krebs erkrankt.

Dr. Bert Vogelstein, Professor für Onkologie an der medizinischen Fakultät der Johns Hopkins Universität, betont: "Jeder Krebs wird von einer Kombination der Faktoren Pech, Umwelt und Vererbung hervor gerufen." Auf die Frage, warum manche Menschen trotz Verwendung krebsauslösender Stoffe - wie beispielsweise Tabakrauchen - lange leben und keinen Krebs bekommen, antwortet Vogelstein lakonisch: "Die meisten von ihnen hatten ganz einfach Glück."

Damit will der Arzt hervor heben, dass ein schlechter Lebensstil durchaus weitere Risikofaktoren zum Entwickeln von Tumoren beisteuern kann. "Wenn wir unseren Lebensstil und unsere Lebensgewohnheiten positiv verändern, dann kann das natürlich sehr bei der Prävention von bestimmten Krebsarten helfen." Doch er schränkt ein: "Das ist aber bei einigen nicht so effektiv wie bei anderen."

Das liegt vor allem daran, dass seinen Erkenntnissen nach die Stammzellen und die Zahl ihrer Zellteilungen für Krebserkrankungen verantwortlich sind. Denn je häufiger sich Zellen im Laufe eines menschlichen Lebens teilen, desto öfter ergibt sich auch das Risiko, dass dabei Kopierfehler auftreten. Vogelstein hat berechnet, dass der Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Zellteilungen und dem Krebsrisiko durchschnittlich 0,8 beträgt. Diese sogenannten Korrelationskoeffizient erklärt diesen Zusammenhang, der umso größer ist, je näher der Wert an 1 heran reicht. Oder anders ausgedrückt: Vogelstein geht davon aus, dass etwa 65% aller Krebserkrankungen durch Kopierfehler entstehen.

Was das genau heißt? Ein Beispiel: Im Dickdarm finden Zellteilungen viermal häufiger statt als im Dünndarm, weshalb es mehr Krebserkrankungen des Dick- als des Dünndarmes gibt. Für 31 Arten haben die Wissenschaftler diese Zusammenhänge bewertet. Bei 22 Arten haben sie festgestellt, dass diese Zellteilungen - oder wie Vogelstein es ausdrückt der "Pechfaktor" - die Ursache für die Entstehung von Krebs sind: darunter sind u.a. verschiedene Tumoren des Kopfes und Nackens (z.B. Osteosarkome, Glioblastoma), Speiseröhrenkrebs, Hautkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Leberkrebs, Knochenkrebs, Hodenkrebs, Ovarialkarzinom.

Berliner Ärzteblatt 05.01.2015/ Quelle: Science /2015

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