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Atomkraftwerke: Wie hoch ist das Leukämierisiko von Kindern?

Statistiken, das weiß jeder, kann man unterschiedlich auslegen. Und zwar vollkommen unterschiedlich. Passiert ist das jetzt in der Schweiz. Dort haben Forscher der Universität Bern die Ergebnisse einer Studie zum Blutkrebsrisiko von Kindern in der Nähe von Kernkraftwerken so bewertet: Es gibt keine Hinweise darauf, dass Kinder in AKW-Nähe häufiger Krebs haben als andere. Diese Daten hat nun auch der streitbare Physiker Alfred Körberlein ausgewertet. Er kommt zu ganz anderen Ergebnissen.

Stein des Anstoßes ist die Canupis-Studie (Childhood Cancer and Nuclear Power Plants in Switzerland). In ihr hatten die Forscher des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) der Uni Bern das Krebsrisiko bei Kindern, die in der Nähe von AKWs geboren wurden, mit jenem von Kindern verglichen, die weiter entfernt auf die Welt kamen. In der Pressemitteilung der Universität heißt es: Alle seit 1985 in der Schweiz geborenen Kindern wurden in die Studie aufgenommen, das heißt über 1,3 Millionen Kinder im Alter von 0 bis 15 Jahren, die während den Jahren 1985 bis 2009 beobachtet wurden. Das ergibt eine Beobachtungszeit von insgesamt über 21 Millionen Lebensjahren.

Die Ergebnisse lesen sich wie folgt: Bei Kindern im Alter unter 5 Jahren, die besonders strahlenempfindlich sind, wurden von 1985 bis 2009 insgesamt 573 Leukämien diagnostiziert. Das Risiko in der Zone I (Wohnort sehr nahe am AKW) war ähnlich demjenigen in Zone IV (Wohnort weiter weg vom AKW). Das relative Risiko einer Leukämieerkrankung in Zone I lag demnach bei 1,2, verglichen mit Zone IV, der Referenzgruppe von Kindern, die mehr als 15 km von einem KKW entfernt geboren wurden.

Dies bedeutet eine Erhöhung des Risikos um 20%. Der Wert in Zone II lag bei 0,60, was einer Reduktion von 40% entspricht. In Zone III war das Risiko um 10% erhöht (relatives Risiko 1,1). In keiner Einzel-Analyse jedoch war das Risiko statistisch signifikant erhöht oder erniedrigt. „Das Risiko einer kindlichen Krebserkrankung im Umkreis von Schweizer Kernanlagen unterscheidet sich kaum vom Risiko, welches auch weiter entfernt wohnende Kinder haben“, sagt Matthias Egger, Direktor des ISPM Bern.

Völlig falsch, sagt dazu der Physiker Alfred Körblein. Die Daten seien falsch be- und ausgewertet sowie die Krankheitsdaten aus dem angrenzenden Süddeutschland nicht mitberücksichgt worden. Körblein bemängelt vor allem, dass die Zahl der beobachteten Kindern im 5-km-Nahbereich viel zu klein gewesen sei. Bei derartig geringen Fallzahlen gebe es keine ausreichende statistische Sicherheit der Ergebnisse.

Der Vergleich der Schweizer Datensätze mit entsprechenden Daten aus Deutschland und Großbritannien belegt jedoch, dass das Leukämierrisiko im 5-km-Nahbereich in allen drei Ländern erhöht ist: um 44%. Das widerlegt die Einschätzung der Schweizer Autoren, die Studie liefere „keine Hinweise dafür, dass kindliche Krebserkrankungen in der Nähe von Kernkraftwerken häufiger auftreten als anderswo“.

Bereits im Jahre 2008 hatte die deutsche Strahlenschutzkommission (SSK) die sogenannte „KiKK-Studie“ (Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken) überprüft. Die Auswertung der Daten von Krebshäufigkeiten in der Umgebung von Atomkraftwerken aus 24 Jahren bestätigte, dass für Kinder unter 5 Jahren im 5-km-Umkreis um die Standorte ein erhöhtes Risiko besteht.


Berliner Ärzteblatt 08.08.2011/ Quelle: Strahlentext, Nr. 590-591/2011, Pressemitteilung der Universität Bern, 12. Juli 2011
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Erhöht Radioaktivität das Leukämie-Risiko?

 
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