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Illustration der Anti-Krebs-Wirkung der Arzneimittelkombination  (Foto: Evi Bieler, NanoImaging Lab, Universität Basel)
Illustration der Anti-Krebs-Wirkung der Arzneimittelkombination (Foto: Evi Bieler, NanoImaging Lab, Universität Basel)
Neue Hoffnung: Diabetes- und Bluthochdruckmedikamente bekämpfen Krebs

Dass altbekannte Medikamente neue Behandlungsgebiete erschließen, ist in der Pharmazie eigentlich nichts Überraschendes oder Unbekanntes. Dass aber eine Kombination aus einem Diabetesmedikament und einem Blutdrucksenker Krebszellen effektiv bekämpfen können, ist schon ein wenig etwas Besonderes. Zusammen schaffen es die beiden Medikamente, den Krebszellen den Garaus zu machen. 

Bei den beiden bekannten Medikamenten handelt es sich zum einen um den Wirkstoff Metformin. Dieser wird bisher am häufigsten zur Behandlung des Typ-2-Diabetes verschrieben. Und zum anderen um den Blutdrucksenker Syrosingopine. Dass Metformin möglicherweise krebspräventives Potential hat, vermutet man schon seit ein paar Jahren. So haben chinesische Mediziner erkannt, dass krebskranke Diabetiker mit Metformintherapie eine geringere Sterberate im Vergleich zu krebskranken Diabetikern ohne Metformintherapie hatten. Besonders zeigt sich das für Brustkrebs (Sterberisiko um 30% vermindert), Kolorektalkrebs (-30%) sowie für Malignome des Endometriums (-51%) und der Ovarien (-56%). Allerdings waren die dazu ausgewerteten Studien letztlich nich aussagekräftig genug, weil ihr Studienziel ein anderes gewesen ist. 

Außerdem bemängeln Ärzte, dass Metformin zwar neben seiner blutzuckersenkenden Wirkung auch krebshemmende Eigenschaften zeigt. Aber die normalerweise verwendete therapeutische Dosis sei zu gering für eine effektive Krebsbekämpfung. Wird mehr vearbreicht, bremst das Antidiabetikum dann das Wachstum von Krebszellen, wird aber von unerwünschten und nicht gerade geringen  Nebenwirkungen begleitet. 

Prof. Michael Hall vom Biozentrum der Universität Basel machte sich auf die Suche nach anderen Wirkstoffen, die die krebshemmende Wirkung von Metformin verstärken können. Über 1000 Wirkstoffe hat er getestet. Jetzt hat er einen entdeckt: Metformin kann seine krebshemmende Wirkung bereits bei geringen Dosen entfalten, wenn gleichzeitig der Blutdrucksenker Syrosingopine gegeben wird. Die Wirkstoffkombination tötet Krebszellen, in dem sie sie  in den «Selbstmord» treibt. Bei Leukämie-Patienten zeigte sich, dass nahezu alle Tumorzellen durch den Cocktail getötet wurden und dies bei Dosen, die eigentlich nicht toxisch für die Zellen sind, sagen die Mediziner. Die Wirkung beschränke sich auch ausschliesslich auf die Krebszellen, denn Blutzellen von gesunden Spendern waren unempfindlich für die Behandlung. Tatsächlich wirken die beiden Medikamente bei einem breiten Spektrum von Krebsarten.

Wie erfolgreich das sein kann, belegen Labortests. So bildete sich bei Mäusen mit bösartigem Leberkrebs die Lebervergrösserung nach der Kombitherapie wieder zurück. Auch die Tumorknoten wurden weniger – bei einigen Tieren verschwand der Tumor sogar gänzlich. Wie kommt es zu dieser für die Krebszellen tödlichen Wirkung der Kombi-Therapie? Metformin senkt den Blutzuckerspiegel und blockiert gleichzeitig die Atmungskette in den Kraftwerken der Zelle, den Mitochondrien. Der Blutdrucksenker Syrosingopine hemmt auch den Abbau von Zuckern. Beide Wirkstoffe stören also die Vorgänge, die der Zelle die lebenswichtige Energie liefern. Krebszellen haben aufgrund ihrer gesteigerten Stoffwechselaktivität und des schnellen Wachstums einen besonders hohen Energieverbrauch, daher reagieren sie extrem empfindlich, wenn man ihre Energieversorgung kappt.

4.1.2017/ Quelle: Science Advances

 
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