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Mobilfunk: Neue Hinweise auf krebserregende Wirkung

Es gibt eine krebserregende Wirkung elektromagnetischer Felder. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation sagt aber, dass die Hinweise nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand begrenzt sind. Dieser Einschätzung liegt eine Neubewertung des Zusammenhanges von hochfrequenten elektromagnetischen Felder und Krebserkrankungen zu Grunde.

Die IARC hat elektromagnetische Felder in die Gruppe 2B der IARC-Skala eingestuft. Das bedeutet: Diese Felder könnten krebserregend sein. Im wissenschaftlichen Sinne ist das aber nicht nachgewiesen. Diese Bewertung kommt nicht als Ergebnis eigener Studien zustande, sondern beruht auf der Auswertung bereits durchgeführter weltweiter Untersuchungen. Zur Einschätzung heran gezogen, wurde ausschließlich die Aussagekraft wissenschaftlicher Hinweise. Das Ausmaß der Belastung und  die Stärke des Effekts spielten keine Rolle. Das tatsächliche Risiko für die Bevölkerung wurde damit eigentlich überhaupt nicht bewertet.

Dagmar Wiebusch, Geschäftsführerin der Informationszentrums Mobilfunk e.V. (IZMF), wiegelt ab. Es gebe zahlreiche Alltagssubstanzen in der Gruppe 2B, die als "möglicherweise krebserregend" eingestuft wurden. Dass das IZMF die Ergebnisse der Neu-Klassifizierung versucht herunterzuspielen, hat Methode. Viele Studien zu den Gesundheitsgefahren des Mobilfunk kommen zu den immer gleichen Bewertungen: Für mögliche krebserregende und andere die Gesundheit einschränkende Wirkungen gibt es nicht genügend Beweise. Und wenn es diese Belege dennoch gibt, werden die Studien in der wissenschaftlichen Methode in Frage gestellt oder die Wirkungen als subjektive Einschätzungen abqualifiziert. Anscheinend ist die wirtschaftliche Bedeutung des Mobilfunk-Sektors doch so groß, dass man sich scheut, den Dingen wirklich auf den Grund zu gehen.

Wie groß das Dilemma ist, zeigt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Das BfS hat in seinem Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramm festgestellt, dass nach dem wissenschaftlichen Kenntnisstand zwar keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch hochfrequente Felder – etwa aus dem Mobilfunk – zu erwarten sind, wenn die Grenzwerte eingehalten werden. Allerdings gibt es weiterhin Unsicherheiten hinsichtlich möglicher langfristiger Wirkung elektromagnetischer Felder auf den Menschen und insbesondere auf Kinder. Um diese abschließend bewerten zu können, liegen noch keine ausreichend langen Beobachtungszeiten vor. Auch durch neuere veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchungen konnten diese Unsicherheiten bisher nicht wesentlich verringert werden.

Deshalb fordert das BfS, dass weiter gezielte Forschung betrieben werden muss. Bis zur endgültigen Klärung der offenen Fragen fordert das Amt weiterhin neben den bestehenden Vorschriften zur Gefahrenabwehr eine vorsorgliche Verringerung der individuellen Belastung und eine umfassende Information der Bevölkerung. Das BfS betont, dass es sich dafür einsetzt, „dass die Frage nach gesundheitlichen Auswirkungen durch den Mobilfunk auch weiterhin mit Nachdruck verfolgt wird.“

Auch diese Einschränkungen, Appelle und vorsichtigen Bewertungen haben Geschichte. Seit vielen, vielen Jahren sagen die zuständigen Ämter und Behörden immer wieder, dass man eigentlich gar nichts sagen kann, weil man zu wenig weiß, weil die Beobachtungszeiträume zu kurz seien. Vielleicht weil man gar nicht beobachten will? Das Autotelefon gibt es in Deutschland bereits seit 1958. Das C-Netz wurde 1985 eingeführt. Das D-Netz gibt es bei uns seit Anfang der 90er Jahre. Also: An einer mangelnden Zeit zum Beobachten kann es allein irgendwie nicht liegen.
 
Zur Erklärung: Hochfrequente Felder sind im elektromagnetischen Spektrum im Frequenzbereich zwischen etwa 100 Kilohertz und 300 Gigahertz angesiedelt. Sie werden von zahlreichen modernen Technologien, darunter auch Mobilfunk, genutzt. Die Europäische Union hat für die Belastung durch Funkfrequenzfelder Sicherheitsgrenzwerte festgelegt. Für Mobiltelefone wird der Grenzwert als die Höchstmenge Energie, die vom Kopf aufgenommen wird, ausgedrückt, da dieser beim Gebrauch von Mobiltelefonen den stärksten Belastungen ausgesetzt ist. Andere schnurlose Apparate, die in direkter Körpernähe benutzt werden, wie zum Beispiel schnurlose Telefone oder drahtlose Computernetzwerke, erzeugen ebenfalls elektromagnetische Feder.

In der Medizin werden starke Funkfrequenzfelder werden laut GreenFacts (2009) dazu verwendet, Körpergewebe aufzuwärmen. Das soll Schmerzen lindern oder Krebszellen abtöten. Die Kernspintomographie (MRI) nutzt solche Felder,  um Schnittbilder vom Körper, z.B. vom Gehirn, zu erstellen. GreenFacts warnt, dass Patienten und Pflegepersonal durch elektromagnetische Felder möglicherweise stärker belastet werden, als es die vom Gesetz vorgeschriebenen Grenzwerte erlauben.



Berliner Ärzteblatt 15.06.2011/ Quelle: IZMF, WHO, BfS, Greenfacts
 
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