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Schilddrüse: Wird in Deutschland zu schnell operiert?

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) stellt fest, dass in Deutschland Patienten häufiger an der Schilddrüse operiert werden als in allen anderen westlichen Ländern. Warum? Die DGE mutmaßt, dass die Angst vor einem Schilddrüsenkarzinom hierzulande "weitaus größer als im Ausland" ist. Doch viele Patienten mit einem durch Jodmangel entstandenen Kropf hätten nicht hätten operiert werden müssen, stellt die Gesellschaft fest.

Die Zahlen sind schon überraschend. Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 100.000 Schilddrüsen teilweise oder komplett entfernt. Im Vergleich mit den USA und Großbritannien - bezogen auf die Bevölkerung - liegt die Zahl der Operationen um drei bis acht Mal höher. Oder anders ausgedrückt: In Deutschland kommt auf 750 Einwohner etwa eine Schilddrüsen-Op, in Großbritannien ist es eine auf 6000 und in den USA eine auf 4900.

Professor Dr. med. Peter E. Goretzki, Chefarzt am Lukaskrankenhaus Neuss wundert sich: „Doch Deutsche haben nicht mehr Schilddrüsenkrebs als Briten oder Amerikaner, weshalb wir hierzulande offensichtlich ein Missverhältnis zwischen derzeitigen Operationszahlen und tatsächlich notwendigen Eingriffen haben.“

Die DGE sagt, dass die meisten Operationen vorgenommen werden, weil sich die Schilddrüse als Spätfolge eines Jodmangels vergrößert habe. In der vergrößerten Schilddrüse könnten sich aber häufig Knoten bilden, aus denen sich Krebs entwickeln könne. Goretzki mutmaßt, dass aus dieser Befürchtung heraus, "Kollegen hier mitunter voreilig zu einer Operation“ raten. Doch "nicht jeder Knoten bedeute jedoch Krebs". Deshalb kritisiert Goretzki, dass „die Entscheidung für eine Operation mitunter fällt, ohne die diagnostischen Möglichkeiten voll ausgeschöpft zu haben.“

Frühere Studien haben gezeigt, dass Patienten zu spät und zu zaghaft mit Jod behandelt würden. Dabei geht Gorethki davon aus, dass bei vielen Patienten eine Behandlung mit Jod und Schilddrüsenhormonen oder eine Radiojodtherapie helfe. Diese Therapien stellten eine echte Alternative zur Operation dar.

Doch vielleicht sind es ja nicht nur medizinische Aspekte, die Entscheidung für eine schnelle Operation beeinflusse. Für die ausführenden Krankenhäuser ist eine Schilddrüsenoperation ein durchaus lohnende Sache. Laut der Plattform operation.de, die für sich in Anspruch nimmt eine "unabhängige und umfangreiche Patienteninformationen zum Thema Operationen" zu sein, bringt eine OP rund 3000 Euro. Der stationär durchgeführte Eingriff bedeute aber nur einen Krankenhausaufenthalt von wenigen Tagen.

Berliner Ärzteblatt 12.03.2013/ Quelle: 56. Symposium der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), AWMF
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