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Entzündeter Darm: Die deutlich erhöhte Anzahl der Immunzellen zeigt eine Erkrankung an (Foto: GBF)
Chronische Darmentzündungen: Wenn Immunzellen den eigenen Körper angreifen

Die Ursache von chronischen Darmentzündungen wie etwa Morbus Crohn könnte eine Autoimmunerkrankung sein, also eine Fehlsteuerung von Abwehrzellen des Immunsystems.

"Man hat schon mehrfach vermutet, dass sich chronische Darmentzündungen entwickeln, wenn sich Immun-Abwehrzellen irrtümlich gegen das eigene Körpergewebe wenden und die Darmschleimhaut angreifen", erklärt Professor Dr. Jan Buer von Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF). "Bislang ist ein solcher Vorgang aber noch nicht an einem konkreten Beispiel gezeigt worden."

Das haben Buer und seine Arbeitsgruppe jetzt getan. Sie kreuzten eine Zuchtlinie von Mäusen, deren Darm-Zellen ein besonderes Proteinmolekül auf ihrer Oberfläche tragen - ein so genanntes Antigen - mit einem Mäuse-Stamm, der gegen genau dieses Antigen aggressive Immunzellen produziert. Das Ergebnis sind Mäuse, deren Abwehrsystem die eigene Darmschleimhaut angreift. Darmentzündung ist die Folge.

Gleichzeitig mit der fehlgeleiteten Immunreaktion löst das Nebeneinander von Antigen und dagegen gerichteten Abwehrzellen auch Mechanismen der Immuntoleranz aus: Entzündungshemmende Botenstoffe werden freigesetzt, Abwehrreaktionen gedämpft und abgebremst. Warum diese beiden gegenläufigen Prozesse gleichzeitig in Gang gesetzt werden und sich wechselseitig ins Gehege kommen, ist noch nicht vollständig verstanden. Fest steht: "Ein prekärer und instabiler Gleichgewichtszustand stellt sich ein", erklärt GBF-Wissenschaftlerin Dr. Dunja Bruder, "eine immunologische Balance, die ständig auf der Kippe steht."

"Dieser Zustand ähnelt stark dem von menschlichen Patienten, die unter einer der vielen chronischen Formen der Darmentzündung leiden", erläutert Dr. Astrid Westendorf, Forscherin in Buers Arbeitsgruppe. Zu diesen Erscheinungsbildern der Krankheit gehören Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Sie äußern sich in regelmäßig wiederkehrenden schmerzhaften Darmkrämpfen, Durchfall und Darmblutungen.

Allein an Morbus Crohn leiden in Deutschland nach Schätzungen 100 000 Menschen, in den USA sind es mehr als 400 000. Buer: "An unseren Mäusen können wir jetzt viele Eigenschaften solcher Krankheiten studieren. Wann entstehen sie? Wie verlaufen sie? Wann gibt es akute Ausbrüche? Und vor allem: Wie kann man sie heilen?"

WANC 27.01.05
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