Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Wenn der Darm die Psyche quält
 
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED). Sie können behandelt aber nicht geheilt werden. Wie Studien zeigen, wirkt sich die Erkrankung nicht nur auf die körperliche, sondern auch auf die psychische Befindlichkeit aus. Seelische Belastungen können sich aber auch auf die Schwere der Darmerkrankung auswirken. 

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen treffen Menschen häufig im Alter von 15 bis 35 Jahren. Das sind häufig bewegte Zeiten, in denen viele ihre Zukunft mit Beruf und Familie planen. Als Gründe für den Ausbruch Morbus Crohn und Colitis ulcerosa nennen Ärzte Veränderungen der individuellen Umweltbedingungen, Gene und eine Barrierestörung des Darms. Die Krankheiten verlaufen schubweise, mit Bauchschmerzen, häufigen Durchfällen und bei länger anhalten Schüben mit Gewichtsverlust und Schwäche.

Die Darmerkrankungen quälen aber nicht nur den Körper. In einer Umfrage wurden 270 Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sowie 110 gesunde Personen befragt. Dabei stellte sich heraus, dass ein deutlicher Zusammenhang zwischen chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sowie dem verstärkten Auftreten von Depressivität besteht. Betroffen von der psychischen Belastung waren besonders häufig Betroffene mit Morbus Crohn, weniger diejenigen mit Colitis ulcerosa. Wie stark die Depression ausfiel hing aber auch von der Schwere des Entzündungsgrades ab. Hinzu kommt: Die Erkrankung kann von Ängsten begleitet sein, die Beschwerden werden häufig im Arbeits- oder sozialen Umfeld tabuisiert und können zu Problemen am Arbeitsplatz führen. Auch das sind Faktoren, die die Seele belasten.

Ob und in wie weit psychische Ausnahmezustände die Darmerkrankung auslösen, dazu gibt es laut DCCV (Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung) keinen wissenschaftlichen Beleg. Es ist allerdings auch nicht ausgeschlossen. Dass gerade Menschen in Umbruchsphasen unter dem Ausbruch der beiden Krankheiten leiden, legt den Zusammenhang aber nahe. Dass die seelische Konstitution die Schwere der Krankheit beeinflusst, das wissen Betroffene am besten. Sie können darüber berichten, dass Stress, Niedergeschlagenheit und Ängste die Krankheit verschlechtern. Ob psychische Belastungen allerdings einen akuten Schub wirklich auslösen können, ist nach wie vor nicht nachgewiesen. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen.

Berliner Ärzteblatt 20.11.2012/ Quelle: GISG, German Inflammatory Bowel Disease Study Group: „Analyse von psychischen Belastungsfaktoren bei CED-Patienten“

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Quelle:
http://www.medizinauskunft.de/home/artikel/diagnose/krankheiten/Magen_Darm_Niere/darmerkrankungen_20_11_12.php