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Manche Menschen macht Brot krank, weil sie an Zöliakie leiden und einen bestimmten Bestandteil von Getreide nicht vertragen (Foto: Maja Dumat/pixelio.de)
Manche Menschen macht Brot krank, weil sie an Zöliakie leiden und einen bestimmten Bestandteil von Getreide nicht vertragen (Foto: Maja Dumat/pixelio.de)
Zöliakie: Wenn Getreide einen krank macht

Wenn Menschen Brot essen und sich danach krank fühlen, dann handelt es sich meist um eine Zöliakie. Etwa 4 von 1000 Menschen sollen in Deutschland unter der angeborenen Autoimmunerkrankung leiden. Ausgelöst wird diese durch das Klebereiweiß Gluten in Getreideprodukten. Dabei kommt es zu einer Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Durchfall, Nährstoffmangel, aber auch Müdigkeit, Depressionen oder zum Beispiel eine Migräne können die Folge sein, häufig gibt es aber keine klar umrissenen Symptome. Das mag der Grund dafür sein, dass Mediziner von „einer hohen Anzahl an erkrankten, aber nicht diagnostizierten Personen“ ausgehen.   
 
„Es gibt eine ganze Reihe von Erkrankungen, die mit einer Zöliakie einhergehen“, warnt Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Detlef Schuppan, Leiter der Zöliakie-Ambulanz am Universitätsklinikum Mainz. Und welche das sind? Dazu gehören vor allem andere Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes oder autoimmune Schilddrüsenentzündungen. Aber auch unklare Leberwerterhöhungen, rheumatische Beschwerden, Migräne, Depressionen, eine leichte Blutarmut oder Osteoporose sind nicht selten mit einer Zöliakie verbunden, weiß Schuppen. „Bei diesen Risikopersonen und nahen Verwandten von Betroffenen sollten Ärzte einen Zöliakie-Test empfehlen.“ Dass sie Gluten nicht vertragen, würden die so entdeckten Zöliakie-Patienten häufig erst dann realisieren, wenn sie bemerkten, wie viel besser es ihnen mit der glutenfreien Diät gehe.
 
Beim Kleinkind zeigt sich eine Zöliakie meist mit typischen Symptomen wie Durchfällen, einem aufgeblähten Bauch sowie Mangelerscheinungen, wissen die Experten. Darüber hinaus wachsen und gedeihen die Kinder nicht gut. Erwachsene klagen bei der erstmaligen Diagnose häufig über lang bestehende Verdauungsbeschwerden, Erschöpfung und psychische Beeinträchtigungen. Viele Patienten haben auch überhaupt keine typischen Symptome. „Die Zöliakie kann in jedem Alter auftreten und hat sehr viele Erscheinungsformen, wir nennen sie daher auch das ‚Chamäleon der Gastroenterologie‘ “, sagt Prof. Dr. med. Andreas Stallmach, Direktor Klinik für Innere Medizin IV am Universitätsklinikum Jena. So trete die Erkrankung auch in Zusammenhang mit einer bläschenbildenden Hautkrankheit, der „Dermatitis herpetiformis Duhring“, auf.
 
Um eine Zöliakie nachzuweisen, untersuchen Mediziner das Blut auf die in der Regel erhöhten Autoantikörper gegen das Enzym „Gewebetransglutaminase“. Wenn die Patienten sich bis zuletzt glutenhaltig ernährt haben, können die Ärzte damit die Erkrankung in der Regel von ähnlichen Leiden wie der Weizenallergie oder einer Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität unterscheiden. Ist das Ergebnis nicht eindeutig, können genetische Risikomarker im Blut Aufschluss geben. Den Verdacht bestätigt dann die Untersuchung von Gewebeproben aus dem Dünndarm.
 
Den Betroffenen hilft nur der Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel aus Weizen, Dinkel, Gerste oder Roggen – wie zum Beispiel Brot, Nudeln, Pizza oder Bier. Hierzu gehören heutzutage auch die meisten verfeinerten Nahrungsmittel, die häufig Glutenbeimengungen enthalten. „Ärzte und Patienten müssen wissen, dass eine frühe Diagnose und die damit verbundene Empfehlung zur glutenfreien Diät Mangelerscheinungen und Folgeerkrankungen verhindern kann“, betont Stallmach. Bleibe die Krankheit unentdeckt, erhöhe dies unter anderem das Risiko für weitere Autoimmunerkrankungen wie etwa Typ-1-Diabetes.

Berliner Ärzteblatt 19.06.2014/ Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)

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