Frauen
Männer
Allergien
Atmungsorgane
Augen, Ohren, Mund, Zähne
Diabetes, Stoffwechselkrankheiten
Haut
Herz-Kreislauf - Herzinfarkt, Schlaganfall
Infektionen, Immunsystem
Migräne, Kopf- und andere Schmerzen
Krebs
Leber, Magen, Darm, Niere, Schilddrüse
Rheuma, Rücken, Gelenke, Knochen
Psyche, Nerven, Gehirn, Suchtkrankheiten
Alternativ
Weitere Krankheiten
 
 

Foto: MPI für Entwicklungsbiologie / Berger
Leukozyten gehören zur Immunabwehr und sorgen dafür, dass Eindringlinge wie Bakterien, Pilze oder Fremdkörper beseitigt werden (Foto: MPI für Entwicklungsbiologie / Berger)
Rheumaerkrankungen: Das immunologische Gedächtnis löschen

Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Lupus erythematodes oder multiple Sklerose entstehen, wenn das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift. Eine wichtige Rolle spielen dabei überaktive Gedächtniszellen des Immunsystems, die sich nach erfolgreicher Abwehr eines Krankheitserregers verselbstständigen und weiter gegen einen vermeintlichen Feind kämpfen, obwohl der "Krieg" längst zu Ende ist.  Ziel ist es, dieses "immunologische Gedächtnis" zu löschen.

Die derzeitigen Behandlungsalternativen chronisch-entzündlicher rheumatischer Erkrankungen basieren auf der ungezielten Unterdrückung des überaktiven Immunsystems, das sich gegen den eigenen Körper richtet. Eine Heilung ist dadurch in der Regel nicht möglich, die Erkrankung kehrt nach Absetzen der Therapie zurück.

"Das Immunsystem erinnert sich an das Rheuma", sagt Prof. Andreas Radbruch, Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums (DRFZ) in Berlin. Basis dieser Erinnerung ist das "immunologische Gedächtnis", das erst seit kurzem näher erforscht ist und den gesunden Menschen vor Krankheiten schützt, die er zuvor überstanden hat. Wird der Körper erneut mit dem Krankheitsauslöser (Antigen) konfrontiert, ist dank der Gedächtniszellen eine schnellere und effizientere Abwehr möglich. Danach wird die Aktivität dieser Zellen durch ein kompliziertes Regelwerk wieder heruntergefahren. Bei Autoimmunerkrankungen entziehen sich die Zellen jedoch dieser Kontrolle und entwickeln ein Eigenleben.

Das immunologische Gedächtnis wird vor allem von zwei Zelltypen des Immunsystems bestimmt: von langlebigen T-Lymphozyten, die Immunreaktionen über verschiedene Botenstoffe (Zytokine) regulieren, sowie von langlebigen B-Lymphozyten, so genannten Plasmazellen, die schützende Antikörper produzieren. Bei Autoimmunerkrankungen richten sich diese Antikörper jedoch gegen körpereigenes Gewebe, daher spricht man von Autoantikörpern (auto= selbst, eigen).

Langlebige Plasmazellen entstehen beim zweiten Kontakt des Immunsystems mit einem Antigen. Sie wandern danach ins Knochenmark oder in entzündetes Gewebe. Dort docken sie an Bindegewebszellen an, die ihnen eine geschützte Nische bieten, wo sie sich dem Zugriff des immunologischen Kontrollsystems ebenso entziehen wie dem Angriff durch immunsuppressive Medikamente. Sie teilen sich nicht mehr, verlieren ihre Fähigkeit zu wandern, produzieren aber weiter Autoantikörper.

"Ohne Frage sind langlebige Plasmazellen ein interessantes neues therapeutisches Ziel", erklärt Radbruch. Die Konzentration der Wissenschaftler auf die Plasmazellen allein greift jedoch zu kurz, denn wahrscheinlich sind auch Gedächtnis-T-Lymphozyten an der Aufrechterhaltung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen beteiligt. Diese entstehen durch mehrfachen Kontakt mit einem Antigen, der sie entscheidend prägt und verändert. Bei diesem Prozess werden bestimmte Gene stillgelegt und andere dauerhaft eingeschaltet, die fortan in Botenstoffe übersetzt werden, die das immunologische Gleichgewicht aus dem Ruder laufen lassen.

Ein solchermaßen aktiviertes Gen ist z. B. twist1. "T-Lymphozyten mit außergewöhnlich hoher twist1-Expression dominieren in chronisch entzündetem Gewebe von Patienten mit rheumatoider Arthritis, reaktiver Arthritis oder Morbus Crohn", so Radbruch.

Um das immunologische Gedächtnis für rheumatische Erkrankungen dauerhaft zu löschen, erklärt der Wissenschaftler, müssen künftig beide Zelltypen ins Visier genommen werden. Dass die Löschung des immunologischen Gedächtnisses prinzipiell funktioniert, zeigen die Erfahrungen an Patienten, bei denen das Immunsystem zunächst durch Chemotherapie völlig zerstört und anschließend durch eine Transplantation eigener Stammzellen wieder aufgebaut wurde. Mit ihrem neuen Immunsystem haben die Patienten die Krankheit meistens überwunden.

Diese Art Therapie ist jedoch wegen des vorübergehenden, aber lebensgefährlichen Infektionsrisikos für eine breite Anwendung nicht geeignet. Für die Zukunft setzt Radbruch daher auf subtilere Methoden, mit denen die Gedächtniszellen im Körper gezielt aufgesucht und ausgeschaltet werden können.

WANC 12.12.08, Quelle: Deutsches Rheuma-Forschungszentrum Berlin

Woran erkenne ich, dass ich Rheuma habe?

Woher kommt entzündliches Rheuma?

Ist Wärme oder Kälte besser bei Rheuma?

Muss ich bei entzündlichem Gelenkrheuma Medikamente nehmen?

Hilft eine Rheuma-Diät?

 
Seite versenden  
Seite drucken