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Foto: Anne-Marie Caminade, Laboratoire de Chimie de Coordination
Schema eines Dendrimere (Foto: Anne-Marie Caminade, Laboratoire de Chimie de Coordination)
Neues Heilmittel gegen chronische Entzündungserkrankungen?

Dendrimere sind Synthesemoleküle, deren Struktur der eines Baumes ähnelt. Aufgrund ihrer vielen Enden können diese Moleküle für verschiedene Anwendungen genutzt werde, insbesondere bei der Bildgebung, dem Tissue Engineering (Züchtung von Gewebe) und in der Nanomedizin. Forscher haben jetzt die Wirkung einer neuen Familie von Dendrimeren auf das Immunsystem untersucht. Diese Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für die Behandlung von Gelenkrheumatismus - auch bekannt als rheumatoide Arthritis oder chronische Polyarthritis.

Die Forscher des Inserm, der Paul Sabatier Universität III in Toulouse und des CNRS (Zentrum für Physiopathologie in Toulouse Purpan und Laboratorium für Koordinationschemie)  konnten aufzeigen, dass bestimmte Dendrimere mit Monozyten-Makrophagen interagieren. Diese Zellen werden bei Entzündungen aktiv und besitzen die Fähigkeit sich in Osteoklasten – mehrkernige Riesenzellen, die Knochensubstanz abbauen - zu differenzieren. Nach diesen ersten Ergebnissen untersuchten die Forscher das therapeutische Potenzial dieser neuen Dendrimerfamilie bei der Behandlung von entzündlichen Erkrankungen wie Gelenkrheumatismus.

Gelenkrheumatismus ist eine Autoimmunkrankheit, die etwa 1% der Bevölkerung betrifft. Sie ist durch eine Entzündung des gesamten Gelenkgewebes (Knorpel, Knochen und Gelenkkapseln) gekennzeichnet und führt zu beeinträchtigenden Gelenkdeformationen. Die Behandlung dieser chronischen entzündlichen Erkrankung ist sehr teuer (etwa 15000€/Patient/Jahr) und zeigt bei einem Drittel der Patienten keinen Erfolg.

Für ihre Untersuchungen nutzten die Forscher zwei Maus-Modelle: Im ersten Modell entwickelte sich die Krankheit vier Wochen nach der Geburt und beim Zweiten wurde die Arthritis durch eine Injektion von Autoantikörpern induziert. Die Forscher injizierten die Dendrimere ein Mal pro Woche intravenös. Rémy Poupot, einer der Forscher, erklärt: „Bei den unbehandelten Mäusen wurde der Knorpel völlig zerstört. Bei den behandelten Mäusen hingegen wurde er geschützt und die Gelenke blieben intakt und vollständig funktionsfähig. Es ist auch wichtig zu betonen, dass die jeweils verabreichten Mengen (von 1 bis 10 mg/kg) mit den therapeutischen Dosen bei Menschen kompatibel sind.“ Poupot zufolge verringern die Dendrimere die negativen Auswirkungen der Entzündung, die für den Gelenkrheumatismus verantwortlich sind.

Neben den Tierversuchen testeten die Forscher das Molekül an menschlichen Monozyten und Gelenkkapseln von Arthritispatienten. So konnten sie die anti-osteoklastische Aktivität der Dendrimere nachweisen. Diese Moleküle bieten demzufolge vielversprechende Aussichten bei der Entwicklung von Behandlungsmethoden gegen chronische entzündliche Erkrankungen.

25.05.2011/ Quelle: Sci Transl Med 4 May 2011: Vol. 3, Issue 81, p. 81ra35, DOI: 10.1126/scitranslmed.3002212

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