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Wenn Medikamente die Muskeln schädigen

Ärzte nennen sie neuromuskuläre Erkrankungen. Dahinter verbergen sich 800 sehr unterschiedliche Krankheitsbilder, die die Muskeln, die Signalübertragung von Nerven auf Muskeln und die motorischen Nervenzellen im Rückenmark sowie Gehirn betreffen.  Neurologen stellen eine steigende Zahl von Muskelerkrankungen  fest, für die die Einnahme von Medikamenten verantwortlich sind - sogenannte iatrogene Myopathien. 

Neuromuskuläre Erkrankungen schränken das Leben der Betroffenen oft stark ein, weiß Prof. Dr. Wolfgang Grisold vom Kaiser-Franz-Josef-Spital, Wien. Weil es so viele verschiedene Krankheitsbilder gebe, sei eine schnelle und zuverlässige Diagnose oft schwierig. Immer häufiger  sei man mit Muskelerkrankungen, die auf die Einnahme von Medikamenten zurückzuführen sind, konfrontiert. Bestätigt Grisold: „Ein besonderes Problem ist das bei älteren Menschen. Weil sie häufig eine Vielzahl von Medikamenten einnehmen, ist das Risiko von medikamentenbedingten Myopathien im Alter deutlich erhöht.“

Zu den Medikamenten, die sich negativ auf Muskeln auswirken können, gehören Lipidsenker (Fibrate), Barbiturate, Abführmittel, entwässernde Diuretika oder die immunsupprimierende Substanz Cyklosporin, erklärt Grisold. Auch Taxane könnten bei Chemotherapie Muskelschwäche verursachen, ebenso wie der chronische Gebrauch von Kortison.

Medikamente, die Lipide senken sollend bei Fettstoffwechselstörungen verschrieben werden, nennen sich Statine. Wenn die den Muskeln Schaden zufügen, mache sich das durch Muskelschmerzen, Schwäche oder Krämpfe, sowie eine deutliche Erhöhung der Kreatin-Kinase-(CK-)Konzentration im Blut bemerkbar. Ein derartiger Zustand trete bei bis zu zehn Prozent der Patienten auf, die ein solches Medikament einnehmen.

Die schwerste Form der Muskelschädigung in Folge einer Statintherapie, die Rhabdomyolyse, werde bei weniger als einem von 100.000 Patienten/-innen diagnostiziert. Weil sich dabei die Muskulatur auflöst und die einzelnen Muskelfasern zerfallen, stellt sie eine lebensbedrohliche Komplikation dar.

Die Gefahr besteht laut Grisold, dass sich aus einer Statin-Myopthie eine Form der immunmediierten Myopathie entwickeln könnte. Diese Nebenwirkung werde häufig unterschätzt. Sie befalle die Muskulatur von Herz und Skelett und trete oft in Zusammenhang mit einer Autoimmunerkrankung auf, bei der es zu Entzündungen im ganze Körper kommen kann. Zwar habe sich in den vergangenen Jahren die Diagnostik verbessert, aber in der Therapie derartiger Therapien gäbe es keine neuen Ansätze. Sie müssten weiterhin mit Steroiden, Immunsuppressiva und -modulatoren behandelt werden.

Hoffnungen setzen Ärzte auf die Entschlüsselung jener genetischen Veränderungen, die für erbliche Myopathien verantwortlich sind. Mehr als 100 Gendefekte sind bereits identifiziert. Und erste molekulargenetisch orientierte Therapieverfahren werden derzeit geprüft. Andere Ansätze sind Zellersatztherapien mit Stammzellen oder Therapien mit Antisense-Oligonukleotiden.

Berliner Ärzteblatt 25.09.2013/ Quelle: 21. Weltkongress für Neurologie, Wien

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