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Cortison wird seit Jahren zur Behandlung von Rheumatoider Arthritis eingesetzt. Im Vergleich zu unbehandelter Arthritis (Abb. a) nehmen die entzündeten, lila eingefärbten Bereiche bei Cortison-Therapie (Abb. b) deutlich ab. (Grafik: K. Wagner, FLI)
Cortison wird seit Jahren zur Behandlung von Rheumatoider Arthritis eingesetzt. Im Vergleich zu unbehandelter Arthritis (Abb. a) nehmen die entzündeten, lila eingefärbten Bereiche bei Cortison-Therapie (Abb. b) deutlich ab. (Grafik: K. Wagner, FLI)
Cortison: Aufdeckung seiner Wirkungsweise könnte zur Entwicklung nebenwirkungsärmerer Medikamenten führen

Cortison wird bereits seit 1948 zur Behandlung von Rheumatoider Arthritis (chronische Gelenkentzündung) eingesetzt. Und das, obwohl es erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringt. Nun haben Wissenschaftler aufgedeckt, wie Cortison wirkt. Sie hoffen diese Erkenntnis nutzen zu können, um nebewirkungsärmere Arzneimittel entwickeln zu können.

Rheumatoide Arthritis ist eine äußerst schmerzhafte, chronisch verlaufende Entzündung der Gelenke, die im Krankheitsverlauf zu Gelenkverformungen und zur Zerstörung des Gelenkknorpels bzw. -knochens führt. Von dieser auch als "Rheuma" bezeichneten Krankheit ist etwa 1 Prozent der Bevölkerung weltweit betroffen; in Deutschland allein 800.000. Erkrankte leiden unter Schmerzen; ihre Gelenke sind geschwollen, warm und druckempfindlich. Ein fehlgesteuertes Immunsystem, bei der körpereigene Zellen angriffen werden (Autoimmunerkrankung), scheint eine mögliche Hauptursache zu sein.

Cortison hat beträchtliche Nebenwirkungen
Mit der Entdeckung der Hormone der Nebennierenrinde (Glucocorticoide) und dem erfolgreichen Einsatz bei Arthritis, für den es 1948 den Nobelpreis für Medizin gab, fand man erstmals ein Mittel, das bis heute zur Therapie von Rheumatoider Arthritis und anderer Entzündungserkrankungen verwendet wird; das Cortison. Leider zeigte sich sehr bald, dass Cortison nicht nur seine guten Seiten hat, sondern bei Langzeitanwendung zu beträchtlichen Nebenwirkungen führt: Wasser- und Fetteinlagerungen, Diabetes bis hin zum schleichenden Knochenabbau (Osteoporose); "Fluch" und "Segen" des Cortisons.

Die therapeutische Wirkung von Cortison
Was die therapeutische Wirkung von Cortison ausmacht, war bisher allerdings nicht bekannt. Forschern des Leibniz-Instituts für Altersforschung - Fritz-Lipmann-Institut (FLI) gelang es nun erstmals, den Mechanismus, dem die entzündungshemmende Wirkung von Cortison zugrunde liegt, aufzudecken und nachzuweisen, welche Zelltypen des Immunsystems bei der Behandlung eines Typs der Rheumatoiden Arthritis eine entscheidende Rolle spielen.

Bei rheumatoider Arthritis gerät das Immunsystem außer Kontrolle
Unser Immunsystem besitzt zum Schutz vor Infektionen verschiedene Abwehrzellen: Makrophagen vernichten z.B. Erreger durch Aufnahme und Verdauung, andere wiederum, wie die T- und B-Zellen, produzieren Botenstoffe oder Antigene, welche die Immunreaktion des Organismus steuern und so Abwehrzellen zum Entzündungsherd locken. "Durch das bei Rheumatoider Arthritis außer Kontrolle geratene Immunsystem wird körpereigenes Gewebe durch unterschiedliche Abwehrzellen des Immunsystems bekämpft", berichtet Dr. Jan Peter Tuckermann, Gruppenleiter am FLI.

"Während normale Arthritis-Mäuse durch Cortison therapierbar waren, waren die Mäuse, die keinen Glucocorticoid-Rezeptor in T-Zellen besaßen, gegenüber der Medikation von Glucocorticoiden resistent", informiert Dr. Ulrike Baschant. "Unsere Versuche zeigten, dass von den verschiedenen Abwehrzellen des Immunsystems nur die T-Zellen im Zentrum der Cortison-Therapie stehen." Durch Freisetzung charakteristischer Botenstoffe (Cytokine), wie Interleukin-17 oder Interferon-Gamma, verstärken diese Zellen die arthritische Reaktion.

Nebenwirkungsarme Cortison-Präparate
Glucocorticoid-Rezeptoren werden durch die Glucocorticoid-Bindung aktiviert und können ihre entzündungshemmende Wirkung als Einzel- (Monomer) oder als Doppelmolekül (Dimer) entfalten. Bisher nahmen die Biologen an, dass die Cytokine nur durch das Monomer gehemmt werden, das Dimer dabei aber keine Rolle spielt. Tuckermann und seine Kollegen machten nun im Mausmodell die überraschende Beobachtung, dass in den T-Zellen das Glucocorticoid-Rezeptor-Dimer für die Hemmung verantwortlich ist. Dabei ist vor allem die Hemmung von Interleukin-17 durch Cortison essentiell. Die Ergebnisse sollen bei der Entwicklung nebenwirkungsarmer Cortison-Präparate helfen.

01.12.2011/ Quelle: PNAS (2011), DOI: 10.1073/pnas.1105857108
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