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Schmerzen, für die niemand eine Erklärung findet (Foto: DAK/Wigger)
Fibromyalgie: Jahrelanger Schmerz, viele fruchtlose Therapien

Fibromyalgie-Patienten werden 3,5 Mal häufiger operiert als Normalbürger ­ fast immer erfolglos und unbegründet. Bis die rätselhafte Schmerzerkrankung richtig diagnostiziert wird, vergehen im Schnitt fünf Jahre, in denen die Patienten verzweifelt einen Arzt nach dem anderen aufsuchen.

Die unklaren, über den ganzen Körper verteilten Schmerzen, verbunden mit Schlafstörungen, Depressionen und anderen Beschwerden, führen oft dazu, dass Ärzte und selbst Nahestehende die Patienten nicht wirklich ernst nehmen. "Eingebildete Kranke ­ so werden die Betroffenen häufig abgestempelt, weil sich kein eindeutiger körperlicher Befund feststellen lässt", weiß der Rehabilitationsarzt und Fibromyalgie-Experte Dr. Wolfgang Brückle.

Dennoch leiden schätzungsweise rund zwei Prozent der Bevölkerung an Fibromyalgie ­ das sind immerhin über 1,5 Millionen Menschen. Frauen sind acht Mal häufiger betroffen als Männer. Daher wird die Krankheit häufig auch, wie Migräne oder Wechseljahresbeschwerden, als undefiniertes "Frauenleiden" bagatellisiert.

Werden die Schmerzen ernsthaft behandelt, dann meist unzureichend, erfolglos und aus Sicht der jeweils behandelnden Fachdisziplin. "Die Mandeln werden herausgenommen oder die Bandscheiben operiert ­ aber die Schmerzen bleiben", erklärt Brückle.

Viele Röntgenbilder werden erstellt und Medikamente geschluckt ­ Fibromyalgiepatienten haben meist einen wahren Ärzte-Marathon hinter sich, der sie immer verzweifelter werden lässt. Am häufigsten wird "Rheuma" diagnostiziert, doch der entscheidende Unterschied ist, dass Fibromyalgie keine entzündliche Erkrankung ist. Es handelt sich um muskelkaterartige Schmerzen, zuerst nur an einigen Stellen, später fast über den ganzen Körper verteilt. Hinzu kommen fast immer massive Schlafstörungen, das Gefühl großer Zerschlagenheit am Tage, Magen- und Darmbeschwerden sowie psychische, meist depressive Symptome.

Die Krankheit entwickelt sich schleichend ­ durchschnittlich vergehen sieben Jahre von den ersten Symptomen bis zum manifesten Fibromyalgie-Syndrom und fünf Jahre vom ersten Arztbesuch bis zur richtigen Diagnose. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation (DGPMR) hin.

Rehabilitationsarzt Brückle: "Das Wichtigste ist, dass der Arzt dem Patienten Klarheit vermittelt: Er leidet an einer Krankheit, die nicht heilbar ist. Die Ursachen sind unbekannt; behandelbar sind nur die Symptome. Doch die Beschwerden können in geduldiger Zusammenarbeit langfristig gelindert werden. Der Arzt muss das Beschwerdebild ohne Wenn und Aber annehmen. Damit stehen die Betroffenen nicht mehr unter dem Druck, ihre Schmerzen ständig unter Beweis stellen zu müssen."

So unterschiedlich die Symptome sind, so vielfältig sind auch die Therapiemöglichkeiten. Zur Behandlung der Muskelschmerzen empfiehlt die DGPMR natürliche Methoden ­ Moor-, Sole- oder Schwefelbäder, wobei die wohltuende Wirkung von Schwefel unlängst in einer Studie nachgewiesen wurde. Auch Kälte- und Wärmereize sowie Elektrotherapie zeigen oft Wirkung. Sehr wichtig sind aktive Maßnahmen wie Fitnessgymnastik, auch Trainingstherapie an Geräten, Aquatraining, Schwimmen, Wandern, Walking und andere Ausdauersportarten ­ immer ohne Ehrgeiz, sondern mit Spaß und möglichst in der Gruppe. Psychotherapie kann die positiven Effekte unterstützen.

Inzwischen ist durch eine aktuelle Studie belegt, dass auch Patientenschulungen zum Erfolg beitragen: Ein Team aus Arzt, Psychologe und Physiotherapeut informiert die Patienten über ihre Krankheit, den Umgang damit, über Therapiemöglichkeiten und die Umsetzung des Erlernten in den Alltag. Dies stärkt, so das Ergebnis der Studie, eindeutig die Kräfte zur Schmerz- und Krankheitsbewältigung.


WANC 13.08.05
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