Frauen
Männer
Allergien
Atmungsorgane
Augen, Ohren, Mund, Zähne
Diabetes, Stoffwechselkrankheiten
Haut
Herz-Kreislauf - Herzinfarkt, Schlaganfall
Infektionen, Immunsystem
Migräne, Kopf- und andere Schmerzen
Krebs
Leber, Magen, Darm, Niere, Schilddrüse
Rheuma, Rücken, Gelenke, Knochen
Psyche, Nerven, Gehirn, Suchtkrankheiten
Alternativ
Weitere Krankheiten
 
 

Foto: DAK/Schläger
Bei Migräne den Schmerz blockieren: Ein ursprünglich gegen Epilepsie entwickeltes Medikament soll das leisten (Foto: DAK/Schläger)
Neue Hoffnung für Migräne-Patienten

Ein Medikament, das eigentlich gegen Epilepsie eingesetzt wird, verspricht Patienten mit Migräne Hoffnung. Es erreicht seine Wirkung, in dem es die schmerzauslösenden Prozesse unterbricht und so die Schmerzen lindert. Allerdings ist es nicht völlig ohne unangenehme Nebenwirkungen. Der große Vorteil ist aber, dass es auch Patienten mit Herzkreislauferkrankungen nehmen können.

Das neue Medikament zur Behandlung der Migräne, Telcagepant, befindet sich im Endstadium seiner Entwicklung. Die neue Substanz lindert den Schmerz in vergleichbarem Maß wie gegenwärtig verfügbare Migränemedikamente, beispielsweise Triptane. Im Gegensatz zu diesen löst Telcagepant jedoch keine Verengung der Blutgefäße aus (Vasokonstriktion) und ist somit für Personen mit Herzkreislauferkrankungen wie auch für die Allgemeinbevölkerung geeignet. Außerdem könnte auch Topiramat vorbeugend zur Vermeidung von Migräneattacken bei Personen mit chronischer Migräne eingesetzt werden.

Telcagepant steht für eine neue Klasse von Migränemedikamenten, den CGRP-Rezeptor-Antagonisten (Calcitonin-gene-related polypeptide). Die Substanz wirkt, indem sie an verschiedenen Stellen des Trigeminus-Nervs und des zentralen Nervensystems die Rezeptoren für das Neuropeptid "Calcitonin Gene-Related Peptide" blockiert. Hierdurch wird der schmerzauslösende metabolische Prozess unterbrochen und eine Schmerzlinderung erreicht. Die häufigsten unerwünschten Effekte des Wirkstoffs Telcagepant umfassten Mundtrockenheit, Schwindel, Brechreiz, Erschöpfung und Benommenheit.

Die auf Serotonin-Rezeptoren wirkenden Triptane gelten gegenwärtig als die bestmögliche migräne-spezifische Akutbehandlung. Allerdings: In einer Analyse verschiedener Studien zur Migränebehandlung mit Triptanen haben bis zu einem Drittel aller Personen mit Migräne und 40 Prozent aller Migräneattacken nicht auf diese Medikamente angesprochen.

Der Einsatz von Triptanen ist auch mit einer Reihe von unerwünschten Effekten verknüpft: Schwindel, Parästhesie (Kribbeln/Taubheit der Haut), Engegefühl im Hals und Beschwerden im Brustbereich. Die Wissenschaftler stellen fest: „Bemerkenswerterweise sind diese Präparate bei Personen mit aktiven Herzkreislauferkrankungen und unkontrolliertem Bluthochdruck kontraindiziert, da sie gelegentlich eine Verengung koronarer und cerebraler Blutgefäße hervorrufen können."

Im Gegensatz zu anderen Migränemedikamenten ruft Topiramat bei zwei Drittel aller Patienten wohl eher einen Gewichtsverlust hervor statt einer Zunahme. Der mittlere Gewichtsverlust in klinischen Studien beträgt etwa 2,5 Kilogramm, wobei etwa 10 Prozent der Patienten 10 oder mehr Prozent ihres ursprünglichen Körpergewichts verloren.

Warum Topiramat – eigentlich ein Präparat gegen Epilepsie - jetzt in der Migräneprophylaxe zum Zuge kommt und erklären die Wissenschaftler so: Migräne und Epilepsie teilen sich mehrere kranhkeitsauslösende Mechanismen. Topiramat ist also ein altes Medikament mit einer neuen Anwendung.

Die Forscher erklären: „Die klinischen Studien, die wir begutachtet hatten, liefern Hinweise, dass CGRP-Rezeptor-Antagonisten wichtige molekulare Zielsubstanzen in der Entwicklung von Migränemedikamenten sind. Telcagepant erscheint als eines dieser viel versprechenden Präparate, obwohl noch weitere Untersuchungen berechtigt sind, um seine Rolle nachdrücklich festlegen zu können. Noch ausstehende Fragen umfassen, ob CGRP-Rezeptor-Antagonisten mit Triptanen kombiniert werden können, um eine wirksamere Therapie zu erreichen, und ob sie bei Patienten, die nicht auf Triptane ansprechen, sinnvoll sind. Außerdem wurde die Wirksamkeit von Triptanen bei Kindern nicht nachgewiesen, einer Gruppe, die von dieser Forschung profitieren könnte. Topiramat ist in vielen Ländern das vorbeugende Migränemedikament erster Wahl und sollte bei jenen erwachsenen Patienten in Erwägung gezogen werden, die übergewichtig sind, an Epilepsie leiden oder bei welchen Beta-Blocker kontraindiziert sind. Das Medikament ist im allgemeinen sicher und gut verträglich. Die Daten deuten an, dass Topiramat eine chronische Migräne mit oder ohne übermäßige Inanspruchnahme von Medikamenten in eine episodische Migräne umkehren könnte. Topiramat ist somit ein wichtiges Präparat bei schwierigen Fällen."

WANC 27.04.10, Quelle: Lars Edvinsson, Mattias Linde. New drugs in migraine treatment and prophylaxis: telcagepant and topiramate. Lancet 2010; 375: 10.1016/S0140-6736(10)60323-6

Wie äußern sich Spannungskopfschmerzen typischerweise?

Warum werden Kombinations-Präparate gegen Kopfschmerzen nur eingeschränkt empfohlen?

Wofür spricht ein einseitiger Kopfschmerz (nur auf einer Kopfseite)?

Wie fühlt sich der Migräne-Schmerz typischerweise an?

Migräne oder Spannungskopfschmerz? Gibt es einen Selbsttest?

 
Seite versenden  
Seite drucken