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Antikörper-Medikamente sollen wirksam Migräne verhindern  (Foto: DAK)
Antikörper-Medikamente sollen wirksam Migräne verhindern (Foto: DAK)
Hoffnung für Migränepatienten: Neue Therapie in Sicht

Menschen mit Migräne warten schon lange darauf: Eine Therapie, die nicht nur Symptome lindert, sondern wirklich Attacken verhindert. Bisherige Medikamente wie Propranolol, Metoprolol, Flunarizin, Valproinsäure, Topiramat und Amitriptylin sind nach Erfahrungen von Patienten/innen nur bedingt wirksam oder auch, wie das die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) betont, mit unangenehmen Nebenwirkungen verbunden. Doch nun könnte es echte Hilfe geben: monoklonale Antikörper, genauer: humanisierte Anti-CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide)-Antikörper.

Bei den Antikörpern handelt es sich um einen Wirkstoff, der die Konzentration des „Calcitonin-Gen verknüpften Peptids“ (CGRP) verringern soll. Dieses Eiweiß wird bei einer Migräneattacke vermehrt freigesetzt. Außerdem soll es die Blutgefäße im Gehirn erweitern und damit für die oft enormen Schmerzen bei einem Migräneanfall sorgen. CGRP-Antagonisten sind bereits vor einigen Jahren getestet worden. Doch es hat Sicherheitsbedenken gegeben, weiß Professor Hans-Christoph Diener, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Essen und Direktor des Westdeutschen Kopfschmerzzentrums: „Diese Entwicklung wurde aber eingestellt, womöglich weil es bei einigen der CGRP-Antagonisten nach längerem Gebrauch Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Leberfunktion bei wenigen Studienteilnehmern gegeben hatte.“

Nun gibt es einen neuen Wirkstoff, den Antikörper ALD403, der die Situation vielleicht ändert. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der neue Wirkstoff nicht, wie die bisherigen zuvor, über einen längeren Zeitraum verabreicht wurde, sondern nur ein einziges Mal. Der Antikörper soll seine Wirksamkeit etwa 3 Monate behalten. In einer gerade veröffentlichten Studie hatten 163 Patienten/innen im Alter von18 bis 55 Jahren teilgenommen. Innerhalb von 28 Tagen hatten diese jeweils an zwischen 5 und 14 Tagen an Migräne gelitten. Die eine Hälfte der Betroffenen erhielt eine einmalige intravenöse Dosis von 1000 Milligramm ALD403, die andere ebenfalls intravenös ein Placebo (Scheimedikament).

Nach 5 bis 8 Wochen hatte sich die Anzahl der Migränetage bei der mit dem Antikörper behandelten Patienten/innen um 5,6 verringert, bei der Gruppe, die Placebo erhalten hatte um 4,6 Migränetage. Dr. Stefanie Förderreuther von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) nennt das eine geringfügige aber statistisch signifikant stärkere Abnahme. Nach 12 Wochen waren 16 Prozent der Patienten/innne mit der Antikörpertherapie frei von Migränetagen. Das schaffte niemand unter Placebo. Bei 60 Prozent der Patienten/innen mit der Antikörpertherapie stellte sich eine Verminderung der Migränetage um die Hälfte ein, bei Placebo waren es 33 Prozent.

Wichtig auch diese Erfahrung: In der mit dem Wirkstoff behandelten Gruppe lag die Zahl der Nebenwirkungen (57 Prozent der Patienten/innen) kaum höher als bei den mit dem Medikament ohne Wirkstoff Behandelten (52% der Patienten/innen). Am häufigsten traten Infektionen der Atem- und Harnwege, Ermüdung (Fatigue), Rücken- und Gelenkschmerzen  sowie Übelkeit und Erbrechen auf.

In einer anderen Untersuchung wurden 217 Patienten/innen ebenfalls mit einem Antikörper behandelt - allerdings mit einer Injektion alle zwei Wochen. Nach 12 Wochen hatten die Betroffenen 4,2 Migränetage weniger pro Monat - in der Vergleichsgruppe mit einer Therapie ohne Wirkstoff waren es 3 Tage. Die Kopfschmerztage verminderten sich um 4,9 (Placebo: minus 3,7) Tage und die Migräneattacken um 3,1 (Placebo: minus 2,3).

Dennoch rät Diener zur Vorsicht: „CGRP kommt in allen Organen einschließlich des Gehirns in hohen Konzentrationen vor. Deshalb könnte ein Antikörper gegen CGRP langfristig unerwünschte Nebenwirkungen haben.“ Der Hersteller erwarte zwar, dass der Antikörper die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden könne. Die Frage ist allerdings, ob diese Barriere bei heftigen Migräneanfällen intakt bleibt. Um das heraus zu finden, soll der Wirkmechanismus in weiteren Studien geprüft werden. Das betrifft vor allem den Einsatz des Antikörpers über einen längeren Zeitraum.
 
Berliner Ärzteblatt 08.12.2014/ Quelle: The Lancet

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