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Migräne lässt das Gehirn nicht schneller altern (Foto; Gerd Altmann / pixelio.de)
Migräne lässt das Gehirn nicht schneller altern (Foto; Gerd Altmann / pixelio.de)
Migräne führt nicht zu einem Abbau der geistigen Fähigkeiten

Die Frage beschäftigt betroffene Patienten wie Ärzte gleichermaßen: Gibt es einen  Zusammenhang zwischen Migräne und dem Abbau mentaler Fähigkeiten? Eine neue Studie zeigt nun, dass Migräne das Gehirn nicht schneller altern lässt.

In der Studie wurden 639 Personen in einem Durchschnittsalter von 74 Jahren untersucht. Diese Patienten wurden über einen Zeitraum von drei Jahren beobachtet. Von ihnen litten 16% (103 Personen) an Migräne, die meisten von ihnen (68 Personen) an einer Migräne ohne Aura. Betroffen waren dreimal mehr Frauen als Männer. Die sogenannte Weiße Substanz (siehe Erklärung unten) zeigte bei allen Personen bei Beginn der Untersuchung kaum Unterschiede. In der Folgeuntersuchung nach drei Jahren konnten die Neurologen keinen Zusammenhang zwischen Migräne und dem Voranschreiten der Veränderungen in dieser Weißen Substanz erkennen. Auch geschlechtsspezifischen Unterschiede ließen sich nicht ausmachen.

Prof. Franz Fazekas, Vorstand der Grazer Universitätsklinik für Neurologie, sagt, dass diese Studie keine Bestätigung für den Zusammenhang zwischen dem Migräne-Kopfschmerz und Veränderungen im Gehirn geliefert habe. Fazekas: "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen Migräne und eventuellen Schäden in der Weißen Substanz ein Spezifikum bei jüngeren Betroffenen ist und nur in einem geringen Prozentsatz vorliegt." 

Die Frage, ob Migräne dem Gehirn Schaden zufügt, ist durchaus unterschiedlich beantwortet worden. So haben Ärzte heraus gefunden, dass etwa ein Viertel der Patientinnen, die seit ca. 25 Jahren unter Migräne mit Aura leiden, winzige Schäden im Kleinhirn davon tragen. Ob diese allerdings die Gehirnleistung herab setzen, ist nicht belegt. Es gilt als sicher, dass Migräne und vor allem Migräne mit Aura das Risiko für einen Hirninfarkt erhöht.

Doch ob Migräne zu einem verfrühten geistigen Abbau, zu Alzheimer oder Demenz führen kann, das hat bereits eine Studie aus dem Jahr 2012 verneint. Frauen mit Migräne zeigten in geistigen Leistungstests keine schlechteren Ergebnisse als Frauen ohne Migräne. Auch unterschied sich der altersbedingte Verlust von Gedächtnisleistung in den beiden Gruppen kaum voneinander. Und Demenzen wurden bei Frauen mit Migräne nicht häufiger angetroffen als bei Frauen ohne Migräne.

Fazekas beruhigt deshalb Migräniker/innen: „Das Erfreuliche an unserem Studienergebnis: Zumindest für ältere Patienten/-innen lässt sich sagen, dass sie aufgrund ihrer Migräne keinem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, gefäßbedingte Schäden in der Weißen Substanz zu erleiden. Sie laufen auch nicht Gefahr, dass sich durch ihre Schmerzzustände altersbedingte Veränderungen im Gehirn rascher verschlimmern.“

Wie Neurologen die Weiße Substanz erklären:
Als „Weiße Substanz“ bezeichnet man die Teile des Zentralnervensystems, die vorwiegend aus Nervenzellausläufern, den so genannte Axonen, besteht. Diese sind mit einer weißen Fettschicht ummantelt, was ihnen außerordentliche Leitfähigkeit und eine weißliche Färbung verleiht. Die weiße Hirnmasse macht bei Menschen mehr als die Hälfte des Gehirns aus und ist als unverzichtbares Verbindungsnetz zu sehen, weil sie verschiedene, teilweise weit auseinanderliegende Hirnareale miteinander kurzschließt. Auch wenn die „weißen Fasern“ in der Wissenschaft lange im Schatten der „grauen Zellen“ standen, weil diese sinnbildlich als Orte des Denkens und Handelns angesehen wurden, bestimmt doch die Weiße Substanz über die Informationsweiterleitung ganz wesentlich Verstandesarbeit, Lernerfolg oder Sozialverhalten mit.

Berliner Ärzteblatt 10.06.2013/ Quelle: Kongress der Europäischen Neurologengesellschaft (ENS) 2013, Barcelona
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