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Migräne und Depression: Gefahr eines Serotonin-Syndroms

Patienten mit Migräne tragen ein zwei- bis vierfach erhöhtes Risiko, gleichzeitig an einer Depression zu erkranken. Sowohl Migräne also auch Depressionen werden mit Medikamenten behandelt, die den Wirkstoff Serotonin beinhalten. Das birgt Gefahren, weil sich die Medikamente gegenseitig aufschaukeln und zu einem - lebensgefährlichen - Serotonin-Syndrom führen können.

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) erklärt, dass zur Behandlung einer akuten Migräneattacke häufig Triptane eingesetzt werde, sogenannte Serotonin-Agonisten. Zur Behandlung der Depression oder der Angsterkrankung werden in den letzten Jahren zunehmend häufiger sogenannte Serotonin-Wiederaufnahmehemmer eingesetzt. Theoretisch kann die Kombination dieser beiden Medikamentengruppen zu einem „Serotonin-Syndrom“ führen. Deshalb warnt Prof. Gunther Haag von der DMKG, "dass keine ungünstigen Wechselwirkungen zwischen den bei diesen Erkrankungen üblicherweise verordneten oder eingenommenen Medikamenten auftreten.“

Haag empfiehlt, das sich die Auswahl eines Triptans grundsätzlich auch nach der Begleitmedikation und der Verstoffwechslung richten sollte. Wegen der unterschiedlichen Verstoffwechslung der Triptane dürfte das Risiko der Entwicklung eines Serotonins-Syndroms unter Eletriptan, Naratriptan und Frovatriptan bei gleichzeitiger Einnahme von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) am geringsten sein. Grundsätzlich sollten Patienten, die gleichzeitig Triptane und Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI oder SNRI einnehmen, besonders sorgfältig ärztlich begleitet werden. Die Gefahr, dass bei gleichzeitiger Einnahmen von Triptanen und bestimmten Antidepressiva ein „Serotonin-Syndrom“ auftritt sei jedoch so gering, dass nicht generell von einer Kombination dieser Präparate abgeraten werden muss.

Liege ein „Serotonin-Syndrom“ vor, so äußere sich dieses zum Beispiel in autonom-vegetativen Symptomen wie Puls- und Blutdruckanstieg, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen, Pupillenerweiterung oder durch zentralnervöse Symptomen wie Unruhe, Koordinationsstörungen, Halluzinationen. Auch neuromuskuläre Störungen wie zum Beipsiel Tremor und gesteigerte Reflexe bis hin zu Muskelkrämpfen können auftreten. Sei auch die Atemmuskulatur betroffen, so könne das Serotonin-Syndrom lebensbedrohlich sein. Haag betont, dass nur einige wenige Einzelfälle beschrieben würden, bei denen ein Serotonin-Syndrom auftrat, bei gleichzeitiger Einnahme von Triptanen und Antidepressiva aus der Gruppe der SSRIs, der SNRIs oder auch unter einer Monotherapie mit Triptanen. Das Risiko sei  sehr gering, da die gemeinsame Einnahme von Triptanen und den genannten Psychopharmaka sehr häufig ist.

Ob das Problem so selten ist, bleibt fraglich. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA rät jedenfalls von einer Komedikation - also einer gleichzeitigen Gabe von Serotonin-Agonisten und Serotonin-Wiederaufnahmehemmern ab. In anderen Beiträgen wird darauf hingewiesen, dass das  Studie Serotonin-Syndrom viel häufiger vorkomme, weil es nur selten richtig erkannt werde. Eine Studie (J Psychiatry Neurosci. 2000 Sep;25(4):337-46.) weist auf das dosisabhängige Risiko hin - je höher die Dosierung, desto größer ist das Risiko für das Auftreten eines Serotonin-Syndroms. Unter der Verwendung von 20 mg Fluoxetin pro Tag (empfohlene Standard-Dosierung) zusammen mit tgl. 2 bis 4 g Tryptophan traten über einen Beobachtungszeitraum von 8 Wochen keine Fälle von Serotonin-Syndrom auf. Für eine Anwendungsdauer über 8 Wochen hinaus liegen allerdings keine Daten zur Verträglichkeit vor. Besondere Vorsicht sei geboten, wenn hohe Dosen eines Serotonin-Wiederaufnahmehemmers (z.B. mehr als 20 mg Fluoxetin pro Tag) zusammen mit Tryptophan verordnet werden.

wanc 21.06.2012/ Quelle: Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), Deutsches Ärzteblatt, PZ online,
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