Frauen
Männer
Allergien
Atmungsorgane
Augen, Ohren, Mund, Zähne
Diabetes, Stoffwechselkrankheiten
Haut
Herz-Kreislauf - Herzinfarkt, Schlaganfall
Infektionen, Immunsystem
Migräne, Kopf- und andere Schmerzen
Krebs
Leber, Magen, Darm, Niere, Schilddrüse
Rheuma, Rücken, Gelenke, Knochen
Psyche, Nerven, Gehirn, Suchtkrankheiten
Alternativ
Weitere Krankheiten
 
 

Foto: obs/L'Oréal Deutschland GmbH
Perfekt geschminkt - Nanoteilchen in Kosmetika können über die Haut in den Körper gelangen (Foto: obs/L'Oréal Deutschland GmbH)
Nanotechnik: Unerforschte Gefahren

 
Nano  - das Wort scheint zu elektrisieren. Die Magie der Technologie der kaum vorstellbar winzg kleinen Teilchen hilft inzwischen Arzneimittel, Kosmetika, Nahrungsmittel sowie Autopflegemittel zu verkaufen und optimiert Kunststoffe und Lampen - so genannte Licht emittierende Dioden (LED).  Aber: Die Wirkungen der Nanomaterialien in der Umwelt und mögliche gesundheitliche Risiken für den Menschen sind derzeit noch so gut wie überhaupt nicht erforscht. Doch es gibt sie. Und: Sie können einem Angst machen.

Bei der Nanotechnik werden Materialien in der Größenordnung von 100 Nanometer (1 nm = 10-9 m) oder weniger verwendet, also mehr als 1.000-mal kleiner als der Durchmesser eines Menschenhaares. In diesem Größenbereich ändern sich die physikalischen und chemischen Eigenschaften der Materialien. Dies kann in vielfältiger Weise zur Entwicklung neuartiger Produkte und Anwendungen genutzt werden. Die Nanotechnik beeinflusst bereits heute die Industrie in vielen Bereichen, etwa die Automobilindustrie, den Maschinenbau, die Chemische und die Lebensmittelindustrie sowie die Bio- und die Umwelttechnik. Allein in Deutschland arbeiten heute über 800 Unternehmen im Bereich Nanotechnik.

Foto: Siemens AG( Nanostruktur, Foto: Siemens AG)

Die Nanotechnik bietet erhebliche Potentiale für ökologische Produktinnovationen, aber auch Risiken für die Umwelt und die Gesundheit. Hier bestehen noch gravierende Wissenslücken. Die Risiken für die Gesundheit hat das Umwelt BundesAmt zusammengetragen. Beim Lesen der Liste kann einem Angst und Bange werden. Vor allem fragt man sich, wie derartige Materialien verwendet werden können, über deren mögliche Gefahren so wenig bekannt ist.

So stellt das Umwelt BundesAmt fest, dass die gesundheitlichen Risiken, die von den bereits auf dem Markt erhältlichen, auf Nanotechnik basierenden Produkten wie Kosmetika ausgehen könnten, bisher kaum erforscht sind. Die mögliche Aufnahme der Nanomaterialien in den Organismus erfolge über die Atemwege, die Haut und den Mund oder durch eine Kombination dieser Aufnahmepfade.

Foto: INM Leibnitz-Institut für neue Materialien GmbH(Atomare Struktur von Nanoteilchen, Foto: INM Leibnitz-Institut für neue Materialien GmbH)

Atemwege
Nanopartikel gelangen in der Lunge – im Unterschied zu größeren Partikeln – bis zu den Lungenbläschen (Alveolen). Hier werden diese Nanopartikel wegen ihrer geringen Größe nur unzureichend entfernt. Deshalb kann es zu Entzündungsprozessen in der Lunge kommen. Von den Lungenbläschen können die Partikel in die Lunge und von dort in andere Organe gelangen. Das lässt vermuten, dass ein Übertritt in den Blutkreislauf erfolgt. In Versuchen haben Nanomaterialien Lungentumore bei Tieren hervorgerufen. Die dabei ablaufenden  Mechanismen können die DNS (Erbinformation) schädigen, die Vermehrung von Zellen anheizen, was zu anhaltenden Entzündungsreaktionen in der Lunge führen kann. Es gibt auch Hinweise darauf, dass die Nanopartikel – ähnlich wie Asbestfasern – in der Lunge Tumore hervorrufen kann. Bei Tierversuchen mit Ratten zeigte sich, dass eine direkte Aufnahme der Nanopartikel von der Nase über den Riechnerv zum Gehirn möglich ist Mögliche negative Wirkungen sind jedoch noch nicht ausreichend untersucht.

Mund
Die Aufnahme erfolgt beispielsweiese in Arzneimitteln oder in Zusätzen in Nahrungsmitteln. Bisher gibt es nur wenige Studien, die sich mit der Aufnahme und dem Verbleib von Nanomaterialien im Magen-Darm-Trakt beschäftigen. Die Hinweise deuten auf eine eher sehr geringe Aufnahme hin.

Haut
Nanomaterialien können über Zwischenräume der oberen Hautschicht und/oder über die Haarwurzeln in die Haut gelangen. Eine intakte, gesunde Haut stellt anscheinende eine wirksame Barriere gegen Titandioxid-Nanopartikel dar. Partikel ließen sich zwar zwischen den abgestorbenen Zellen der Hornhaut und auch in Haarfollikeln nachweisen, allerdings nie in tieferen Hautschichten oder im Kontakt mit vitalen Zellen.

Andere Nanomaterialien (z.B. Materialstrukturen aus Halbleitermaterialien und Fullerene) scheinen dagegen leicht in die Haut einzudringen. Über den Blutkreislauf können in den Körper gelangte Partikel in Herz, Leber, Milz, Niere und Knochenmark gelangen. Untersuchungen weisen darauf hin, dass manche Nanopartikel biologische Barrieren – wie die Blut-Hirn-Schranke – durchdringen können. Sogar der Übertritt dieser winzigen Teilchen in die Plazenta und von da in den Fetus scheint möglich.

Zellen
Nanopartikel  können Barrieren wie die Zellmembran anscheinend spielend überwinden. Partikel mit einem Durchmesser kleiner als 40nm werden eines noch unbekannten Mechanismus von den Zellen aufgenommen. Bei Nervenzellen wurde beobachtet, wie sich Partikel entlang der Nervenfortsätze bewegen. Abhängig von der Winzigkeit der  Partikel können sie die Funktion der Zelle stören oder sogar bis in den Zellkern vordringen und dort das Erbgut schädigen. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind laut Umwelt BundesAmt ebenfalls noch völlig unbekannt.

Das Amt kommt zu dem Schluß: Die Verteilung der Nanomaterialien im Körper scheint abhängig von Größe, Form und Stoffeigenschaften zu sein. Biologisch abbaubare Nanomaterialien, zum Beispiel Dextranpartikel oder Liposomen, werden metabolisiert und ausgeschieden. Über das Verhalten der nicht-abbaubaren Nanomaterialien ist jedoch noch wenig bekannt. Erste Studien zeigen, dass eine Akkumulation besonders in den Entgiftungsorganen (das heißt Leber und Niere) erfolgt. Ob durch diese Anreicherung der Materialien im Körper ein gesundheitliches Risiko besteht, ist noch nicht ausreichend untersucht.

WANC 21.10.09/ Quelle: Umwelt Bundes Amt, „Nanotechnik für Mensch und Umwelt – Chancen fördern und Risiken mindern“ (http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3765.pdf)

 
Seite versenden  
Seite drucken