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Narkosen sind beängstigend, aber es passiert dabei weit weniger als befürchtet (Foto: TK-Pressefoto 8512000843)
Narkosen sind beängstigend, aber es passiert dabei weit weniger als befürchtet (Foto: TK-Pressefoto 8512000843)
Angst vor der Narkose: Verständlich

Die meisten Menschen haben Angst vor der Narkose. Nicht nur der komplette Kontrollverlust und das Nichtwissen, was während der Zeit passiert, ängstigt Menschen. Häufig stellen sich Betroffene die Frage: Wache ich auch wieder auf? Tatsächlich passiert bei einer Operation aber weniger, als viele fürchten.

"Zehntausende sterben während der Narkose" schrieb die Welt am 25.1.2011. Anlass war der Tod einer Teilnehmerin von Big Brother - die Welt schrieb von der Erotikdarstellerin Sexy Cora  - unter Narkose. Dazu meldete die Zeitung, dass jährlich "rund 43.000 Menschen unter Narkose" sterben. Allerdings räumt die Welt auch ein, dass nicht jeder dieser Menschen an der Narkose gestorben ist.

Tatsächlich ist heftig umstritten, wie hoch das Risiko ist, während und an einer Narkose zu sterben. Denn es gilt sorgfältig zu unterscheiden, ob man an einer Narkose verstirbt oder ob ein anderer Grund - z.B. der chirurgische Eingriffe - der Grund für das Ableben war. Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) und der Berufsverband Deutscher Anästhesisten e. V. (BDA) hat jetzt Daten von 1,36 Millionen Narkosen analysiert. Erhoben wurden die Daten in den Jahren 1999 bis 2010, untersucht wurden Dokumentationen von Anästhesien bei geplanten Operationen bei ansonsten weitgehend gesunden Patienten.

Bei den untersuchten 1,36 Millionen Fällen traten bei 36 Patienten Komplikationen auf, deren Resultat von den behandelnden Anästhesisten als „Tod oder bleibender Dauerschaden“ bezeichnet wurde. In 10 Fällen konnten laut der Untersuchung die schweren Zwischenfälle und Komplikationen eindeutig der Anästhesie zugeordnet werden. Die Auswertung hat somit ergeben, dass es bei mindestens einem von 140.000 Patienten zu einem schweren Zwischenfall gekommen ist, der auf die Anästhesie zurückgeführt werden kann. Oder anders ausgedrückt: Ein anästhesiebedingtes Risiko für schwere Zwischenfälle von 7,3 pro einer Million Narkosen.

In neun Fällen waren Intubationsprobleme (Probleme bei der Beatmung) aufgrund eines unerwartet schwierigen Luftweges der Grund für die Komplikation. In einem Fall handelte es sich um einen Bronchospasmus, das heißt um eine Verkrampfung der Atemwegsmuskulatur. Wie viele von den 10 Patienten starben, sagt die Studie nicht aus.

Zum Vergleich führt die DAGI eine niederländischen Studie an, in der mit 14 pro 100.000 Fällen eine 20-fach höhere Rate an anästhesiebedingten Todesfällen bei Patienten aller Risikogruppen (elektive Eingriffe und Notfälle) festgestellt wurde. Die deutschen Daten liegen umgerechnet bei 0,7 pro 100.000 Fällen. Weil nur gesunde Patienten ohne Notfall- und Herzoperationen in die Untersuchungen einbezogen wurden, mag das Bild verzerrt sein.

Grundsätzlich ist das Risiko an einer Anästhesie zu sterben, in den letzten Jahrzehnten in den Industrieländern stark gesunden. Bis zum Jahr 1970 zählte man pro einer Million Operationen 357 tote Patienten in Folge der Narkose, bis Ende der 80er Jahre waren es noch 52 und bis Ende der 90er 34.

Dass Patienten Angst vor einer Narkose haben, können viele Anästhesisten durchaus verstehen. Das liegt vermutlich auch an den Berichten über das unerwünschte  Erwachen - die sogenannte Awareness (AWR) - im OP. Während eines Eingriffes bei vollem Bewusstsein zu sein, ohne dass es jemand merkt, ist für fast jeden eine Horrorvorstellung. Eine Narkoseärztin vom Waldkrankenhaus Eisenberg berichtete in der Ostthüringer Zeitung von einem sehr seltenen Vorfall, in ihrem Krankenhaus habe es in den vergangenen zehn Jahren keinen einzigen gegeben. Das könne auch so gut wie nicht geschehen, weil die Hirnströme des Patienten und damit seine Narkosetiefe ständig überwacht würden.

Das scheint aber nicht überall die Regel zu sein. In einem Bericht einer englischen medizinischen Fachzeitschrift wird darüber berichtet, dass nur in 1,8% der Fälle ein Monitor (EEG) zur Narkosüberwachung benutzt wird. Die Untersuchung geht davon aus, dass AWR bei einer von 15.400 Operationen vorkommt. Bei einer Umfrage bei 265 Kliniken wurde von 153 AWR-Fällen innerhalb eines Jahres berichtet. Davon waren aber nur in 30% tatsächlich Wachphasen während der OP vorgekommen, bei den restlichen handelte es sich um Phasen des Ein- oder Ausleitens einer Narkose.

Berliner Ärzteblatt 12.05.2014/ Quelle: British Journal of Anaesthesia, Deutscher Anästhesiecongress (DAC) 2014

Schädigt eine Narkose das Gehirn?

 
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