Frauen
Männer
Allergien
Atmungsorgane
Augen, Ohren, Mund, Zähne
Diabetes, Stoffwechselkrankheiten
Haut
Herz-Kreislauf - Herzinfarkt, Schlaganfall
Infektionen, Immunsystem
Migräne, Kopf- und andere Schmerzen
Krebs
Leber, Magen, Darm, Niere, Schilddrüse
Rheuma, Rücken, Gelenke, Knochen
Psyche, Nerven, Gehirn, Suchtkrankheiten
Alternativ
Weitere Krankheiten
 
 

Raucher: Kleine, aber entscheidende Veränderungen am Erbgut

Rauchen ist für ganz viele Erkrankungen verantwortlich, sagen Wissenschaftler. Jetzt haben sie entdeckt, dass Rauchen auch das Erbgut verändert. Und zwar bei einem ganz bestimmten Gen (F2RL3), das unter anderem bei der Blutgerinnung eine Rolle spielt. Diese Veränderung könnte einen ersten Schritt bei der Entstehung von tabakbedingten Herz-Kreislauf-Krankheiten darstellen.
 
Wissenschaftler vermuten schon lange, dass die zahlreichen Giftstoffe im Tabakrauch die Genmarkierungen verändern könnten und so möglicherweise das Risiko für bestimmte Erkrankungen beeinflussen. Diese Hypothese überprüften Dr. Lutz Breitling und Professor Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum an 177 Rauchern, ehemaligen Rauchern und lebenslangen Nichtrauchern, in deren Erbgut sie jeweils 27.500 einzelne Positionen in den Schalterregionen von 14.000 verschiedenen Genen untersuchten. Die Ergebnisse der ersten Untersuchung überprüften die Forscher an weiteren 316 Rauchern und Nichtrauchern.

Das Gen F2RL3 war bei Rauchern anders ausgeprägt als bei Nichtrauchern. Das hat Konsequenzen, denn F2RL3 mischt bei der Blutgerinnung, der Beschaffenheit der Wände der Blutgefäße und dem Entstehen von Entzündungen mit. Die Veränderungen könnten bei Rauchern dafür verantwortlich sein, dass es vermehrt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommt.

Zur Erklärung: Unterschiede in der genetischen Ausstattung eines Menschen können durch „Schreib-Varianten“ in der Reihenfolge der Genbausteine entstehen. Zunehmend entdecken Biologen jedoch, dass Gene auch durch unterschiedliche chemische Markierungen in ihrer Aktivität beeinflusst werden. Werden beispielsweise bestimmte Stoffe (Gene werden durch chemische Markierungen mit Methylgruppen reguliert) im Bereich der Schalterregionen der Gene, der so genannten Promotoren, angeheftet, kann das Gen nicht mehr abgelesen werden.

Diese so genannten epigenetischen Veränderungen wurden bislang hauptsächlich an einzelnen Genen untersucht. Inzwischen erlauben moderne Methoden, das gesamte Erbgut des Menschen nach solchen chemischen Markierungen zu durchforsten. Die epigenetische Genregulation hat für die Krebsforscher aber eine weitergehende Bedeutung: Die chemischen Markierungen lassen sich durch Medikamente beeinflussen und gelten daher als aussichtsreicher Angriffspunkt für neue Krebstherapien.



Berliner Ärzteblatt 01.04.2011/ Quelle: American Journal of Human Genetics 2011, DOI: 10.1016/j.ajhg.2011.03.003
 
Seite versenden  
Seite drucken