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Sozialangst: Schwere Störungen im sozialen Umgang mit anderen Menschen
Sozialangst: Schon 8 Prozent der Erwachsenen leiden

Die Zahl der Menschen, die unter der so genannten "Sozialangst" leidet, steigt zunehmend an. Bereits acht Prozent der Erwachsenen, insbesondere Frauen, sind davon betroffen. Auch bei Kindern ist diese psychische Störung beobachtbar. Die Experten sehen diese Entwicklung als Antwort auf die Auswirkungen der derzeit herrschenden "Speed-Gesellschaft".

Menschen, die unter Sozialangst leiden, haben schwere Störungen im sozialen Umgang mit anderen Menschen. Anzeichen dafür sind die Angst sich in der Öffentlichkeit zu zeigen, mit unbekannten Menschen zu sprechen oder dem Gesprächspartner in die Augen zu sehen. Der Rückzug aus der Öffentlichkeit geht einher mit der Schaffung einer eigenen, abgeschotteten Welt, was von Experten auch als "Cocooning" bezeichnet wird.

"Man kann die Sozialangst mit Parkinson vergleichen. Bei dieser Krankheit bewirkt das Gehirn Störungen, die sich unter anderem durch körperliche Starre und Verlangsamung der Bewegungen auszeichnen. Ähnliches passiert bei einem Menschen, der unter einer Sozialphobie leidet, wenn er mit anderen Menschen in Kontakt treten möchte", erklärt Stefano Pallanti von der Universität Firenz.

Die Gründe für diese neue soziale Entwicklung sehen die Experten in den derzeit herrschenden diffusen Sozialstrukturen, der fortschreitenden persönlichen Unzufriedenheit und einer weniger ausgeprägten Anpassungsfähigkeit an neue Gegebenheiten und Situationen.
Die ständig sinkende Fähigkeit der Menschen emotional schmerzhafte Situationen zu ertragen und zu bewältigen und die geringere Frustrationsschwelle sind weitere Faktoren, so die Experten.

Krankhafte Sozialangst hat ihre Wurzeln schon in der Kindheit, erklären die Experten. Kinder, die systematisch die sozialen Kontakte zu anderen Kindern meiden, sich zurückziehen und auch in der Schule schüchtern sind, können im Laufe der Jahre dieses Verhalten soweit verschlimmern, dass daraus schwere Depressionen und psychische Störungen entstehen können. Der Kern des Problems ist in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern zu suchen.

"Die traditionelle Familie existiert nicht mehr, denn neue familiäre Strukturen haben sich entwickelt. Heute wechseln familiäre Bezugssysteme mit großer Geschwindigkeit durchschnittlich alle vier bis fünf Jahre. Im Gegensatz dazu dauerten sie noch in den 70igern durchschnittlich 25 Jahre. Die fehlende Stabilität macht den Kindern Angst und ist eine praktisch vorexerzierte Bindungsproblematik ", erklärt Pallanti.

Mit der Mutation der sozialen und familiären Strukturen steigt die Zahl der "schwierigen" Kinder, denn eines von zehn Vorschulkindern zeigt schwere Verhaltensstörungen auf, so die Experten. "In den meisten Fällen können wir kognitive oder pathologisch-organische Entwicklungsstörungen als Ursache ausschließen. Vielmehr zeigt sich bei den Kindern eine steigende Tendenz für Wutausbrüche, Ungehorsam und Widerstand. Das Ziel der Psychiatrie wird es zukünftig sein, die Bedingungen für eine "neue Normalität" zu schaffen", resümiert Pallanti.

WANC 11.03.05/pte
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