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Weil Patienten sich fürchten, ihre Erkrankung zuzugeben, werden Heilungsmöglichkeiten zu wenig genutzt (Foto: DAK/Wigger)
Seelische Erkrankungen: Therapiechancen bleiben ungenutzt

Die meisten Menschen mit einer psychischen Erkrankung können heute wirksam behandelt werden. Doch Angst vor Ausgrenzung und mangelnde Information verhindern oft, dass gezielte Hilfe in Anspruch genommen wird. Weil die begleitenden körperlichen Symptome im Vordergrund stehen, sind Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen die Folge.

Viele der psychischen Erkrankungen können heute wirksam therapiert werden. Auch wenn sie sich nicht immer vollständig beseitigen lassen, so kann doch bei der Mehrzahl der Betroffenen das Leid erheblich gemindert werden. Allerdings bedauert die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, (DGPPN), dass "weiterhin psychische Erkrankungen auch in hochzivilisierten Ländern einer Stigmatisierung unterliegen".

Als eines der großen Probleme hat die Gesellschaf die Patienten erkannt, die ihre psychische Erkrankung selber als Stigma beurteilen und in der Folge oft die meist begleitend auftretenden körperlichen Symptome beim Arzt in den Vordergrund stellen. Daraus ergeben sich Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen. Wenn psychisch Erkrankte sich nicht mehr wegen Ihrer Erkrankung schämen, könnten sie von den Behandlungsfortschritten in Psychiatrie und Psychotherapie profitieren.

Psychische Erkrankungen, allen voran Angsterkrankungen, Depressionen, Alkohol- und andere Suchterkrankungen, sowie in zunehmendem Masse auch Demenzen zählen zu den häufigsten Erkrankungen in unserer Gesellschaft. Sie sind nicht nur mit Leid und Behinderung für die Betroffenen und deren Angehörige verbunden, sondern auch von immer größerer volkswirtschaftlicher Bedeutung. Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den letzten Jahrzehnten stetig verbessert.

Besondere Fortschritte konnten auch auf dem Gebiet der der Verhaltensmedizin erzielt werden. Die Verhaltensmedizin als interdisziplinäre Wissenschaft berücksichtigt in besonderer Weise die psychologischen, biologischen und sozialen Aspekte von Krankheit und nutzt empirisch geprüfte Erkenntnisse und Methoden, die in der Prävention, Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation eingesetzt werden. Anwendungsbereiche sind nicht nur direkte psychische Erkrankungen, sondern auch chronische Schmerzsyndrome sowie Erkrankungen von Herz und Kreislauf, Atemwegen, Magen-Darm-Trakt, sowie Krebs, Hauterkrankungen, Gynäkologische Erkrankungen, Immunerkrankungen, Adipositas, Diabetes Mellitus, Tinnitus und neurologische Erkrankungen.

Körperliche Erkrankungen werden häufig von psychischen Symptomen begleitet. Umgekehrt können körperliche Symptome auf eine psychische Erkrankung, z.B. eine Depression oder eine Angsterkrankung hinweisen, ohne dass eine körperliche Ursache vorhanden ist. Bei Menschen, die wegen körperlichen Erkrankungen in Behandlung sind, besteht ein erhöhtes Risiko, dass auch eine psychische Störung vorliegt.

Nach Schätzungen von Experten müsste bei ca. jedem siebten Krankenhauspatient ein Psychiater und Psychotherapeut hinzugezogen werden. Nach Untersuchungen von Prof. Volker Arolt aus Münster würden jedoch nur ein Viertel dieser Patienten überwiesen. Meistens liegen die Überweisungsraten an psychiatrisch-psychotherapeutische Konsiliardienste im Allgemeinkrankenhaus nur bei ca. einem Prozent.

Dabei sind psychische Erkrankungen nicht nur mit zusätzlichem Leid, sondern auch mit komplizierteren Krankheitsverläufen und längeren Verweildauern verbunden. Die Zahl der Wiederaufnahmen und ambulanter Arztbesuche ist erhöht, wenn zusätzlich zu einer körperlichen eine psychische Erkrankung besteht.

Oft wird die Depression bei Patienten mit einer schweren körperlichen Grunderkrankung - z.B. nach Herzinfarkt oder Schlaganfall - übersehen, oder als normal und damit nicht behandlungsbedürftig angesehen. Zwar klingen depressive Syndrome bei akuten körperlichen Erkrankungen oft spontan wieder ab. Studien zeigten jedoch, dass 28 Prozent derjenigen, die bei Krankenhausaufnahme als depressiv eingestuft wurden, dies auch noch bei Entlassung waren und somit das Risiko von Komplikationen erhöht und die Chancen auf Heilung der körperlichen Krankheit vermindert ist. Ist ein Patient z.B. mehrere Tage nach begonnener Behandlung immer noch weinerlich, niedergeschlagen und hoffnungslos und zeigt wenig Teilnahme bei diagnostischen Untersuchungen und Therapiemaßnahmen, sollte eine Untersuchung durch einen Psychiater und Psychotherapeuten angefordert werden.

Auch Alkoholabhängige Patienten, die sich wegen einer körperlichen Erkrankung auf einer internistischen oder chirurgischen Abteilung befinden, werden nur selten dem Konsiliarpsychiater oder einem Suchttherapeuten vorgestellt. Häufig wird ein Substanzmissbrauch immer noch als moralisches und nicht als medizinisches Problem angesehen und dementsprechend die Einschaltung des Psychiaters und Psychotherapeuten als nutzlos erachtet. Untersuchungen belegen, dass Früherkennung und Frühintervention von Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit im Allgemeinkrankenhaus zum Erreichen einer Abstinenz und zur Verhinderung von Rückfällen hilfreich sein können.

Bei den Somatisierungsstörungen klagen die Betroffenen über vielfältige körperliche Beschwerden, z.B. über Schmerzen in verschiedenen Bereichen, ohne dass körperliche Ursachen vorliegen, die das Ausmaß dieser Beschwerden erklären könnten. Betroffene gehen von Arzt zu Arzt, fühlen sich angesichts ihres Leids von den Ärzten und von Ihren Angehörigen nicht ernst genommen und werden oft erst zu spät auf Möglichkeiten einer Psychotherapie aufmerksam.

Durch die Einrichtung psychiatrisch-psychotherapeutischer Abteilungen an Allgemeinkrankenhäusern in den letzten Jahren sind die modernen psychiatrisch-psychotherapeutischen Methoden transparenter geworden. Umfragen weisen darauf hin, dass die Beratung durch einen Konsiliarpsychiater von der Mehrzahl der anfordernden Ärzte und von den gemeinsam betreuten Patienten als hilfreich angesehen wird.

WANC 11.10.04/idw

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