Frauen
Männer
Allergien
Atmungsorgane
Augen, Ohren, Mund, Zähne
Diabetes, Stoffwechselkrankheiten
Haut
Herz-Kreislauf - Herzinfarkt, Schlaganfall
Infektionen, Immunsystem
Migräne, Kopf- und andere Schmerzen
Krebs
Leber, Magen, Darm, Niere, Schilddrüse
Rheuma, Rücken, Gelenke, Knochen
Psyche, Nerven, Gehirn, Suchtkrankheiten
Alternativ
Weitere Krankheiten
 
 

Foto: Stock photo
Wie auch andere Suchtkranke leiden Kaufsüchtige unter seelischen Belastungen, sie benutzen das Einkaufen zur Flucht vor ihren Problemen und Gefühlen (Foto: Stock photo)
Vom krankhaften Zwang zum Kaufen

Nein, das ist kein schlechter Witz unter Männern über Frauen. Die Sucht zum Kaufen gibt es im übrigen nicht nur bei Frauen. Aber doch - es ist eine Sucht, weil meist ein zwanghaftes Verhalten dahinter steckt, sagen Psychiater. Doch fast immer leiden die Betroffenen an mindestens einer weiteren psychischen Erkrankung: Depressionen, Ängste oder Essstörungen. Mittlerweile gibt es Therapien.

Kaufrausch, Kaufzwang, zwanghaftes Konsumverhalten oder „Kauforgie" gehören laut psychiatrischen Lehrbüchern (noch) nicht zu den Impulshandlungen. Tatsächlich überkommt aber heutzutage viele sogenannte „klinisch gesunde“ Mitbürger beiderlei Geschlechts immer öfter ein fast anfallsweise auftretender Kaufdrang. Schuhe, Taschen, Klamotten, Bücher, Kosmetika, Dekorations- oder Elektroartikel – egal, ob im Laden oder online, ob man es nun braucht oder nicht.

Dass artet mitunter zu wahren Einkaufsorgien aus. Manche überziehen dabei ihr Konto, einige verschulden sich sogar ganz erheblich. In Deutschland wurden 2005 zwischen sechs und acht Prozent der Erwachsenen als kaufsuchtgefährdet eingestuft. Man spricht in Fachkreisen heute von 800.000 Betroffenen in Deutschland. Elf Prozent der Deutschen sind ausgeprägte kompensatorische „Shopper,“ sechs Prozent sind de facto kaufsüchtig. So die Ergebnisse einer Kaufsuchtstudie für Deutschland. 



Wer viel kauft, ist aber nicht gleich kaufsüchtig. Entscheidend sind das Verhalten und das Gefühl beim Einkaufen. Ein Hinweis: Schnell nach dem Bezahlen geht das Interesse an dem Gekauften verloren. Wer seine ständige Kauflust nicht beherrschen kann, nicht mehr nur ab und an zum Trost oder zur Belohnung shoppt, hat möglicherweise ein ernstes, behandlungsbedürftiges Problem.

Oft benutzen die Betroffenen die erstandenen Dinge so gut wie nie, legen sie originalverpackt zur Seite, verheimlichen oder verstecken sie, mitunter vergessen sie sie dann sogar. Im Unterschied zum gelegentlichen Schnäppchenwahn oder Frustkauf versuchen Kaufsüchtige, die negativen Konsequenzen ihres Verhaltens zu verharmlosen, zu rechtfertigen oder oft auch durch Lügen oder Betrügereien zu kaschieren.

Wie auch andere Suchtkranke leiden Kaufsüchtige unter seelischen Belastungen, sie benutzen das Einkaufen zur Flucht vor ihren Problemen und Gefühlen. Auffällig ist, dass sie insgesamt locker mit Geld umgehen und nur schlecht einschätzen können, wie viel sie ausgegeben haben.


Meist suchen Betroffene jedoch erst Hilfe, wenn die Schulden sie erdrücken oder die Partnerschaft zu zerbrechen droht. Psychologen sprechen dann vom „pathologischen Kaufen“.

Von den Betroffenen, die sich in Behandlung begeben, leiden mehr als 90 Prozent an mindestens einer weiteren psychischen Erkrankung: Depressionen und Ängste sind mit etwa 80 Prozent am weitesten verbreitet; fast jeder Dritte leidet an Essstörungen oder einer weiteren Suchterkrankung – so eine Studie am Universitätsklinikum Erlangen.

Daher fragen sich Experten mittlerweile, ob Kaufsucht überhaupt ein eigenständiges Störungsbild oder nicht vielmehr ein „Nebenprodukt“ anderer psychiatrischer Erkrankungen ist. Diese Frage konnte bislang noch nicht endgültig beantwortet werden. Auch das Wissen darüber, wie ein solches pathologisches Kaufverhalten entsteht, gibt es noch nicht.

Die meisten Psychiater bezeichnen Kaufsucht (Oniomanie) als Zwangs- oder Impulskontrollstörung – wie Pyromanie, Kleptomanie oder krankhaftes Glücksspiel. Mit diesen Phänomenen hat die Kaufsucht beispielsweise gemein, dass der Patient die aufkommenden Impulse als unwiderstehlich erlebt und sein Verhalten nicht rational begründen kann. Außerdem setzen Kaufsüchtige ihre Handlungen trotz negativer Konsequenzen fort – dies spricht für eine Störung der Impulskontrolle.



Wie behandeln?
Eine Forschergruppe um den Psychiater James Mitchell von der University of North Dakota erprobt eine speziell für Kaufsüchtige entwickelte Verhaltenstherapie. An der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen wird eine modifizierte deutsche Version dieses Programms entwickelt, die teilweise auch schon angewendet wird. In zwölf Therapiesitzungen lernen die Patienten, ihre Kaufattacken zu reduzieren, indem sie deren Ursachen auf den Grund gehen. Auf dem Lehrplan stehen auch angemessenes Konsumverhalten, Finanzmanagement sowie die Bedeutung von EC- und Kreditkarten. In einer Studie an der Stanford University in Kalifornien wurde bereits eine Pille gegen die Kaufsucht mit Erfolg getestet. Das Medikament beeinflusst ganz gezielt den Serotoninspiegel im Gehirn. Serotonin ist ein wichtiger chemischer Botenstoff, der Reize zwischen den Nervenzellen überträgt.

WANC 26.02.10, Quelle: dgk

Was sind typische Anzeichen für eine Depression?

Leiden depressive Männer anders?

Sind Depressionen heilbar?

Wie wirken Selektive Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI)?

Verursacht das Absetzen von Antidepressiva Entzugssymptome?

 
Seite versenden  
Seite drucken