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Antidepressiva: Wie sie wirklich wirken

Menschen mit Depressionen werden mit sogenannten Antidepressiva behandelt. Also Medikamenten, die stimmungsaufhellend wirken sollen. Wissenschaftler haben jetzt entdeckt, dass die Funktion dieser Antidepressiva möglicherweise ganz anders als bisher vermutet ist. Das könnte neue, schnellere und nebenwirkungsärmere Therapien bedeuten.

Ein Ursache für Depressionen sind biologische Vorgänge im Gehirn. Die Eintrübung der Stimmung entsteht, weil die Signalübertragung im Gehirn nicht richtig funktioniert. Und das geschieht, weil an den Enden der Nerven nicht ausreichend Botenstoffe wie Serotonin oder Noradrenalin vorhanden sind. Antidepressiva sorgen dafür, dass sich die Konzentration der Botenstoffe erhöht.

Doch Wissenschaftler haben jetzt heraus gefunden, dass damit die Wirkung dieser Medikamenten nur unzureichend beschrieben wurde und wahrscheinlich auch die Ursachen von Depressionen. Denn nicht nur die mangelnde Übertragung von Signalen im Gehirn ist für das Entstehen einer Depression verantwortlich, sondern auch die mangelnde Neubildung von Neuronen im Gehirn.

Neurologen haben nämlich festgestellt, dass das Gehirn depressiver Menschen eine Besonderheit aufweist: Es ist sozusagen sauer - medizinisch saure Sphingomyelinase (ASM). Oder anders ausgedrückt: Im Gehirn von Depressiven findet sich ein besonders hohe Ansammlung bestimmter Stoffe - Ceramid - die zu depressionsähnlichen Zuständen führen. Auch warum diese Stoffe ein derartige Wirkung entfalten, haben die Ärzte erkannt. Die saure Umgebung hemmt die Neubildung von Nervenzellen im Gehirn.

Diese Entdeckung könnte auch erklären, warum Antidpressiva in der Regel einige Wochen benötigen, bis sie Wirkung zeigen. Es dauert einfach einige Zeit, bis die ASM-Hemmung anschlägt. Das könnte aber auch bedeuten, dass die wichtigste  therapeutische Leistung der Antidepressiva gar nicht in der Anreicherung von Botenstoffen, sondern in der Verminderung von Ceramid und der sauren Umgebung im Gehirn liegt.

Wenn die Steigerung der Neubildung von Nervenzellen im Gehirn dazu beitragen kann, Depressionen zu behandeln, ergeben sich neue Therapiechancen. Denn das schaffen nicht nur die bekannten Antidepressiva. Die Wissenschaftler haben eine große
Anzahl weiterer Substanzen identifizieren können, die zu einer Hemmung der Aktivität der ASM führen. Zusammen mit den neuen Erkenntnissen erhoffen sie sich die gezielte
Entwicklung von effektiveren, spezifischeren und schneller wirkenden Therapien der Depression bei gleichzeitiger Verminderung der Nebenwirkungen.


Berliner Ärzteblatt 18.06.2013/ Quelle: Nature Medicine
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