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Botulinumtoxin wird in die Stirn gespritzt (Quelle: MHH/Kaiser)
Botulinumtoxin wird in die Stirn gespritzt (Quelle: MHH/Kaiser)
Botox: Wirksam gegen Borderline-Störungen?

Eigentlich ist Botox - Botulinumtoxin - ein Nervengift. Seit den 1980er-Jahren wird es auch zu medizinischen Zwecken eingesetzt, vor allem zur Behandlung von neurologischen Bewegungsstörungen (Dystonie). Seit einiger Zeit findet es in der Schönheitschirurgie zur Glättung von Falten Verwendung. Und kürzlich wurden erste - positive - Ergebnisse beim Einsatz gegen Migräne veröffentlicht. Jetzt könnte Botox sogar bei psychischen Erkrankungen helfen: und zwar Borderline-Patienten.

Menschen mit Persönlichkeitsstörungen nehmen Dinge anders wahr, denken anders und verhalten sich anders als andere Menschen. Sie weichen von der Norm ab und haben deshalb Probleme bei persönlichen und sozialen Kontakten. Es gibt verschiedene Arten von Persönlichkeitsstörungen. Die vom Typus Borderline ist nach Definition von Neurologen und Psychiatern "ein schweres psychiatrisches Krankheitsbild … Die Betroffenen erleben sich als Opfer ihrer heftigen Stimmungen und neigen zu selbstschädigendem, manchmal auch fremdaggressivem Verhalten. Sie wirken sehr launisch und reagieren sensibel auf Zurückweisung. Die Betroffenen beschreiben, dass sie sich 'fremd' vorkommen, sich nicht mit sich selbst identifizieren können."

Forscher haben nun herausgefunden, dass Botulinumtoxin Menschen, die an der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs leiden, möglicherweise helfen kann. „Botox könnte das bisher einzige zugelassene Medikament gegen Persönlichkeitsstörungen werden. Es hat zudem den Vorteil, dass seine Wirkung monatelang anhält“, frohlockt Prof. Dr. Tillmann Krüger von der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie der MHH. Sechs Borderline-Patientinnen, deren Krankheitssymptome sich zuvor durch Psychotherapie, Antidepressiva und Antipsychotika nicht gebessert hatten, wurde einmalig Botox in die mittlere untere Stirn gespritzt. 

Der Erfolg? Die Krankheitssymptome reduzierten sich deutlich. Impulsivität, Stimmungsschwankungen und Niedergestimmtheit nahmen ab und das Sozialverhalten verbesserte sich. „Botox dämpft negative Emotionen und wirkt dadurch stabilisierend“, erläutert Krüger. Es lähmt die Muskeln zwischen den Augenbrauen. In diesem Bereich drücken wir negative Stimmungen wie Sorgen und Ängste aus, was an den sogenannten Zornesfalten sichtbar wird.

Botox verhindert, dass negative Emotionen ausgedrückt werden können. Die Folge: Die Intensität dieser Emotionen wird reduziert. Der Grund: Gesichtsausdruck und psychisches Befinden sind eng miteinander verbunden. Mimik drückt Gefühle aus, wirkt aber auch auf die Stimmung zurück. 

„Botulinumtoxin hat, in niedriger Dosierung örtlich gespritzt, kaum Nebenwirkungen“, versichert Krüger. Es funktioniere auch bei jüngeren Personen ohne Gesichtsfalten. Die Forscher sind überzeugt, dass sich die Erfolge auch auf andere Persönlichkeits- und Impulskontrollstörungen übertragen lassen. 

Schon vor einigen Jahren hatten Forscher um Krüger nachgewiesen, dass Botox seelische Erkrankungen positiv beeinflussen kann. So wurden Depressionen schnell, deutlich und anhaltend gelindert. Jetzt soll eine große klinische Studie durchgeführt werden.

Zur Erklärung: Menschen mit der Borderline-Erkrankung haben extreme Stimmungsschwankungen und leiden an ausgeprägten negativen Emotionen. Sie sind sehr impulsiv und führen instabile zwischenmenschliche Beziehungen. Oft stehen sie unter hochgradiger innerer Anspannung, aufgrund derer sie sich häufig als Gegenimpuls körperliche Schmerzen oder Verletzungen zufügen.

Viele von ihnen haben in ihrer Kindheit und Jugend schwere, zum Teil traumatische, Erlebnisse gehabt. In Deutschland leiden nach neuesten Zahlen etwa fünf Prozent der Bevölkerung oder zwischen 2,4 und vier Millionen Menschen an dieser Erkrankung. Mehr als 62 Prozent der Betroffenen sind Frauen. Um die 70 Prozent der Patienten könnten heute erfolgreich behandelt werden – wenn sie sich auf eine umfassende Psychotherapie einlassen.

12.09.2016/ Quelle: American Journal of Psychiatry, Innovationsreport

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