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Demenz: Der umstrittene Einfluss der Ernährung

Demenz ist nicht heilbar. Das ist die traurige aber wahre Botschaft. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, den Krankheitsverlauf hinauszuzögern – auch durch die Ernährung. Das behauptet Dr. Werner Hofmann, Chefarzt der Klinik für Geriatrie und Frührehabilitation am Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster. Doch wie groß die Einflussmöglichkeiten tatsächlich sind, das ist umstritten.

„Zusammenhänge zwischen Ernährung und Demenz sind sehr vielfältig“, sagt Hofmann. Beispielsweise lasse sich bei der Hälfte der Demenzkranken feststellen, dass sie in den Jahren vor der Diagnose schleichend Gewicht verloren haben. Für Hofmann ist die Ableitung klar: „Es lässt sich durchaus sagen: Mangelernährung und Gewichtsverlust sind begleitende Faktoren bei der Entwicklung einer Demenz.“ Aber er schränkt auch ein: "Ob es eine Ursache und eine daraus ableitbare Wirkung gibt, hat sich bislang aber nicht klären lassen: Das ist wie mit der Henne und dem Ei – da ist noch Spekulation im Spiel.“

Dass sich der Krankheitsverlauf durch Ernährung beeinflussen lässt, ist für Hofmann ziemlich klar. Das schließt er schon aus den Ergebnissen von zwei Studien. Demnach soll  eine Kombination verschiedener Nahrungsstoffe – zum Beispiel Vitamine, Fette und Aminosäuren – die Einschränkungen bei einer Alzheimer Erkrankung mildern. „Man kann aber leider nicht schlussfolgern, dass eine wiederaufgenommene bessere Ernährung das Fortschreiten einer Demenzerkrankung aufhält“, schränkt er ein.

Trotzdem sei die Ernährung ein Schalthebel, um das Gesamtbefinden der Patienten wesentlich zu beeinflussen. Es gelten drei Empfehlungen: Mehr Proteine, um den Muskelabbau im Alter zu stoppen und die Sturzgefahr zu reduzieren. Mehr Kalorien, um den erhöhten Energieverbrauch durch Hyperaktivität auszugleichen. Und mehr individuell zubereitete Gerichte, auch finger food, um Leiden wie Schluckprobleme mit entsprechender Kost aufzufangen.

Es gibt andere Studien, die die Auswirkungen von Bewegung und guter Ernährung auf eine Demenz untersucht haben. In der sogenannten FINGER-Studie erhielt die Hälfte von über 1200 Teilnehmer Präventionsprogramm mit Bewegungstraining, Hirnjogging sowie Hinweise zur gesunden Ernährung. In dieser Gruppe verminderte sich der Verlust der Gehirnleistung innerhalb von zwei Jahren seltener im Vergleich mit der anderen Hälfte, die gar nichts verändert hatte. Doch in einer anderen Untersuchung (LIFE-Studie) hatten weder ein körperliches Training noch eine Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren und Mikronährstoffen irgendeinen Einfluss auf das Leistungsvermögen des Gehirns. Die Unterschiede lassen sich nur schlecht erklären. Eine Erklärung könnte aber sein, dass in der FINGER-Studie Demenzkranke in der LIFE-Studie aber Menschen ohne Demenz beobachtet worden waren. 

In der AREDS2-Studie wurde u.a. untersucht welchen Einfluss ein Mix aus Omega-3-Fettsäuren, Lutein und Zeaxanthin zusätzlich zu Varianten einer Hochdosis-Vitamintherapie auf die Gehirnleistung haben. Die Ergebnisse der 4200 Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 72 Jahren sind aber weniger erbaulich. In Gedächtnis- und anderen Gehirntests schlossen diejenigen mit der Einnahme von Nährstoffen nicht besser ab als die ohne. 

Wissenschaftler meinen nun, dass weder Ernährung noch Bewegung alleine etwas gegen Demenz ausrichten können. Wenn überhaupt, dann müsse schon an beiden Stellschrauben gleichermaßen gedreht werden. Was so viel bedeutet, dass beide Maßnahmen nur gemeinsam etwas verändern können.

26.10.2015/ Quelle: Deutschen Gesellschaft für Geriatrie e.V. (DGG)

 
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