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Medikamente können für Demenz sorgen

Dass Medikamente Nebenwirkungen haben können, weiß jeder. Dass diese manchmal sehr heftig sein können, ist auch keine Überraschung. Und dass manche Medikamente andere Krankheiten hervorrufen können, haben Wissenschaftler mittlerweile mehrfach erforscht. Jetzt haben Wissenschaftler der Universitäten Washington, Pittsburgh und Pennsylvania Nachweise gefunden, dass Medikamente, die gegen Schlaflosigkeit, Heuschnupfen, Depressionen oder Benigne Prostatahyperplasie (BPH - eine gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse) eingenommen werden, zu depressiven Erkrankungen führen können.

Alle verwendeten Medikamente haben eine anticholinergische Wirkung, das bedeutet, sie wirken auf Acetylcholin. Das ist ein sogenannter Neurotransmitter, also ein Signalübermittler, der sowohl an vielen zentralen Nervenkernen im Gehirn wie auch in Teilen des peripheren Nervensystems tätig ist. Anticholinergika sorgen nun dafür, dass die Nervenenden kaum oder sogar gar nicht mehr auf das Acetylcholin reagieren.

In der Studie wurden 3.434 Frauen und Männer über 65 Jahren untersucht. Zu Beginn der Studie in den Jahren 1994 bis 1996 hatte keiner der Teilnehmer eine Demenz. Jeder wurde alle zwei Jahre untersucht und das über einen mittleren Zeitraum von 7,4 Jahren. Analysiert wurden die Krankheitsgeschichte und die Aufzeichnungen der Apotheke. Damit wurde ermittelt, wie viele Personen ein Medikament mit einer anticholinergischen Wirkung erhalten hatten. Zusätzlich wurde ermittelt, wie hoch die Dosis war und wie oft die Mittel eingenommen wurden. Diese Daten wurden für die folgenden zehn Jahre mit Diagnosen einer Demenzerkrankung verglichen.

Am häufigsten wurden Antidepressiva, Antihistaminika, Schlafmittel und Medikamente gegen Harninkontinenz eingekommen. Fast ein Fünftel wurde ohne Rezept in der Apotheke gekauft. Im Verlauf der Studie erkrankten 797 Teilnehmer an Demenz und von diesen wiederum 647 (79,9%) an Alzheimer. Deutlich wurde auch eine Abhängigkeit von der Menge der eigenommen Medikamente. Wer im Jahr zwischen 1 und 90 Tagesdosen Anticholinergika einnahm hatte ein kaum erhöhtes Risiko für eine Demenz-  oder Alzheimererkrankung. Bei 91 bis 365 Tagesdosen war das Risiko um 19% (im Höchstfall um bis zu 51%) erhöht, bei 366 bis 1095 Tagesdosen lag die das gesteigerte Risiko bei 23% (im Höchstfall um bis zu 62%) und bei mehr als 1095 Tagesdosen sogar bei durchschnittlich 54% (zwischen 21% und 96%).

Man geht davon aus, dass Personen, die über drei Jahre am Tag mindestens zehn Milligramm vom Antidepressivum Doxepin, vier Milligramm des Schlafmittels Diphenhydramin oder fünf Milligramm Oxybutynin gegen Harninkontinenz einnehmen, über ein erhöhtes Demenzrisiko verfügen.

Berliner Ärzteblatt 29.01.2015/ Quelle: JAMA Intern Med./pte20150128011

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