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Wirkt ein Antidepressivum? Test soll das voraus sagen.

Wenn Menschen unter Depressionen leiden, bekommen sie vom behandelnden Arzt nicht selten sogenannte Antidepressiva verschrieben. Die Meinungen über derartige Medikamente, die Betroffenen aus ihrem Seelentief helfen sollen, gehen stark auseinander. Tatsache aber ist, dass Antidepressiva nicht jedem und nicht jedem gleich und bei verschiedenen depressiven Störungen ganz unterschiedlich helfen. Jetzt haben Wissenschaftler eine Möglichkeit gefunden, das Ansprechen der medikamentösen Therapie bei Depressionen zu prognostizieren.

Viele irritiert das: Antidepressiva helfen nicht jedem Depressiven. Bei machen Patienten wirkt kein Präparat dieser Medikamentengruppe, bei anderen nur ganz bestimmte. Und oft lässt sich gar nicht genau erklären, warum und wie etwas wirkt oder auch nicht. Bisher lässt sich häufig erst nach mehreren Wochen feststellen, ob eine Therapie wirklich anspricht. Das sind für die Betroffenen nicht nur quälende Monate der Ungewissheit, sondern oft auch mit vielen gesundheitlichen Problemen verbundene Stunden. Das könnte sich möglicherweise bald ändern.

Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Universitätsmedizin Mainz haben eine Methode entdeckt, wie sich der Effekt von Antidepressiva per Blutuntersuchung vorab klären lässt. Grundlage ist, dass Depressive weniger eines bestimmten Eiweißes (des Wachstums-Protein „Brain-derived-neurotrophic-factor“ - BDNF) im Blut haben als Gesunde. Die Wissenschaftler stellten zunächst fest, dass bei Patienten, denen ein Antidepressivum hilft, die Konzentration des BDNF nach einer Woche gestiegen war. Bei diesen stießen sie außerdem auf eine bestimmte chemische Substanz - die Methylgruppe. Bei Patienten ohne diese „Methylierung“ stieg die BDNF-Konzentration im Blut trotz Einnahme eines Antidepressivums nicht an und das Antidepressivum wirkte nicht.

Dr. André Tadiæ, Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, sagt, dass bei den Patienten mit der Methylierung die Wahrscheinlichkeit, dass ihnen ein Antidepressivum hilft, bei 60 Prozent rangierte. Jetzt soll an mehreren Patienten ausführlicher getestet werden, dass sich die Beobachtung bestätigt und es sollen weitere Biomarker gefunden werden, um die Vorhersage des Therapieerfolgs für den einzelnen Patienten zu präzisieren.

Bisher gleicht die Verschreibung von Antidepressiva ein wenig einem Roulette. Nur rund einem Drittel der an Depression Erkrankten hilft das erste Antidepressivum, das sie einnehmen. Bei jedem weiteren Präparat sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass es helfen kann. Etwa einem Viertel aller Depressiven nützt kein Antidepressivum. 




Berliner Ärzteblatt 17.05.2013/ Quelle: Molecular Psychiatry

Weitere Informationen:
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