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Nervenzellen (grün), in deren Zellkern die Fumarsäure (rot) gewandert ist (Foto: RUB)
Nervenzellen (grün), in deren Zellkern die Fumarsäure (rot) gewandert ist (Foto: RUB)
Fumarsäure bessert Multiple Sklerose

Multiple Sklerose (MS) ist eine Erkrankung, für die es bis heute keine Heilung gibt. Behandelt werden können die Symptome der Erkrankung. Ärzte sagen, dass mit neuen Medikamenten der Verlauf der MS verlangsamen lässt. Aber die Wirksamkeit der Therapien sei entweder begrenzt oder hätten gravierende Nebenwirkungen. Als Hoffnungsträger gilt seit einiger Zeit die Fumarsäure. Der aus der Behandlung der Schuppenflechte bekannte Wirkstoff bessert MS-Symptome stark, belegen Studien von Forschern der Ruhr-Universität Bochum.

Die Bochumer Wissenschaftler betonen, dass die derzeit verfügbaren Medikamente, die das Immunsystem verändern und so den Verlauf der Krankheit verzögern können, zwar "ungefährlich, aber in ihrer Wirksamkeit eingeschränkt" sind. In schweren Fällen würden Chemotherapeutika eingesetzt, "die allerdings erhebliche teils lebensgefährliche Nebenwirkungen mit sich bringen". Bei der Fumarsäure soll das ganz anders sein. Entdeckt wurde seine Wirkung eher zufällig. In Studie besserte sich der Zustand der MS-Patienten, die zugleich auch an Schuppenflechte litten, auffällig, als sie mit Fumarsäure gegen die Hauterkrankung behandelt wurden.

Die Fumarsäure ist eine Fruchtsäure. Sie kommt in vielen Pflanzen und auch im menschlichen Körper vor. Der Stoff schützt  Nervenzellen vor den Angriffen von Entzündungsvorgängen. Eingesetzt wurde der Wirkstoff bei über 2400 Patienten. Prof. Dr. Ralf Gold, der die Untersuchung geleitet hat, freut sich über die Ergebnisse. Die MS-Schubraten nahmen um bis zu 50 Prozent ab, die Zahl der entzündlich aktiven Herde verringerte sich um bis zu 90 Prozent. Außerdem konnte eine häufige Nebenwirkung – Verdauungsbeschwerden, die beim dermatologischen Medikament bei rund 40 Prozent der Patienten auftreten – durch eine veränderte Zusammensetzung des Medikaments auf drei bis fünf Prozent reduziert werden.

Die Multiple Sklerose ist die häufigste neurologische Ursache von Behinderungen bei jungen Erwachsenen. In Deutschland sind etwa 130 000 Menschen betroffen. Bei MS greift das körpereigene Immunsystem die „Isolierschicht“ der Nervenfaserbahnen an und zerstört sie. Im Krankheitsverlauf werden typischerweise alle Regionen von Gehirn und Rückenmark betroffen. Die Folge sind Koordinationsstörungen, Störungen der Feinmotorik, aber auch Konzentrationsstörungen, Blasenfunktionsstörungen, Erschöpfungszuständen und depressiven Verstimmungen.

Berliner Ärzteblatt 08.11.2012/ Quelle: N Engl J Med 2012; 367:1098-1107, DOI: 10.1056/NEJMoa1114287

Weitere Informationen:
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