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Handystrahlung kann Lernprozesse behindern

Ob Handystrahlung schädlich ist oder nicht, dazu gibt es nicht nur unterschiedliche Meinungen, sondern auch erhebliche Unterschiede in den Ergebnissen von Studien. Wissenschaftler der Ruhr Universität Bochum (RUB) haben die Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder, wie sie von Mobiltelefonen freigesetzt werden, auf die geistige Leistungsfähigkeit untersucht. Sie konnten nachweisen, dass starke Handy-Strahlung im Versuch tatsächlich Lernprozesse im Gehirn behindert, unabhängig von möglichen anderen Einflussfaktoren wie Stress.

Schätzungen zufolge lösen Handys eine schwache, lokale Erwärmung des Gehirngewebes von weniger als 0,1°C aus. Ihre Auswirkungen auf Funktion und Struktur des Gehirns bei Langzeitanwendung (z.B. >30 min.) ist jedoch nicht geklärt, räumen die RUB-Wissenschaftler ein. Nicht geklärt sind auch die nicht-thermischen Effekte. Was damit gemeint ist, beschreibt das RUB so: Die Zellwände können durchlässiger werden, was die Signalübertragung der Nervenzellen und Stoffwechselprozesse beeinflusst. Daraus könnten Beeinträchtigungen bei Lernprozessen im Gehirn entstehen. In Experimenten waren die Effekte aber nicht genau zurechenbar.

In dem Versuch führte allein schon der experimentelle Ablauf trotz Trainings und ungezwungener Vertrautmachung der Tiere mit der Expositionsanlage zu messbarem Stress. Dieser beeinflusste deutlich synaptisches Lernen und Gedächtnisbildung im Gehirn der Ratte. Starke elektromagnetische Felder (SAR 10 W/kg) beeinflussten ebenfalls das Lernen und die Gedächtnisbildung. Dagegen führten schwache elektromagnetische Felder (SAR 0 und 2 W/kg) zu keiner messbaren Beeinträchtigung.

„Diese Ergebnisse kann man zwar nicht ohne Weiteres auf Menschen übertragen“, sagt Dr. Nora Prochnow (Medizinische Fakultät der RUB). „Aber sie zeigen am Tiermodell, dass elektromagnetische Felder im Prinzip Lernprozesse im Gehirn beeinträchtigen können. Sorgen braucht man sich trotzdem nicht zu machen: Menschen sind beim Telefonieren nicht ausreichend starken Feldern ausgesetzt. Anders sieht es in speziellen berufsbedingten Situationen aus, wie z.B. bei der Nutzung von körperassoziierten Antennen, wie sie in Sicherheitsdiensten und zu militärischen Zwecken verwendet werden. Dabei werden die höheren für Arbeiter definierten Expositionsgrenzwerte schneller erreicht und müssen kontrolliert werden.“



Berliner Ärzteblatt  23.06.2011/ Quelle: PLoS ONE 6(5): e19437. doi:10.1371/journal.pone.0019437
 
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